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Clinton oder Trump – kann der Aktienmarkt den nächsten Präsidenten voraussagen?

Quelle: Pixabay, Pete Linforth

Als die Wahl zur Präsidentschaft 1992 bevorstand, entschieden sich einige eher populäre Demokraten gegen eine Kandidatur. George Bush Senior war einfach zu mächtig – dachte man zumindest:

  • Er konnte den ersten Golfkrieg in weniger als einem Monat für die USA entscheiden, er hatte eine Zustimmungsquote von 89 %.
  • Der Aktienmarkt stieg 54 % im Zeitfenster von seiner Wahl 1988 bis Juli 1992.
  • Kein Präsident hatte mit 60,9 % eine so hohe durchschnittliche Akzeptanzquote seit John F. Kennedy.

Bei den Demokraten entschied man sich stattdessen dafür, einen jungen Typen namens Bill Clinton als Opfergabe ins Rennen zu schicken. Damals stand es Ende April noch 44 % für Bush, 25 % für Clinton, 24 % für den unabhängigen Kandidaten Ross Perot.

Und dann passierte etwas Unerwartetes: Die Arbeitslosigkeit stieg von 6,4 % Anfang 1991 auf 7,8 % im Sommer 1992. Clinton und sein Team sorgten dafür, dass auch jeder es mitbekam. Ihr Motto „It’s the economy, stupid!“ konnte man überall lesen.

Als die Zahlen zur Arbeitslosigkeit dann publik wurden, sank die Zustimmung für Bush, Clintons stieg dagegen.

Seltsam: Unser foolisher US-Kollege Morgan Housel hat mal die Zahlen verglichen und rausgefunden, dass es „eigentlich überhaupt keinen Zusammenhang zwischen der Arbeitslosenzahl am Wahltag und der Wahrscheinlichkeit der Wiederwahl des Amtsinhabers gibt. Auch wenn man den Verlauf der Arbeitslosigkeit durch den Amtsterm hindurch verfolgt, dann ist die Korrelation eher schwach.“

Kann der Aktienmarkt den nächsten Präsidenten voraussagen?

Kurz und schmerzlos: nein, kann er nicht. Jede Korrelation ist alles andere als ein sicheres Zeichen. Das ist wichtig zu verstehen, sonst könnte dich das, was ich weiter unten aufführe, zum gegenteiligen Denken verführen.

Nachdem ich Housels Artikel vor vier Jahren gelesen habe, bemerkte ich, dass der Dow Jones Industrial Index zwischen dem 1. September und dem Wahltermin 1992 um 1,2 % gefallen war. Das klingt nicht nach viel, dennoch war es erstaunlich, wie sich das Muster zu halten schien. Deswegen betrachtete ich mal die vorangegangenen Wahlen.

Es war schon überraschend: Die Bewegung des Aktienmarkts zwischen dem 1. September und dem Wahltermin hat in 26 der 29 Fälle den Gewinner des Wahl vorausgesagt. Kurz: Wenn der Markt steigt, gewinnt der Amtsinhaber (bzw. dessen Partei), fällt er, gewinnt der Herausforderer. Diese Methode stimmte in 90 % der Fälle!

 

Jahr Veränderung im Dow Jones vom 1. September bis Wahltermin Gewinner Partei Konnte der Dow Jones den Gewinner voraussagen?
2012 1,2 % Obama Democrat JA
2008 (20,2 %) Obama Democrat JA
2004 (2,5 %) Bush Republican Nein
2000 (2,7 %) Bush Republican Ja
1996 8,5 % Clinton Democrat Ja
1992 (1,2 %) Clinton Democrat JA
1988 3,1 % Bush Republican JA
1984 2,6 % Reagan Republican JA
1980 (1,3 %) Reagan Republican JA
1976 (1,9 %) Carter Democrat JA
1972 2,4 % Nixon Republican JA
1968 3,1 % Nixon Republican NEIN
1964 3,5 % Johnson Democrat JA
1960 (2,1 %) Kennedy Democrat JA
1956 (2,8 %) Eisenhower Republican NEIN
1952 (2 %) Eisenhower Republican JA
1948 2,9 % Truman Democrat JA
1944 3 % FDR Democrat JA
1940 0,8 % FDR Democrat JA
1936 6,3 % FDR Democrat JA
1932 (20,4 %) FDR Democrat JA
1928 7,7 % Hoover Republican JA
1924 1,1 % Coolidge Republican JA
1920 (1,9 %) Harding Republican JA
1916 13,3 % Wilson Democrat JA
1912 (1,1 %) Wilson Democrat JA
1908 0,4 % Taft Republican JA
1904 18,4 % Roosevelt Republican JA
1900 4,1 % McKinley Republican JA

Quellen: INVESTING.COM und ANALYZEINDICES.COM. Grafik vom Autor.

Bedeutet das also, dass wir einfach nur den Markt ab dem 1. September beobachten sollen, die Füße hochlegen und das Unvermeidliche eintreten lassen sollen?

Kaum. Wie schon weiter oben gesagt: Es ist nicht möglich, den Beweis ganz wasserdicht zu führen. Stattdessen sollte man sich vorsagen, dass diese Methode ungefähr so exakt ist wie der Oktopus Paul, der 2010 den Ausgang der WM-Spiele der deutschen Mannschaft voraussagte. Es ist ein Zeitvertreib, aber sollte nicht zu ernst genommen werden.

Halt also einfach mal die Augen auf und schau dir an, ob das Dow-Jones-Orakel dieses Jahr wieder zutrifft oder nicht – aber mach deine eigene Meinung nicht davon abhängig.

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The Motley Fool besitzt keine der angegebenen Aktien.

Dieser Artikel von Brian Stoffel erschien am 4.7.2016 auf Fool.com. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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