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Aktien im Rückblick: Deutsche Börse rationalisiert, Deutsche Bank radikalisiert, Nordex hebt ab, Volkswagen im Sinkflug

Foto: Pixabay, Barni1

Die schweren Unwetter vom Wochenende ließen für die vergangene Handelswoche bereits Böses ahnen. Ganz so schlimm kam es aber nicht, der DAX hielt sich solide im 5-stelligen Bereich.

Dauerthemen wie Zinsen, China, Diesel und Briten-Exit beschäftigten die Anleger erneut. Gute und schlechte Nachrichten hielten sich letztlich die Waage. Vor allem die Maschinen- und Anlagenbauer erleben in diesen Tagen spannende Zeiten.

Was war an der Börse los?

Mit einem kleinen Plus beendete der DAX den ersten Handelstag der Woche bei 10.333 Punkten. Insgesamt waren wenige Impulse zu verzeichnen: Die Londoner Banker feierten den Frühling und die Amerikaner begingen ihren Memorial Day.

Positiv wurde die Rede von Janet Yellen, der US-Notenbank-Chefin, zum Ende der Vorwoche aufgenommen. Insgesamt tun sich die Marktteilnehmer allerdings schwer, das sensible Thema Zinsen zwischen Angst und Hoffnung richtig einzuordnen.

Argumente für Optimisten lieferte die Europäische Kommission. Die Umfragen zum Wirtschaftsvertrauen und Geschäftsklima ergaben ein insgesamt verbessertes Gesamtbild für Deutschland und Europa. Vor allem der Bausektor und die Verbraucher sind positiver gestimmt.

Tagesgewinner unter den DAX-Werten war wieder einmal die stark schwankende Volkswagen (WKN:766403)-Aktie mit immerhin +1,7 %. Anleger hofften offenbar auf positiv ausfallende Quartalszahlen am Folgetag sowie auf eine Fortsetzung des zuletzt starken Erholungstrends. Sie wurden zunächst allerdings etwas enttäuscht.

Echte Verlierer gab es nicht, alle Standardwerte bewegten sich montags in engen Bandbreiten. Da ging es in der zweiten und dritten Reihe schon wilder zu:

Der Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori (WKN:A1W8G1) brach um fast 6 % auf gut 40 Euro ein, nachdem Freitagabend eine Ad-hoc-Meldung herausging. Der Vorstand stimmt einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zu und die Aktionäre sollen mit lediglich 37,35 Euro abgefunden werden.

SGL Carbon machte letzte Woche einen großen Sprung nach oben, als berichtet wurde, dass der Großaufkäufer ChemChina Interesse habe. Bei gedämpfter Euphorie rauschte die Aktie zum Wochenstart erst mal über 9 % in den Keller.

Auf der anderen Seite meldet sich Heidelberger Druckmaschinen (WKN:731400) mit einem weiteren Anstieg um knapp 5 % zurück. Das wichtige Branchentreffen Drupa findet diese Woche in Düsseldorf statt und könnte das Geschäft beleben.

Am Dienstag zeigte der allgemeine Trend nach unten, da half es auch nichts, dass die Bundesagentur für Arbeit Rekordzahlen vorlegte und aus Asien zunächst freundliche Impulse kamen.

Indizes zur Verbraucherstimmung und dem Geschäftsklima in den USA entwickelten sich überraschend schwach, während andererseits die Konsumausgaben und Häuserpreise den veröffentlichten Daten zufolge rasant steigen, was den Druck auf die Zentralbank erhöht.

Groß zulegen konnte kein DAX-Wert, abwärts ging es neben VW vor allem mit der krisengeschüttelten Deutschen Bank (WKN:514000). Sie stand am Schluss mehr als 2 % im Minus.

Vorstand John Cryan sagte auf einer Investorenkonferenz, dass der Postbank-Verkauf vermutlich nichts einbringen werde. Außerdem gelinge in diesem Geschäftsjahr voraussichtlich auch nicht die erhoffte Schwarze Null. Wegen möglicher Manipulationen bei Auktionen von US-Staatsanleihen droht dem Finanzinstitut Berichten zufolge überdies neuer Ärger.

Erfreuliches hingegen bei Salzgitter (WKN:620200), deren Papiere um über 7 % anstiegen: Der Stahlkonzern gibt sich zuversichtlich, gestärkt aus der Krise herauskommen zu können. Analysten und Anleger sprangen auf den Zug auf.

Gefragt waren auch Maschinen- und Anlagenbauer wie Koenig & Bauer (WKN:719350) und Krones (WKN:633500), die derzeit im Visier chinesischer Aufkäufer stehen. Beide verstärkten sich zudem mit passgenauen Übernahmen: KBA in Spanien im Bereich Verpackungsdruck und Krones in der Intralogistik.

Zum meteorologischen Sommerbeginn gab es keine Aufhellung. Viele Standardwerte litten unter den nicht so toll ausgefallenen Indikatoren zur Industriestimmung in China. Sorge bereitete den Marktteilnehmern zudem das Wiedererstarken der BREXIT-Befürworter.

Auch weiterhin schlechte Wirtschaftsdaten aus Brasilien und Absatzrückgänge auf dem US-Automarkt führten zu Kaufzurückhaltung bei den Anlegern. Alle Fahrzeugbauer lagen folglich im roten Bereich.

Andererseits erfreute die Anleger, dass beim entstehenden Riesen aus Deutsche Börse (WKN:581005) und LSE (WKN:A0JEJF) große Rationalisierungsgewinne winken: Rund 1000 Stellen sollen wegfallen.

Tagesgewinner war jedoch Anlegerliebling Nordex (WKN:A0D655). Die Windmühlenbauer meldeten Erfolge auf den Britischen Inseln und verpflichteten den früheren Finanzchef von Siemens Wind Power Offshore. Seine Erfahrung wird voraussichtlich für den Integrationsprozess mit Acciona (WKN:865629) von hohem Nutzen sein.

Die Zinsentscheidung der EZB stand im Mittelpunkt des Donnerstags, brachte jedoch kaum neue Erkenntnisse. Entsprechend schwankte der DAX recht unmotiviert um den Vortageswert. Tagesverlierer war diesmal die Münchener Rück (WKN:843002). Die Ankündigung einer umfassenden und kostenintensiven Neuausrichtung der Ergo-Tochter kam beim Publikum nicht sonderlich gut an.

Ein Meilenstein gelang hingegen beim Konzernumbau von Bilfinger (WKN:590900): Die Gebäudemanagementsparte konnte zum Preis von 1,2 Mrd. Euro an einen Investor veräußert werden. Die Gewerkschaften zeigten sich davon zwar wenig begeistert, die Aktionäre aber schon.

Nachbörslich zeigte der Trend nach oben, sodass die Woche voraussichtlich auf einem ähnlichen Niveau endet wie sie begonnen hat. Zahlreiche Wirtschaftsdaten geben noch einmal Hinweise darauf, wie es um die Konjunktur steht, darunter der von Markit Economics berechnete Einkaufsmanagerindex und vom US Department of Labor die Arbeitslosenquote.

Wie geht es weiter?

Am Montag (6.6.) erfahren wir von der Bundesbank neue Daten zum Niveau der Werksaufträge in Deutschland sowie Daten von Sentix zum Investorenvertrauen in Europa und von der Fed in den USA zum Stand des Arbeitsmarktindexes.

Wie sich das Bruttoinlandsprodukt im 1. Quartal des laufenden Jahres entwickelt hat, berichtet am Dienstag (7.6.) Eurostat. Hinzu kommen ergänzende Zahlen zur Industrieproduktion vom Statistischen Bundesamt. Zur konjunkturellen Lage in Japan findet der vom Cabinet Office berechnete Führende Wirtschaftsindex einige Beachtung.

Wir wünschen den Lesern des Motley Fool ein schönes Wochenende.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool besitzt keine Aktien genannter Unternehmen.

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