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Gilead Sciences ist unglaublich billig

Foto: The Motley Fool

Wenn man den Term „werthaltige Dividendenaktie“ hört, dann ist der Biotech-Sektor nicht das, was einem zuerst in den Kopf kommt. Investoren in dieser Wachstumsindustrie unter den Wachstumsindustrien schenken dem Kurs-Gewinn-Verhältnis oft wenig Beachtung und gehen oft hohe Risiken ein in der Hoffnung, dass eines ihrer Investments den Jackpot knacken wird. Unter den gereiften Biotechs kann man aber gelegentlich ein Unternehmen finden, das gerade stark reduziert ist.

Und das ist der Fall bei Gilead Sciences (WKN:885823).

Das Unternehmen wird aktuell nur mit dem 7fachen der Gewinne der letzten 12 Monate bewertet, was es geradezu lächerlich billig macht. Ich würde sogar von einem Traumschnäppchen sprechen.

Natürlich gibt es dafür einen Grund

Gilead ist daher so günstig, weil viele Investoren fürchten, die besten Zeiten könnten schon vorbei sein. Das Biotech-Unternehmen hat sich seinen Namen mit HIV-Behandlungen aufgebaut und hält immer noch einen dominanten Marktanteil von etwa 80 % in den USA. In letzter Zeit ist Gilead aber auch für seine Hepatitis-C-Medikamente Sovaldi und Harvoni bekannt geworden. Diese Medikamente haben im letzten Quartal schockierende 4,3 Milliarden US-Dollar eingebracht, werden aber von Konkurrenzprodukten von AbbVie und Merck bedroht.

Gilead hält in den USA einen Marktanteil im Bereich Hep-C von 90 %, aber da AbbVie und Merck in den Markt eingestiegen sind, wird der Kampf um die Patienten jetzt härter. Gilead gibt in den USA daher mehr Preisnachlässe, um wettbewerbsfähig zu bleiben, es beginnen aber auch weniger Patienten ihre Behandlung mit den Medikamenten von Gilead, da viele Versicherungsgesellschaften den Zugang zu Harvoni und Sovaldi beschränken. In Q1 fielen die Umsätze von Harvoni in den USA um über 50 % im Jahresvergleich auf 1,4 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahr waren es noch 3 Milliarden US-Dollar gewesen.

Da diese Umsätze einbrechen und die Wettbewerber jetzt auch in den HIV-Markt einsteigen, geht die Angst, Gilead könne kein Wachstum mehr erzeugen und verdiene daher die Bewertung eines Unternehmens, das seinen Zenit schon überschritten hat.

Aber hier die Gründe, warum sie falsch liegen.

Die Pipeline

Der erste – und auch offensichtlichste – Fehler, den der Markt aktuell macht, ist die Pipeline nicht in Betracht zu ziehen. Gilead hat hier noch interessante Möglichkeiten für mehrere Krankheitsgebiete: Nicht-alkoholische Steatohepatitis (oder NASH), Autoimmunerkrankungen und Krebs.

Gilead hat vier Medikamente in der Entwicklung, um NASH zu behandeln, wofür es momentan noch kaum Behandlungsoptionen gibt. Diese vier Medikamente befinden sich in Phase 1 und 2 und zielen auf verschiedene Elemente von NASH ab. Gilead arbeitet also daran, einen Cocktail zu entwickeln, um die Krankheit aus mehreren Winkeln anzugreifen. Diese Medikamente werden noch Jahre brauchen, bis sie auf den Markt kommen werden – unter der Voraussetzung, dass sie sich in den Tests gut schlagen – aber Spitzenumsätze für erfolgreiche Behandlungen sind Milliarden von Dollar wert.

Gilead beginnt gerade damit, sein erstes Medikament gegen Autoimmunerkrankungen zu entwickeln mit dem neuen JAK1-Hemmer filgotinib. Nachdem der Wirkstoff in Phase 2 beeindruckende Daten gezeigt hatte, will Gilead jetzt mit Phase 3 beginnen und bei rheumatoider Arthritis  und Crohnpatienten testen. Ein Analyst hat die Spitzenumsätze bei 2 Milliarden US-Dollar angesetzt, daher ist das eine solide Gelegenheit für Gilead. Filgotinib ist aber nicht das einzige Medikament, das Gilead auf Lager hat: GS-5745 ist ein weiteres Medikament (allerdings in einem früheren Stadium), das mehrere Krankheiten in diesem Bereich in Angriff nimmt.

Die Krebssparte ist ins Straucheln geraten, aber es gibt noch Potenzial

Gilead hat aktuell nur ein Krebsmedikament auf dem Markt: Zydelig, das im Juli 2014 von der FDA für mehrere Arten von Blutkrebs zugelassen wurde. Da Zydelig nicht als Erstlinientherapie zugelassen war – und die folgenden Tests für eine Ausweitung aufgrund von unerwarteten Todesfällen bei den Patienten gestoppt wurden – sind die Umsätze alles andere als gut. Niemand erwartet mehr Umsätze von 1 Milliarden US-Dollar oder mehr von diesem Medikament, die die Analysten zuvor angesetzt hatten (Zydelig hat in Q1 2016 49 Millionen US-Dollar geschafft, das legt nahe, dass dieses Jahr 200 Millionen möglich wären).

Aber Gilead hat ja noch eine ganze Reihe anderer Medikamente in Entwicklung, obwohl die meisten davon noch im frühen oder mittleren Stadium sind. Die Krebs-Pipeline ist aktuell ein Flickenteppich – viele verschiedene Medikamente, viele verschiedene Wirkungsweisen. Das Management will sehen, ob diese Medikamente in verschiedenen Kombinationen etwas ausrichten können, was in den letzten Jahren auch bei der Krebsforschung immer wieder passiert. Executive VP Paul Rutherford Carter kommentierte auf einer aktuellen Konferenz: „Es ist unsere Hoffnung, zu diesem Zeitpunkt im nächsten Jahr einen klaren Weg für eine oder mehr von diesem Kombinationen gefunden haben.“(Zitate von S&P Market Intelligence).

Schwer zu bewerten, aber immer noch wertvoll

Um das einmal kurz zusammenzufallen: Gilead hat eine umfangreiche Pipeline voller möglicherweise beeindruckender Gelddruckmaschinen. Wie viel Wert in der Pipeline steckt, ist aktuell unklar – immerhin müssen wir erst noch sehen, wie alle diese Medikamente sich in Phase 3 entwickeln werden (bei der Krebsbehandlung muss Gilead sich auch noch überlegen, welcher Strategie man folgen will). Aber nur weil das Wachstum, das Gilead aus seiner Pipeline quetschen kann, unklar ist, muss das nicht heißen, dass es in Zukunft kein Wachstum geben wird.

Aber spielen wir einmal mit diesem Gedanken. Selbst wenn du glaubst, dass die Pipeline nichts wert ist, dann hat Gilead noch eine andere große Möglichkeit: Fusionen und Übernahmen.

Wachstum kaufen

Das Unternehmen hat 21,3 Milliarden US-Dollar in der Bilanz (was fast 20 % der Marktkapitalisierung ist). Mit all dem Geld kann Gilead seine Pipeline aufbauen oder einfach ein Medikament in einem neuen Bereich kaufen. Zum Beispiel brachte der Kauf von Pharmasset im Jahr 2011 für 11 Milliarden US-Dollar Sovaldi und damit begann die Dominanz im Bereich Hep-C.

Das Management hat uns auch ein paar Anhaltspunkte darüber gegeben, was sie denken. Auf der Goldman Sachs Healthcare Conference sagte Norbert Bischofer Chief Science Officer von Gilead über potenzielle Übernahmeziele: “Der größte Bedarf, würde ich sagen, oder wo wir gerade suchen, ist die Onkologie, denn ich glaube, wir sollten den Onkologie-Franchise voll ausbauen.”

Mit all dem Geld kommen aber auch die Möglichkeiten, viele Strategien zu verfolgen, um Werte für die Aktionäre zu schaffen – egal ob man in organische Forschung und Entwicklung investiert, Medikamente von anderen Unternehmen kauft oder die Dividenden und Rückkäufe erhöht. Aktuell folgt Gilead allen drei Ansätzen und ich glaube, dass sich der skeptische Markt irren wird, wenn das Management neue Wachstumsmöglichkeiten entdeckt und Möglichkeiten entwickelt, die schon identifiziert sind.

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Motley Fool besitzt und empfiehlt Gilead Sciences.

Dieser Artikel wurde von Michael Douglass  auf Englisch verfasst und wurde am 04.07.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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