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Mologen: Schluss mit Forschen, jetzt wird Kasse gemacht

Harlekinkrabbe, Quelle: Maciek Stanikowski, Wikimedia Commons

Es wirkt wie eine Bankrotterklärung: Mologen (WKN:663720) will kein forschendes Unternehmen mehr sein. Entsprechend rauschte der Kurs in den letzten Tagen in den Keller. Aber ist das berechtigt? Möglicherweise bietet sich gerade jetzt für Anleger eine ausgezeichnete Einstiegsgelegenheit.

Das war passiert

Dr. Mariola Söhngen war im letzten Jahr von PAION (WKN:A0B65S) zu Mologen übergelaufen. Sie war als neue Chefin angetreten, um das Berliner Forschungslabor auf die nächste Stufe zu heben.

Nach einer ausführlichen Sondierung der Optionen hat sie nun genau das in die Wege geleitet: Unter dem „Next Level“ präsentierte sie am 9. Juni ihr Strategieprogramm mit einem Paukenschlag. Der Forschungsaufwand soll zusammengestrichen werden und dafür alle Ressourcen auf die Überführung von Wirkstoffen zu marktfähigen Produkten und die Kommerzialisierung konzentriert werden.

Das war erstmal ein Schock für die Anleger. Wenn ein Unternehmen, das im Herzen vom Forschergeist getrieben ist, plötzlich solch einen Schwenk macht, dann muss etwas faul sein. Der Kurs brach von einem Niveau von rund 3,30 Euro um fast 20 % ein und hat sich bis Mittwoch (15.06.) kaum erholt. Die Marktkapitalisierung schrumpfte dabei auf nur noch gut 60 Mio. Euro.

Dabei sind gerade solche Situationen besonders interessant für Anleger. Mit der geänderten Strategie ergeben sich neue Möglichkeiten und die Bewertung des Unternehmens muss überdacht werden.

Darum geht’s

Immuntherapien gegen Krebs sind, was marktfähige Produkte angeht, noch neu. In den Laboren der Pharmaunternehmen sind sie hingegen bereits ein alter Hut. Entsprechend groß ist der Andrang, der sich in klinischen Studien befindlichen Produkte.

Branchenführer wie Roche (WKN:855167) und Bristol Myers Squibb (WKN:850501) tun sich hier genauso hervor wie eine Reihe spezialisierter Labore. Ähnlich wie die Explorationsunternehmen in der Erdöl-Industrie hoffen letztere darauf, auf eine sprudelnde Quelle zu stoßen, die sie gewinnbringend an einen Förder- bzw. Vermarktungspartner veräußern können.

Die Quelle ist hier natürlich ein aussichtsreicher Wirkstoff. Wenn man bedenkt, dass Pfizer (WKN:852009) 850 Mio. Dollar auf den Tisch gelegt hat, um bei einem letztlich vergleichbaren Programm der Merck KGaA (WKN:659990) an der Kommerzialisierung beteiligt zu werden, kann man erkennen, um wie viel es für Mologen jetzt geht.

Offenbar hat Mariola Söhngen erkannt, dass die Zeit nun drängt. Wenn Konkurrenten schneller sind oder überlegene Ansätze entwickeln, dann kann sich der Wert des Wirkstoffportfolios schnell in nichts auflösen.

Vor diesem Hintergrund kamen die Verantwortlichen bei Mologen zum Schluss, dass man es sich nicht mehr leisten kann, in die weitere Befüllung der Forschungs-Pipeline zu investieren. Vielmehr müssen jetzt auf Basis des vorhandenen Portfolios mit aller Kraft Erfolge her.

Um hier noch fokussierter arbeiten zu können und die Fähigkeit zur Eigenfinanzierung zu stärken, sollen außerdem die eigenen Produktionskapazitäten geschlossen und eine der beiden wichtigsten Forschungs-Plattformen veräußert werden.

So geht es jetzt weiter

Statt Wissenschaftler übernehmen nun Manager das Ruder bei den Berlinern. Jetzt geht es darum, gute Partner für die Auslagerung von noch notwendigen Forschungsarbeiten, für die Fremdfertigung und natürlich vor allem die Kommerzialisierung zu finden.

Bei letzterem wird neben dem klinischen Erfolg viel vom Verhandlungsgeschick der Verantwortlichen abhängen. Gelingt es, einen Wettbewerb unter interessierten Pharma-Konzernen zu entfachen, dann besteht die Chance, dass Mologen wirklich auf ein völlig neues Niveau gehievt wird.

Mologen wäre im besten Fall langfristig nicht mehr auf das Wohlwollen der Aktionäre angewiesen und könnte die weiteren aussichtsreichen Programme aus eigenen Mitteln durchfinanzieren. Sind die Kassen erstmal gefüllt, könnten irgendwann natürlich auch wieder neue Projekte angestoßen werden.

Bis sich die ersten Produkte allerdings im realen Einsatz bewähren und Umsätze generieren, wird trotz aller Anstrengungen noch das ein oder andere Jahr vergehen.

Fazit

Mologen setzt jetzt alles auf eine Karte: Entweder gelingt es, den Hoffnungsträger Lefitolimod zu kommerzialisieren und die Früchte der vergangenen Jahre zu ernten – oder eben nicht. Darauf, sich weiterhin nur über regelmäßige Kapitalerhöhungen über Wasser zu halten, hatte man keine Lust mehr.

Den Kapitalabfluss zu stoppen und dafür den potenziellen Kapitalrückfluss zu beschleunigen, könnte aus meiner Sicht genau die richtige Strategie sein. Aber auch wenn hier große Gewinne locken, sollten wir uns des Risikos bewusst sein und gegebenenfalls auch weitere aussichtsreiche Mitbewerber in das Depot legen.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool hält keine der genannten Aktien.

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