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Wie man bessere Investmententscheidungen trifft

Foto: Pixabay, geralt

Der amerikanische Kongress hat 11 % Zustimmung vom Volk, aber eine Wiederwahlquote von 85 %. Wie kann das sein?

Das ist eigentlich sehr einfach. Die meisten Leute können den Congress als ganzes nicht ausstehen, aber sie mögen ihre Abgeordneten im Wahlkreis.

In vielen Lebensbereichen sind die Leute eher optimistisch eingestellt, was ihre Entscheidungen angeht, aber pessimistisch, was die Entscheidungen anderer angeht. Das ist nicht überraschend. Wir brauchen den Optimismus bei unseren eigenen Entscheidungen, um ein gutes Gefühl für die Zukunft zu haben, aber das muss durch den Pessimismus gegenüber den Entscheidungen anderer Leute wieder ausgeglichen werden, um uns vor anderen Gruppen zu schützen, deren Interessen mit unseren im Konflikt stehen.

Der Harvard-Psychologe Max Bazerman hat noch ein weiteres Beispiel auf Lager. Wenn die Leute die Renovierung des Hauses von jemand anders analysieren, dann schätzen sie meistens, dass die Kosten 25 % bis 50 % über dem Budget liegen werden. Wenn es aber um eigene Projekte geht, dann schätzen sie, dass die Renovierung annähernd pünktlich und innerhalb des Budgets abgeschlossen wird.

Daniel Kahneman nennt das „den Innenblick im Vergleich zum Außenblick”. Er erzählt eine Geschichte über ein Psychologiebuch, das er mit einer Gruppe Kollegen geschrieben hat.

Die Psychologen waren zuversichtlich, sie könnten das Buch in zwei Jahren fertigstellen und dachten nicht an die Möglichkeit zu scheitern. Als sie aber die Ergebnisse anderer Akademiker ansahen, erkannten sie, dass es üblicherweise mindestens sieben Jahre dauert, um so ein Buch fertigzustellen und 40 % derer, die den Prozess beginnen, springen wieder ab.

Kahneman und seine Kollegen ignorierten diese Statistiken, da sie glaubten, das würde sie nur abschrecken. Niemand wollte das Projekt unter diesen Vorzeichen verfolgen.

Nach acht Jahren war das Buch schließlich fertig und wurde nie benutzt.

Kahneman sagte, die ganze Sache wäre nicht nur peinlich gewesen, sondern auch „eine der lehrreichsten Erfahrungen meines Lebens.” Es lehrte ihn ein paar Dinge.

1. Es gibt zwei Arten von Prognosen. Eine ist der Innenblick, der den vorliegenden Fall vorhersagt, wie eine Renovierung oder ein Buchprojekt. Die andere ist der Außenblick, der basierend auf relevanten Beispielen anderer Leuten mit einem ähnlichen Projekt, eine Vorhersage trifft.

2. Es gibt eine allgemeine Planungsschwäche. Die Leute hängen am Innenblick, was sie systematisch übermäßig zuversichtlich in Bezug auf ihre eigenen Vorhersagen und Entscheidungen macht. Die Außenwelt sollte laut Kahneman zumindest ein Richtwert für das sein, was du planst. Das ist wahrscheinlicher, aber oft wehren wir uns dagegen und ignorieren das, weil wir bei uns selbst optimistischer sind.

Man kann nicht genug betonen, wie wichtig das für das Investieren ist.

Der durchschnittliche Investor ist nicht sehr gut, aber der durchschnittliche Investor glaubt, sensationell zu sein.

Und das ist keine Übertreibung. Vor zehn Jahren haben zwei Wirtschaftsexperten eine Gruppe Investoren gefragt, wie sie sich als Investoren geschlagen hätten. Dann stellten sie die erwarteten Renditen den Depotauszügen gegenüber, um den Unterschied zu sehen – was wenig überraschend ein riesiger Unterschied war. Der durchschnittliche Investor überschätzte seine Renditen um 11 Prozentpunkte pro Jahr. Um das einmal in die richtige Perspektive zu setzen. Warren Buffett wurde der beste Investor aller Zeiten, indem er den Markt um denselben Betrag, nämlich 11 % pro Jahr übertraf. Wenig überraschend war auch, dass der durchschnittliche Investor sich selbst als überdurchschnittlich ansah.

Die Wurzel vieler Probleme beim Investieren ist, dass viele Leute glauben, Fehler, schlechtes Verhalten und zu großes Selbstvertrauen träfe nur auf die anderen zu, nicht aber auf sie selbst. Fast alle von uns denken das. Kahneman hat einen Großteil seiner Karriere damit verbracht, zu zeigen, wie schlecht die Leute dabei sind, Resultate vorherzusagen. Er schrieb einmal: „Obwohl ich schon 45 Jahre in diesem Bereich arbeite, bin ich immer noch geneigt, übermäßig zuversichtliche Prognosen zu treffen.“

Kahneman kam vor ein paar Jahren zu uns ins Büro. Ich fragte ihn, wie man bessere Finanzentscheidungen treffen könne, wenn man permanent vom rechten Weg weggelockt wird. Er nannte drei Dinge:

  • Sprich mit vielen anderen Leuten.
  • Sprich mit Leuten, die anderer Meinung sind.
  • Sprich mit Leuten, die sich in einem anderen emotionalen Zustand befinden als du.

Mit verschiedenen Leuten zu sprechen, ist die einzige Möglichkeit, um zu sehen, wie andere sich in solchen Situationen verhalten. Investieren ist meist etwas, das man allein macht – nur du, einige Daten und ein Depot – und das macht es leicht, dem Innenblick zum Opfer zu fallen. Zu wissen, wie es anderen ergangen ist, kann ein guter Anhaltspunkt sein, um zu wissen, wie es dir wahrscheinlich dabei gehen wird. Das soll nicht heißen, dass keiner bessere Ergebnisse als die Masse erzielen kann. Aber bis du nicht weißt, wo andere Leute Fehler machen, wirst du niemals wissen, wo deine eigenen Risiken wahrscheinlich liegen werden.

Mit Leuten zu sprechen, die anderer Meinung sind, ist eine der schwersten zu meisternden, aber auch wichtigsten Fähigkeiten, die man als Investor haben kann. Bestätigungsfehler sind eine der Geißeln beim Investieren. Eine Voraussetzung ist dabei die Fähigkeit, den Blick der Gegenseite so gut wie möglich zu kennen. Die meisten Leute schaffen das nicht, weil sie einfach zu sehr an ihrer eigenen Weltsicht hängen, was aber immer nur ein Teil davon ist, wie die Welt wirklich funktioniert.

Darüber hinaus ist Geld auch eine emotionale Sache. Erfolgreiches Investieren dreht sich nicht um Zahlen und Bilanzen. Es geht nicht um Dopamin und Serotonin. Eine der besten Möglichkeiten, um dem entgegenzuwirken, wie unser Gehirn gegen uns arbeitet, besteht darin, unsere Finanzentscheidungen von jemand anderem treffen zu lassen, der sich nicht im selben Gefühlszustand befindet. Das heißt nicht deine Ehepartner, deine Kinder oder deine Mitarbeiter, wenn du Aktien von deinem Arbeitgeber hast. Das kann ein Finanzberater sein, aber ich habe auch wahnsinnig viel von finanziell versicherten Freunden gelernt, die dann fragen „Hast du schon mal daran gedacht, dass…?” wenn ich ihnen erzähle, was ich mit meinem Geld mache. Sie sehen die Situation objektiver, als ich das jemals könnte.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und wurde am 24.05.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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