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5 Dinge, die dir das Management von BP mitteilen möchte

Foto: Mike Mozart. Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

BP (WKN:850517) steht wie alle anderen Öl- und Gasunternehmen unter großem Druck von der Wall Street, seine Ausgaben unter Kontrolle zu bringen. Der rapide Einbruch des Ölpreises in den letzten beiden Jahren hat die Unternehmen gezwungen, sich an den Schuldenmärkten frisches Geld zu holen und große Vermögenswerte zu verkaufen, um die Finanzierung ihrer großen Entwicklungsprojekte sicherzustellen.

Da BP gerade mehrere dieser großen Projekte zum Abschluss bringt, drängt das Management darauf, die Finanzierungslücke zu schließen und wieder Gewinne und freien Cashflow zu generieren. Die folgenden Zitate des Finanzchefs von BP, Brian Gilvary, erklären, wie das Unternehmen das erreichen will.

Die Investitionen noch weiter reduzieren

BP hat 2010 bei der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko eine wichtige Lektion gelernt. Da das Unternehmen so viel für die Schäden zahlen musste, musste das Unternehmen lernen, seine Investitionen einschränken und sich auf die Projekte mit den höchsten Renditen konzentrieren. Das zahlt sich jetzt aus, denn BP hat den Gürtel jetzt deutlich enger geschnallt. Laut CFO Brian Gilvary schränkt das Unternehmen die Ausgaben sogar noch mehr ein als ursprünglich erwartet worden war:

Wir machen weiter große Fortschritte dabei, sowohl die Kapital- und die Cashkosten zu reduzieren. Wir erwarten jetzt Investitionsausgaben im Verhältnis zu unserem aktuellen Portfolio von etwa 17 Milliarden US-Dollar dieses Jahr. Wir sehen noch Spielraum, diese 2017 auf 15 bis 17 Milliarden US-Dollar pro Jahr zu reduzieren, sollten die Ölpreise weiterhin so niedrig bleiben. In unserem Ausblick aus dem Februar hatten wir von 17 bis 19 Milliarden US-Dollar pro Jahr gesprochen, während 2016 am unteren Ende dieser Spanne liegen sollte.

Große Kosteneinsparungen

Ganz oben auf der Streichliste bei neuen Projekten steht eine drastische Reduzierung des operativen Budgets. Gilvary:

Die Cashkosten des Konzerns lagen in den letzten 4 Quartalen um 4,6 Milliarden US-Dollar niedriger als 2014. Das zeigt schon den Rückenwind, den wir uns durch unsere Bemühungen erarbeitet haben. Damit sind schon zwei Drittel des Weges zurückgelegt, um die Kostenreduzierungen von 7 Milliarden US-Dollar von 2014 bis 2017 zu erreichen.

7 Milliarden US-Dollar aus den operativen Kosten herauszunehmen, wird einen großen Beitrag dazu leisten, die Gewinne bei BP zu erhöhen, aber diese Kosteneinsparungen müssen auch über mehrere Jahre aufrecht erhalten werden. Hoffentlich wird das eine Lektion, die auch länger als die Preisrückgänge befolgt wird.

Sie kommen der Sache näher

Der Grund, warum das Unternehmen diese massiven Kosten und Kürzungen durchzieht, ist, weil es eine große Priorität gibt: Die Dividendenzahlungen an die Aktionäre. Immerhin ist für ein großes Unternehmen in einem zyklischen Bereich wie BP eine konstante Dividendenausschüttung einer der wichtigsten Gründe zu investieren. Dank dieser Kosteneinsparungen, merkt Gilvary an, dass das Unternehmen den Wert nach unten korrigiert, ab dem kostendeckend gearbeitet werden kann:

Wir arbeiten auf das Ziel hin, den Cashflow bis 2017 zu den vorherrschenden Ölpreisen neu aufzustellen, der damals im Oktober 2015 bei 60 US-Dollar pro Barrel lag. Da wir stetig immer mehr Kosten einsparen, sinkt auch der Brentpreis, ab dem wir kostendeckend arbeiten können. Wir erwarten jetzt, dass sich die Situation bis 2017 bei einem Ölpreis von 50 bis 55 US-Dollar pro Barrel einpendeln wird. Das definiert aktuell die Basis für unsere anhaltenden Bemühungen, die Dividende als oberste Priorität innerhalb unserer finanziellen Rahmenbedingungen aufrecht zu erhalten.

In diesen Bereich zu kommen, wäre eine ziemlich eindrucksvolle Leistung, wenn wir bedenken, dass die Kostendeckung vor ein paar Jahren noch bei etwa 70 US-Dollar gelegen hatte – die meisten dachten aber, dass das schon in Ordnung wäre, als der Ölpreis konsequent bei über 100 US-Dollar pro Barrel lag. Die Investoren sollten daher ein Auge auf diesen Kostendeckungsbetrag haben. Kurzfristig wäre es nützlich, wenn BP auch diesen Betrag noch etwas absenken könnte, um mit dem Markt mitzuziehen. Langfristig wollen wir nicht, dass die Kostendeckung ansteigt, egal, was der Ölpreis macht.

Etwas Wachstum ist noch möglich

Lange Zeit ging bei den langfristigen Investoren die Angst um, dass der Rückgang bei den Ausgaben zu weniger Wachstum führen würde. Oder noch schlimmer, zu einem Mangel an neuen Produktionsstätten, um die natürlichen Rückgänge bei den Ölquellen aufzufangen. Laut Gilvary hat das Unternehmen aber noch viele Möglichkeiten, um die profitable Produktion in den nächsten zehn Jahren zu erhöhen:

Alles in Allem haben wir bei unseren größeren Upstreamprojekten weiter Rückenwind, wenn wir über das laufende Jahr hinaus blicken. Unsere Projekte für 2017 befinden sich im Zeitplan und zusammen mit unseren 6 neuen Starts erwarten wir bis Ende 2017 eine Nettokapazität von 500.000 Barrel an Öläquivalenten pro Tag mehr als 2015 zu erzeugen… Abgesehen von diesen Projekten sind auch unsere Produktionsanlagen in Shah Deniz in Phase 2 und damit vor dem Zeitplan und etwa 70 % abgeschlossen. Das erste Gas ist für 2018 angekündigt. All das bedeutet, dass wir auf Kurs sind, um bis 2020 über 800.000 Barrel zusätzlich pro Tag zu produzieren.

Hier sollte man das Shah-Deniz-Projekt beachten. Dieses massive Erdgasprojekt im Kaspischen Meer ist eines diese Megaprojekte, die viele Unternehmen in den letzten Jahren behindert haben – man denke nur an die Kostenüberschreitungen beim Kashagan-Projekt von ExxonMobil und Royal Dutch Shell (WKN:A0D94M) und der Gorgon-Anlage für Flüssigerdgas von Chevron. Das sollte jede Menge profitable Kapazitäten schaffen, aber das Projekt muss auch innerhalb des Zeitplans und des Budgets umgesetzt werden.

Die andere Frage, die man sich als Investor vielleicht stellen mag, ist, ob diese Kosteneinsparungen auch abgesehen von diesen Projekten bleiben werden.

Keine großen Käufe geplant

Das die Öl- und Gaspreise in den letzten beiden Jahren gefallen sind, hat sich die Wall Street in den letzten beiden Jahren dafür ausgesprochen, große Übernahmen zu tätigen, da die Kurse so günstig sind. Bisher gab es davon aber nur eine und das war Shell mit seiner Übernahme im Wert von 52 Milliarden US-Dollar der BG Group. Auf die Frage nach einer Übernahme, antwortete Gilvary:

So wie der Markt für Fusionen und Übernahmen aktuell aussieht, gibt es im Upstream-Bereich viele Vermögenswerte, die zum Verkauf stehen. Ich denke, eines unserer Prinzipien – und das geht auf den Oktober 2011 zurück, ist das Konzept sicherzustellen, dass auch der Wert stimmt und dass es auch den Aktionären Wert stiftet. Unter diesen Gesichtspunkten, haben wir uns den Markt angesehen. Wir haben uns mehrere Optionen angesehen, die für uns strategisch passen würden. Ich denke, dass das Wichtigste dabei der Gewinn für die Aktionäre ist. Wenn das die Sache nur verwässert, dann stellt man die Sache in Frage: „Warum sollte man dafür Geld ausgeben?” Daher haben wir kleinere Übernahmen vorgenommen. Wir haben einige getätigt – im letzten Quartal haben wir einige in den USA getätigt, um unsere bestehenden Positionen im San-Juan-Becken aufzubessern. Und wir werden weiterhin nach solchen Gelegenheiten suchen, wo wir glauben, Werte stiften zu können. Wir sind dabei üblicherweise der Betreiber oder vertiefen unsere Positionen. Aber es ist ziemlich schwer, Sachen zu finden, die im aktuellen Markt wertstiftend sind und es gibt derzeit vieles auf dem Markt. Daher werden wir weiter suchen.

Was er damit meint: „Bisher hat uns keines der größeren Angebote vom Hocker gehauen und wir konzentrieren uns auf andere Dinge, aber wir halten die Augen offen.“ Das ist eigentlich ziemlich dasselbe, was die Chefs von ExxonMobil und Chevron in letzter Zeit von sich gegeben haben.

Teilweise könnte das wahr sein und aktuell sieht kein Angebot wie ein totales Schnäppchen aus, aber man darf auch nicht vergessen, dass die Währung, in der bezahlt werden soll – wahrscheinlich Aktien des Unternehmens – aktuell auch nicht gerade zu Höchstpreisen verkauft werden und das könnte zu einer unnötigen Verwässerung führen. Wenn diese Unternehmen ihren Cashflow wieder in die Spur kriegen, dann werden wir vielleicht mehr Übernahmegerüchte hören. Im Moment ist es in der Gerüchteküche ziemlich still.

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Motley Fool besitzt und empfiehlt ExxonMobil. Motley Fool empfiehlt Chevron.

Dieser Artikel wurde von Tyler Crowe auf Englisch verfasst und wurde am 22.06.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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