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10 Gründe, Ölaktien nicht zu mögen

Foto: Pixabay, Moni49

Der Ölcrash der letzten paar Jahre hat die unglaubliche Summe von 1 Billion US-Dollar an Börsenwerten im Ölsektor zerstört und damit auch den Investoren geschadet. Das hat die ganzen Industrie viele Sympathiepunkte gekostet und zwar aus gutem Grund, denn der Ölsektor ist zumindest für einige seiner Verfehlungen selbst verantwortlich. Daher gibt es viele Gründe, Ölaktien nicht zu mögen.

1. Öl ist launisch

Der Ölpreis war in den letzten Jahrzehnten extrem volatil.

WTI ÖLPREIS DATEN VON YCHARTS.

WTI ÖLPREIS DATEN VON YCHARTS.

Diese Volatilität ist für den durchschnittlichen Investor sehr schwer zu verdauen, denn die meisten wenden sich diesem Sektor zu, weil sie Einkommen aus Dividenden suchen und um sich gegen höhere Energiekosten abzusichern. Stattdessen ging es wie in einer Achterbahn auf und ab und am Ende ist kaum etwas dabei herausgekommen.

2. Öl und Schulden vertragen sich nicht

Die Kosten für Ölprojekte sind sehr hoch. Dieser hohe Kapitalbedarf zwingt die Produzenten dazu, sich viel Geld zu leihen, um diese Investitionen zu finanzieren, was wiederum zu Problemen führt, wenn der Ölpreis einbricht. Das haben wir im letzten Jahr gesehen, als jede Menge Firmen bankrott gegangen sind. Bis April haben 69 Produzenten Insolvenz erklärt und hatten 34,3 Milliarden US-Dollar Schulden. Aber das war erst der Anfang. Deloitte schätzt, dass etwa ein Drittel des Sektors oder etwa 175 Unternehmen insolvenzgefährdet sind. In der Zwischenzeit schätzt Bernstein Research, dass bis 2019 mehr als 70 Milliarden US-Dollar an Schulden abgeschrieben werden müssen. Das ist ein riesiger Teil der 400 Milliarden US-Dollar im Schuldenmarkt des Energiesektors mit seinen hohen Renditen.

3. Öl hat große Auswirkungen auf die Umwelt

Öl hat zwar nicht die negativen Auswirkungen von Kohle, aber es ist immer noch eine schmutzige Energiequelle. Die Treibhausgase beginnen an der Bohrstelle, gehen im Raffinerieprozess weiter, setzen sich beim Transport fort und enden im Auspuff eines von Millionen von Autos. Laut der amerikanischen Umweltbehörde EPA war die Produktion von Öl und Gas der zweitgrößte CO2-Verschmutzer hinter den Kohlekraftwerken.

BILDQUELLE: BP PLC.

BILDQUELLE: BP PLC.

4. Ölproduktion ist gefährlich

Öl ist nicht nur schlecht für die Umwelt, es ist ein gefährlicher Brennstoff. Es hat im Lauf der Jahre immer wieder Katastrophen gegeben, wo Menschen zu Tode gekommen sind. Die bekannteste ist wahrscheinlich die Deepwater-Horizon-Katastrophe von BP (WKN:870517), bei der 11 Menschen ihr Leben verloren, als eine Druckblase unter Wasser eine Explosion auf der Bohrinsel verursachte. In Norwegen wurden vor Kurzem 13 Menschen getötet, als ein Helikopter auf einem Ölfeld vor der Küste abstürzte.

5. Der Transport ist auch riskant

Da Rohöl ein schmutziges und gefährliches Gut ist, erfordert auch der Transport besondere Vorsicht. Doch leider haben sich im Lauf der Jahre auch hier mehrere Katastrophen ereignet. Eine der schlimmsten war die Lac-Megantic-Katastrophe im Jahr 2013, als ein Zug mit 74 Waggons voller Öl entgleist und explodiert ist. Dabei wurden 47 Menschen getötet und das Zentrum einer Ortschaft zerstört. Seither gab es ein paar Vorfälle mit Pipelines, darunter das Ölunglück von Refugio in Kalifornien. Eine 28 Jahre alte Pipeline von Plains All American Pipeline (WKN:917437) verlor geschätzte 142.800 Gallonen Öl an einem der biologisch vielfältigsten Küstenstreifen der amerikanischen Westküste und verklebte dabei hunderte von Tieren mit Öl.

6. Jobs im Ölsektor können schnell weg sein

Ende 2013 schätzte das Bureau of Labor Statistics, dass der Ölsektor aufgrund des Ölbooms in den USA bis Ende des Jahrzehnts 1,1 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen würde. Zwei Jahre später hat die Industrie etwa 118.000 Arbeitsplätze verloren. Damit hat jeder fünfte Arbeiter im Ölsektor seit dem Ölcrash seinen Job verloren. Das führt dazu, dass ehemals blühende Städte während des Booms von North Dakota bis Texas pleite gehen.

7. Prognosen sind im Ölsektor eher unsicher

Es ist natürlich unmöglich vorherzusehen, was der Ölpreis als nächstes machen wird. Daher scheitern auch alle kläglich daran. Die amerikanische Energy Information Administration hat zum Beispiel geschätzt, der Preis für Rohöl würde 2015 77,75 US-Dollar betragen und hätte das Potenzial bis auf 125 US-Dollar zu steigen und bis auf 50 US-Dollar zu fallen. Stattdessen ist folgendes passiert:

WTI ÖLPREIS DATEN VON YCHARTS.

WTI ÖLPREIS DATEN VON YCHARTS.

Das ist das Ergebnis nachdem sich die Schieferölproduktion als sehr hartnäckig erwiesen hat, der Iran wieder auf dem Markt aufgetaucht ist und die Rekordproduktion der OPEC dazu geführt hat, dass der Preis sogar noch weiter fällt.

8. Die Dividenden verschwinden

Wenn es gut läuft, dann haben die Ölfirmen jede Menge Geld. Ein Teil davon wird dann in Form von Dividenden an die Investoren ausgeschüttet, die üblicherweise deutlich höher sind als in anderen Industriezweigen. Wenn die Zeiten aber schlecht sind, dann werden oft als erstes die Dividenden gekürzt, da die Unternehmen Geld brauchen, um ihre Schulden zu zahlen oder in Ölprojekte zu investieren, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Dieses Jahr haben die Investoren auf diese Art unglaubliche 7,4 Milliarden US-Dollar verloren, nachdem Unternehmen wie  ConocoPhillips (WKN:575302) ihre Dividenden gekürzt haben, um Geld zu sparen. Bei ConocoPhillips waren das allein schon 2,2 Milliarden US-Dollar.

BILDQUELLE: CONOCOPHILLIPS.

BILDQUELLE: CONOCOPHILLIPS.

9. Das meiste Öl dieser Welt ist nicht gerade ideal gelegen

Die USA sind vielleicht einer der drei größten Ölproduzenten der Welt, aber das Land produziert nur etwa 10 % der gesamten Ölproduktion und nur die Hälfte des Eigenverbrauchs. Daher muss man sich an nicht gerade ideale Orte begeben, um weiteres Öl aufzutreiben. Der Großteil des Öls auf dieser Welt wird entweder in geopolitisch unfreundlichen Regionen wie in Russland und dem Iran produziert oder in geopolitisch instabilen Orten wie dem Irak, Venezuela, Nigeria und Libyen. Der Großteil des leicht zugänglichen Öls ist inzwischen gefördert, daher müssen die Unternehmen an schwer zugänglichen Orten wie Tiefseeölfeldern oder in der Arktis suchen.

10. Fragwürdige Anreize des Managements

Ein Grund, warum der Ölpreis in den letzten zwei Jahren so sehr unter Druck geraten ist, liegt darin begründet, dass die Unternehmen immer mehr Öl fördern, selbst wenn der Markt es nicht braucht. Das liegt teilweise daran, dass viele CEOs dafür bezahlt werden zu bohren. Doug Lawler, CEO von Chesapeake Energy (WKN:885725) bekam letztes Jahr 14,7 Millionen US-Dollar und damit 5 % mehr als im Vorjahr. Und das trotz der Tatsache, dass der Aktienkurs um 77,2 % gefallen war, die Dividende ausgesetzt wurde und tausende von Leuten entlassen wurden. Der Anstieg der Produktion lag teilweise am Vergütungssystem von Chesapeake Energy, das das Management dazu ermutigte, neue Ölquellen zu bohren, um die Produktion und die Reserven des Unternehmens zu erhöhen. Dieses Wachstum um jeden Preis hat dazu geführt, dass das Unternehmen fast seine ganzen 4 Milliarden US-Dollar an Barreserven aufgebraucht und sich damit in eine prekäre finanzielle Situation gebracht hat – so prekär, dass Gerüchte um eine Insolvenz kursierten.

Foolishes Fazit

Ölaktien sind nicht für jeden. Für einige sind die Volatilität, der Mangel an Klarheit, die hohen Schulden und die fragwürdigen Anreize des Managements Grund genug, nicht in diesen Industriezweig zu investieren. Für andere liegt es daran, dass Öl ein schmutziges und gefährliches Geschäft ist. Auch das ist OK. Es gibt genug andere Optionen für Investoren, die keine Ölaktien wollen, besonders da es so viele Gründe dagegen gibt.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Matt DiLallo auf Englisch verfasst und wurde am 29.05.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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