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Wachstumsaktien oder Wertaktien: Langfristig ist es am besten, wenn du…

Foto: Pixabay, steenml

Man kann mit Sicherheit sagen, dass die Börse langfristig den meisten Reichtum schafft.

Wir haben einen Anstieg der Immobilienpreise in den 1990ern gesehen, aber in den vorhergehenden 100 Jahren (1890-1990) hatten sich die Immobilienpreise nur um schwache 0,21 % pro Jahr besser entwickelt als die Inflation. Das bespricht Robert Shiller in Irrational Exuberance. Im Vergleich dazu steigt die Börse inklusive reinvestierter Dividenden um etwa 7 % pro Jahr, was etwa das Doppelte der Inflation zwischen 1914 und 2014 war. An der Börse zu investieren gibt einem vielleicht die besten Möglichkeiten, um seine Rentenkasse aufzubessern und dann mit dem Arbeiten aufzuhören, wann man selbst will.

Die ewig alte Diskussion: Wachstumsaktien oder Value-Aktien

Der Weg, den ein Investor aber von Punkt A nach Punkt B nimmt, steht aber schon seit Langem zur Debatte. Es gibt mindestens ein halbes Dutzend Strategien, aus denen man hierbei auswählen kann, aber nur wenige sind so renommiert wie Wachstumsaktien und Value-Aktien.

BILDQUELLE: PIXABAY.

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Wachstumsinvestoren suchen üblicherweise Unternehmen, die ein höheres Wachstum als die Börse und vielleicht sogar als die Konkurrenten zulassen. Unternehmen, die schneller wachsen, sind oft Trendsetter und es ist anzunehmen, dass sie ihre höhere Wachstumsrate auch über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten sollten. Diese haben auch das Potenzial für hohe Kursgewinne. Der Nachteil davon, wie du dir vorstellen kannst, besteht darin, dass sie nicht immer Geld verdienen und die Bewertungen von Wachstumsaktien schneller steigen können als die Fundamentaldaten, da die Investoren emotional werden.

Im Vergleich dazu suchen die Value Investoren nach Investitionen, die günstiger als der Gesamtmarkt oder der entsprechende Sektor gehandelt werden. Value-Aktien haben meist gereifte und bewährte Geschäftsmodelle und versuchen, ihre starke Preissetzungsmacht und moderates Wachstum aufrecht zu erhalten. Oft belohnen sie auch die langfristigen Aktionäre mit Aktienrückkäufen und Dividenden. Value Aktien können aber natürlich auch billiger werden, denn der Versuch, ein Tief genau zu timen ist einfach nur verlorene Liebesmüh. Da Value-Aktien auch ein reiferes Geschäft besitzen, bieten sie auch nicht dieselben Renditen, die man gelegentlich bei Wachstumsaktien zu sehen bekommt.

„Welche Methode ist also langfristig die bessere?” fragst du dich. Das ist genau die Frage, die sich auch Bank of America/ Merrill Lynch gestellt haben.

Langfristig ist diese Strategie die beste

Basierend auf den Ergebnissen von Bank of America/ Merrill Lynch bei der Untersuchung eines Zeitraums von über 90 Jahren, schafften die Wachstumsaktien im Durchschnitt 12,6 % seit 1926. Value-Aktien generierten dagegen im selben Zeitraum eine Durchschnittsrendite von 17 % pro Jahr. Michael Hartnett, Chefinvestmentstratege bei Bank of America/ Merrill Lynch sagt dazu: „Value-Aktien haben Wachstumsaktien in drei von fünf Jahren in diesem Zeitraum überholt.”

BILDQUELLE: GETTY IMAGES.

BILDQUELLE: GETTY IMAGES.

Vielleicht ist es interessanter, dass Value-Aktien sich in Wachstumszeiten besser geschlagen haben, während Wachstumsaktien unter schwachen wirtschaftlichen Bedingungen oder Abwärtstrends bessere Ergebnisse geliefert haben. Das würde auch erklären, warum Value-Aktien die Wachtumsaktien hinter sich gelassen haben, da die Wirtschaft viel länger steigt als sie fällt oder stagniert.

Hier sollte auch noch angemerkt werden, dass sich dieser Trend seit der Finanzkrise umgekehrt hat. In anderen Worten haben Wachstumsaktien Value-Aktien deutlich hinter sich zurück gelassen und das obwohl die amerikanische Wirtschaft wieder gewachsen ist. Wir haben es in diesem Zeitraum von sieben Jahren aber auch mit historisch niedrigen Zinssätzen zu tun, was es für Wachstumsunternehmen leichter als jemals zuvor macht, Kapital zu bekommen, um neue Leute einzustellen, zu expandieren und Wettbewerber zu kaufen. Wenn sich die Zinsen in den nächsten Jahren wieder normalisieren, werden wir sehen, wie sich dieser Trend wieder umkehrt.

Value-Aktien, die man auf dem Radar haben sollte

Das Tolle an Value-Aktien ist, dass sie in allen möglichen Formen und Größen kommen und in jedem Sektor zu finden sind. Es folgen ein paar Namen, die du vielleicht auf dem Radar oder in deinem Portfolio haben willst.

2016 FORD F-150 LIMITED. DER F-SERIES PICKUP IST DAS BESTVERKAUFTE AUTO IN DEN USA BILDQUELLE: FORD MOTOR.

2016 FORD F-150 LIMITED. DER F-SERIES PICKUP IST DAS BESTVERKAUFTE AUTO IN DEN USA BILDQUELLE: FORD MOTOR.

Ford Motor

Unter den Value-Aktien mit hoher Marktkapitalisierung ist Ford (WKN:502391) eine, die mein Interesse geweckt hat. Die Autobauer stehen derzeit nicht in der Gunst der Investoren, da man sich an der Wall Street Sorgen macht, die Autoverkäufe würden sich in den USA einem Hoch nähern. Zusätzlich soll sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in China auch verlangsamen. Daher könnten die internationalen Umsätze unter Drück geraden. Da die Umsätze 2016 und 2017 nur noch um 2 % steigen sollen, ist Ford mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur 6 gebrandmarkt.

Ford verfügt aber auch über eine langfristige Wachstumsmöglichkeit in China, was vielleicht gerade einmal die Spitze des Eisbergs ist. Da die chinesische Mittelschicht wächst und einfachen Luxus möchte, könnten die Fahrzeuge von Ford großen Erfolg haben und Marktanteile gewinnen.

Ford hat auch bei den kostenbewussten amerikanischen Kunden wahre Wunder bewirkt. Die vernünftigen Preise und die Konzentration auf den Luxus in der Fahrgastzelle wie Infotainmentsysteme und der verbesserte Kraftstoffverbrauch durch die Einführung des EcoBoost-Motors haben geholfen, den Marktanteil in den USA zu erhöhen.

Ein niedriges KGV ein Kurs-Gewinn-Wachstumsverhältnis von 0,6 und eine Dividende von 4,6 %, mehr als das Doppelte des S&P 500, machen Ford zu einer attraktiven Value-Aktie, die du dir einmal ansehen solltest.

BILDQUELLE: JUNIPER NETWORKS.

BILDQUELLE: JUNIPER NETWORKS.

Juniper Networks

Unter den Unternehmen mit mittlerer Marktkapitalisierung tendiere ich zu Juniper Networks (WKN:923889), einem Lieferanten von Netzwerkprodukten und Diensten.

Die Herausforderung für ein Unternehmen wie Juniper besteht darin, dass es in Zeiträumen mit niedrigem Wachstum oder bei Abwärtstrends in der Weltwirtschaft Probleme gibt. Juniper investiert in Datenzentren und Firewalls, um sein Wachstum anzukurbeln und wenn diese Investitionen ausbleiben, dann verlangsamt sich auch das Wachstum. Das sehen wir auch aktuell bei Juniper. Das Unternehmen soll 2016 flache bis leicht gestiegene Gewinne verzeichnen.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die Weltwirtschaft deutlich mehr Zeit mit Wachstum als mit Abwärtsbewegungen verbringt. Das bedeutet, dass der Vorstoß in die Bereiche Cloud-Computing und Datenzentren weiter geht. Die Nachfrage nach Routern, Controllern, Switches, Sicherheit und Bandbreite wird im Lauf der Zeit nur immer weiter wachsen und das wären sehr gute Aussichten für Juniper Networks.

Juniper hat auch damit begonnen, seinen starken Cashflow darauf zu verwenden, die langfristigen Investoren zu belohnen. 2014 wurde eine vierteljährliche Dividende von 0,10 US-Dollar eingeführt. Das entspricht einer Rendite von 1,7 %. Das wird die Investoren natürlich nicht vom Hocker reißen, aber es ist ein nettes Plus zusätzlich zu dem Rückkaufsprogramm im Wert von 2 Milliarden US-Dollar, das 2014 angekündigt wurde.

Ein künftiges KGV von 10 und ein Kurs-Gewinn-Wachstumsverhältnis von 0,9 scheinen ein vernünftiger Preis für Juniper zu sein.

BILDQUELLE: MOVADO.

BILDQUELLE: MOVADO.

Movado Group

Unter den Unternehmen mit geringer Marktkapitalisierung fällt der Einzelhändler für Accessoires,  Movado Group (WKN:887998) positiv auf.

Das letzte Quartal war sicher nicht das beste. Im ersten Quartal des Steuerjahres 2017 wurde ein Umsatzrückgang im Jahresvergleich von 5 % und ein Rückgang von 7 % beim bereinigten Gewinn pro Aktie verzeichnet. Movado gab die Schuld dafür den schwachen Verkäufen im Offline-Einzelhandel und entschloss sich dazu, mehr in Online-Vertriebskanäle zu investieren, was die Kosten natürlich erhöhte und den Ausblick für das Gesamtjahr nach unten zog.

Movado hat eine starke Präsenz im Einzelhandel im Bereich Uhren und ich glaube, dass das Unternehmen den perfekten Preisbereich für diese Nische hat. Die Marke strahlt Luxus aus, kostet aber nicht zu viel für den Kunden aus der Mittelschicht. Es ist ein Markenname mit Wiedererkennungswert, der es den Kunden erlaubt, sich modisch zu fühlen, ohne dabei sich dabei in zu hohe Unkosten stürzen zu müssen.

Movado ist wie die meisten Value-Aktien seinen Investoren gegenüber großzügig. Der Vorstand hat gerade erst ein Rückkaufsprogramm im Wert von 50 Millionen US-Dollar verabschiedet, das auf den gerade abgeschlossen Rückkauf von 1,86 Millionen Aktien folgt, die 2016 zurückgekauft werden. Die vierteljährliche Dividende wurde auch um 18 % auf 0,13 US-Dollar pro Aktie erhöht. Die neue Dividendenrendite beträgt jetzt 2,7 % und liegt damit leicht über dem Durchschnitt des S&P 500.

Movado hat auch ein Kurs-Gewinn-Wachstumsverhältnis von 0,8 und wird mit dem 11fachen der erwarteten Gewinne gehandelt.

Du kannst leicht reich in Rente gehen, wenn du in Wachstumsaktien investierst, die eine jährliche Rendite von 12,6 % schaffen, aber die Daten legen nahe, dass Value-Aktien dich schneller zu deinen finanziellen Zielen bringen könnten.

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Motley Fool besitzt und empfiehlt Ford. Motley Fool empfiehlt Bank of America und Movado Group.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und wurde am 19.06.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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