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Ist Öl zu schnell zu hoch gestiegen?

Foto: Pixabay, lalabell68

Öl hatte seit dem Tiefpunkt Anfang des Jahres einen bemerkenswerten Lauf. Nach dem Absturz auf unter 30 US-Dollar ist der Ölpreis auf über 50 US-Dollar gestiegen und das trotz der Tatsache, dass die OPEC keine Anstrengungen unternommen hat, um den Markt zu stützen. Stattdessen gab es eine Kombination von kurzfristigen Versorgungsproblemen und dem wachsenden Glauben an einen starken Rückgang der globalen Produktion. Wenn diese Katalysatoren nicht bestehen bleiben, dann ist es aber möglich, dass der Ölpreis einige seiner letzten Gewinne wieder abgeben könnte.

Immer mehr Versorgungsprobleme

Eines der großen Probleme des Ölpreises war im letzten Jahr, dass es einfach ein Überangebot auf dem Markt gab. Das hat sich dieses Jahr geändert, nachdem immer mehr politische Unruhen in Libyen, Venezuela und Nigeria die Versorgung gestört haben. Die nigerianische Ölindustrie wurde besonders hast getroffen, nachdem eine Reihe von Ölquellen und Pipelines in die Luft gesprengt worden war.

Diese Woche wurde eine weitere Ölquelle von Chevron  (WKN:852552) in dem Land Ziel eines weiteren Anschlags der Milizen. Das war schon der vierte Anschlag in vier Wochen auf eine Anlage von Chevron, die den Betrieb einstellen musste und damit wurden 160.000 Barrel pro Tag weniger exportiert. Aufgrund dieser militanten Angriffe ist aktuell fast die Hälfte der nigerianischen Ölproduktion unterbrochen. Es besteht auch die Bedrohung, dass die Produktion durch weitere militante Anschläge komplett zum Stillstand kommen könnte.

Zusätzlich zu diesen geopolitischen Problemen gab es Buschfeuer in Kanada, die ein Drittel der Ölproduktion des Landes zeitweise aus dem Spiel nahm. Das sind deutlich mehr als 1 Million Barrel pro Tag. Einige der betroffenen Anlagen nehmen langsam wieder den Betrieb auf. ConocoPhillips (WKN:575302) zum Beispiel ist gerade dabei, eine seiner wichtigsten Anlagen in dieser Region wieder in Betrieb zu nehmen. Es könnte aber noch ein Monat vergehen, bevor ConocoPhillips und die anderen Ölunternehmen wieder die komplette Produktionskapazität erreichen werden. Darüber hinaus sind die Buschfeuer noch nicht komplett bekämpft und haben in den letzten Tagen auch weitere Anlagen in Kanada bedroht. Daher mussten mehrere Produzenten auch hier die Produktion stoppen.

Diese Probleme hatten deutliche Auswirkungen auf den Ölpreis. Wenn die kanadische Ölindustrie aber wieder das vorhergehende Niveau erreicht, dann wird das nur noch mehr Angebot zu einem überversorgten Markt hinzufügen. Wenn die Anschläge in Nigeria aufhören, dann könnten auch hier die verlorenen Kapazitäten wieder auf den Markt kommen. In anderen Worten, diese Probleme sind wahrscheinlich nur zeitlich begrenzt.

Unsichere Aussichten

Ein weiterer wichtiger Grund, der die Ölpreise weiter nach oben treibt, ist der Glaube, dass die globale Ölproduktion aufgrund von Unterinvestitionen in neue Quellen sinken wird. Dabei soll die Produktion in den USA den tiefsten Einbruch verzeichnen. Die Internationale Energieagentur hat in ihrem letzten Ölmarktbericht ihre Vorhersage für den Rückgang der nicht-OPEC-Produktion korrigiert. Aktuell rechnet sie mit einem Rückgängen von 800.000 Barrel pro Tag verglichen mit dem Durchschnitt des letzten Jahres, was ein weiterer Rückgang um 100.000 Barrel pro Tag verglichen mit der früheren Prognose ist.

Die Ölproduktion mehrerer amerikanischer Produzenten liegt aber deutlich über den Erwartungen und das führt auch zu höheren Produktionsausblicken für das Jahr. Die Produktion bei Pioneer Natural Resources (WKN:908678) zum Beispiel erreichte im Durchschnitt 222.000 Barrel an Öläquivalenten pro Tag in Q1, was deutlich über dem Ausblick von 211 bis 216.000 Barrel lag.

Da Pioneer seinen Wachstumsausblick für 2016 erhöht hat, wird jetzt mit einem Wachstum von 12 % bei der Produktion gerechnet anstatt mit 10 %. Bei einem Ölpreis von über 50 US-Dollar pro Barrel zieht das Unternehmen auch ernsthaft den Bau zusätzlicher Bohranlagen in Betracht, was die Produktion bis Ende des Jahres sogar noch weiter erhöhen könnte. Darüber hinaus war Pioneer nicht der einzige Ölproduzent, der seinen Ausblick für das Gesamtjahr nach oben korrigiert hat. Das legt nahe, dass die Produktion nicht in dem Maß nachgeben wird, wie die IEA und andere Analysten vielleicht erwarten.

Foolishes Fazit

Der Ölpreis ist in den letzten Wochen zwar gestiegen, aber die Risiken bestehen nach wie vor. Die letzte Rally war nicht nur von temporären Versorgungsengpässen bestimmt. Die erwarteten Rückgänge bei der Produktion für das Gesamtjahr könnten sich aufgrund der höher als erwarteten Produktion der Schieferölproduzenten nicht wie gehofft materialisieren. In anderen Worten, es besteht immer noch das Risiko, dass die Produktion nicht sinken könnte und darum könnte man als Investor eventuell besser dran sein, wenn man Ölaktien vorerst meidet.

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Motley Fool besitzt und empfiehlt Chevron.

Dieser Artikel wurde von Matt DiLallo auf Englisch verfasst und wurde am 12.06.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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