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GoPro: Wenn das die neue Karma-Drohne ist, dann gute Nacht

Foto: Pixabay, PeterDargatz

Im Mai platzte die Bombe: GoPro (WKN:A1XE7G) wollte nicht wie geplant die neue Drohne mit dem Namen „Karma“ schon in der ersten Jahreshälfte an den Markt bringen, sondern erst zu Weihnachten. Eigentlich war die Karma die einzig vernünftige Umsatzquelle für die erste Jahreshälfte, doch die abrupt verkündete Verzögerung konnte ein Indiz dafür sein, dass man etablierten Playern wie DJI doch noch hinterherhinkt.

Bei einer Konferenz im Mai hat CEO Nck Woodman geäußert, dass „wir noch vergangene Woche davon ausgegangen sind, dass wir mit der Karma im Zeitplan sind.“ Woodmans einzige Erklärung für die Verzögerung bestand darin, dass die „revolutionären Features“ der Karma, die sie von allen anderen Drohnen abheben soll, dafür verantwortlich sind, dass ein Produktlaunch nicht rechtzeitig zu machen sei.

Diese Verzögerung war Anlass für heftiges Für und Wider bei Bullen wie Bären. Bullen glaubten an die Erklärung mit den „revolutionären Features“ und dass diese den Markt durchrütteln würden. Bären hingegen befürchteten, dass GoPro in letzter Sekunde noch Bugs oder andere Probleme bekommen würde – oder dass man einsieht, dass die Karma nicht effektiv genug mit anderen Drohnen konkurrieren könnte.

Es ist alles andere als einfach, sich auf die eine oder andere Seite zu schlagen. GoPro hat nämlich lediglich zwei kleine Videos online gestellt, in denen man aber weder das Äußere der Drohne sehen konnte noch technische Daten verraten wurden. Aber: Neulich hat Ryan Goldstein, ein GoPro-Mitarbeiter, der an Drohnen arbeitet, ein Patent eingereicht. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass man auf den Skizzen das Äußere der Drohne erkennen kann.

Ist die „QuadBox“ die Karma?

Goldsteins Design, auch QuadBox genannt, ist eine Drohne, die sich von alleine in eine rechteckige Box zusammenfaltet. Die Propeller kann man entfernen und im Inneren verstauen. Diese Form würde für unterwegs leichter sein als die Drohnen von DJI. Außerdem bei den Patenteinreichungen dabei: zylindrische und sphärische Entwürfe. Die Kamera könnte man oben anbringen, was Woodman Aussage bei der CES 2016 stützt, dass die Karma mit älteren GoPro Kameras abwärtskompatibel sein wird.

Quelle: US-Patentamt

Quelle: US-Patentamt

Es ist nicht ganz klar, ob dieser Entwurf der QuadBox allein von Goldstein stammt oder die Karma von GoPro ist. Goldstein hat die QuadBox Anfang 2015 auf seiner Website vorgestellt, noch bevor er zu GoPro kam. Im letzten Mai stieß er dann zum Unternehmen als Ingenieur für die neu geschaffene Sparte „Aerial Products“, man verkündete dann einen Monat darauf, dass man an einer Drohne arbeite.

GoPro entschied sich zu diesem Schritt aus zwei Gründen. Erstens hat DJI, der weltweit größte Hersteller von Drohnen, die Befestigungen für GoPros ersetzt, um stattdessen eigene Kameras anbringen zu können. Zweitens haben sich die Absatzzahlen für GoPro-Kameras verlangsamt, weil einfach ein neues großes Produkt fehlte, die Konkurrenz zulegte und man nicht in der Lage war, den Durchschnittskonsumenten abzuholen.

GoPro ist nur noch Mitläufer, kein Innovator

Sollte es sich bei der QuadBox tatsächlich um die Karma handeln, dann wäre das einfach nur ein weiterer Beweis dafür, dass GoPro keine Innovationen mehr startet. Die VR-Geräte von GoPro sind lediglich Wiedergänger von Drittanbietern, die Entwicklung einer sphärischen Kamera ist eine Reaktion auf andere Geräte, die 360-Grad-Aufnahmen bieten und mit der Entwicklung von Drohnen begann man zwei Jahre nachdem DJI die Phantom an den Markt brachte.

Die QuadBox ist also keine wirklich innovative Idee. Anfang 2014 konnten AirDroids einen Kickstarter starten, um die Pocket Drone zu finanzieren. Dabei handelte es sich um einen Tri-Copter, der mit GoPros kompatibel war und den man in einen kleinen Koffer zusammenlegen konnte. Allerdings war das Feedback auf Kundenseite alles andere als gut, die Qualität stimmte nicht, und im Mai vergangenen Jahres gab man auf.

Anleger in Bullenstimmung sagen, dass die schiere Markenmacht von GoPro dafür sorgt, dass man auch spät in einen Markt dringen kann und ein disruptives Produkt launcht. Allerdings ist GoPro nicht Apple (WKN:865985). Das Scheitern der „Session“ im letzten Jahr zeigte, wie stark man seine Markenmacht überschätzt hat.

Es ist nicht einfach, auf diesem Markt Fuß zu fassen. Apple hat bereits in 400 Stores die Phantom 4 Drone von DJI im Sortiment, das allein könnte dafür sorgen, dass man diese Weihnachtssaison nicht gerade viel an den Mann bekommt. Xiaomi hat neulich eine 4K-Drohne auf den Markt gebracht, die 50 US-Dollar weniger kostet als GoPros Hero 4 Kamera. Das lässt darauf schließen, dass diesen Winter die Preise noch einmal fallen.

Warum das Anlegern Sorgen machen sollte

Kleiner Vergleich: DJI brauchte ein Jahrzehnt zur Entwicklung seiner Drohnen-Technologie, beschäftigt derzeit 5.000 Mitarbeiter. Bei GoPro waren es Ende 2015 noch 1.500 Mitarbeiter. Um doch mitmischen zu können, heuerte man im letzten Jahr eine Handvoll Spezialisten wie Goldstein und Pablo Lema von 3D Robotics an und verkündete einfach so, dass man in der ersten Jahreshälfte 2016 eine Drohne am Markt haben würde.

Dieser überhastete Plan unterschätzte die Zeit und die Entwicklungsphasen, die DJI in seine Drohnen investiert hat. Kein Wunder also, dass GoPro das Projekt plötzlich nach hinten verschieben musste. Wenn denn die QuadBox auch die Karma ist, dann würde das bedeuten, dass GoPro sich lediglich ein gutes Quadcopter-Design ausgeguckt und dann dessen Entwickler gekauft hat, anstatt von Grund auf ein eigenständiges Produkt zu entwickeln.

Dieser (zugegebenermaßen faul wirkende) Ansatz stört mich. Denn GoPro braucht die Karma und die Hero 5, um die Absätze zu steigern. Man muss im Q4 zwischen 37 % und 83 % zulegen, um auf das Ziel von 1,3 Milliarden bis 1,5 Milliarden US-Dollar zu kommen. Und selbst das würde noch einen Rückgang von zwischen 6 % und 19 % gegenüber 2015 bedeuten.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und GoPro. Dieser Artikel von Leo Sun erschien am 8.7.2016 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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