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Was uns der Film „The Big Short” über das Investieren lehrt

Foto: Pixabay, Armelion

Nach Kinoeinnahmen von 130 Millionen US-Dollar, fünf Oscarnominierungen und dem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch, ist klar, dass The Big Short bei den Leuten und den Kritikern gleichermaßen gut angekommen ist

Ich hoffe, dass der Film auch bei dir als Investor gut angekommen ist. Abgesehen vom Unterhaltungswert kann man bei diesem Film viel über das Investieren lernen. Es folgen ein paar meiner Favoriten, die dir helfen können, besser zu investieren.

Die besten Investoren machen ihre Hausaufgaben

Es gibt da eine Stelle im Film, wo Michael Burry, gespielt von Christian Bale, eine Tabelle mit all den Versicherungsdetails von bestimmten Hypotheken durchgeht. Er macht also seine Hausaufgaben und diese Arbeit bringt ihm am Ende einen persönlichen Gewinn von mehr als 100 Millionen US-Dollar.

Eine Ratingagentur hat diesem Wertpapier wahrscheinlich die höchste Wertung gegeben, aber Burry hat das nicht ohne weitere Prüfung hingenommen. Stattdessen ist er die Dokumentation und die spezifischen Details jedes einzelnen Wertpapiers durchgegangen. Durch diese Vorarbeit konnte er ableiten, dass diese Hypotheken mit den sogenannten Teaser Rates – Zinssätze, die zu anfangs niedrig ausfallen, dann aber später steigen – besonders riskant waren und wahrscheinlich zur Zahlungsunfähigkeit führen würden. Wenn die Zinsen neu festgesetzt wurden, manchmal schon nach zwei Jahren, stellte sich in der Mehrheit der Fälle ein Zahlungsausfall ein.

Mit diesem Wissen überzeugte er Goldman Sachs, ihm Credit Default Swaps zu verkaufen, von denen er profitierte, wenn Zahlungsunfähigkeit erklärt werden sollte. Als es dann soweit war, profitierte Burry davon und verdiente damit 100 Millionen. Zusätzlich generierte der einen Gewinn von 700 Millionen US-Dollar für seine Investoren.

Die Lektion für uns Investoren ist, dass der Teufel im Detail steckt. Die besten Investoren akzeptieren niemals blind, was ihnen andere verkaufen. Sie machen ihre Hausaufgaben, analysieren, untersuchen den Markt und ziehen ihre eigenen Schlüsse. Der Ursprung einer Investmentidee kann von überall kommen, aber diese Eliteinvestoren kaufen und verkaufen nicht ohne ihre eigene Due-Diligence-Prüfung zu machen. Das ist der einzige Grund, warum Burry so erfolgreich die

Hypothekenkrise erkennen und davon profitieren konnte. BILDQUELLE: GOLDMAN SACHS.

Hypothekenkrise erkennen und davon profitieren konnte.
BILDQUELLE: GOLDMAN SACHS.

Von Goldman kann man aber auch etwas lernen, aber hier ist die Lektion etwas skrupelloser als die von Burrys Analyse. Goldman erhielt eine Strafe in Höhe von 550 Millionen US-Dollar, weil sie besonders riskante hypothekenbesicherte Wertpapiere an Investoren verkauft hatten, auf die Paulson & Co gleichzeitig Shortpositionen hielten. Der Clou dabei war, dass die Banker von Goldman es Paulson gleichzeitig erlaubten, sich die Wertpapiere mit dem höchsten Ausfallrisiko auszusuchen.

Das entschuldigt zwar nicht den Betrug, aber hätten die Investoren das Kleingedruckte gelesen, dann hätten sie die Verluste vermeiden können und den Plan damit durchkreuzt.

Timing ist alles (und nichts)

Alle Investoren, die in The Big Short die großen Gewinner waren, haben zwei Dinge getan: Sie haben den Immobilien- und Hypothekenmarkt korrekt analysiert und den Abwärtstrend korrekt getimt. Die Schwierigkeit, letzteres zu wiederholen kann nicht genug betont werden.

Michael Burry ist auch hier ein großartiges Beispiel. Er hat die Immobilienblase schon 2004 oder 2005 korrekt identifiziert, aber bevor die Blase platzte, wäre sein Fonds fast gescheitert, als die Investoren ihr Geld aus dem Fonds abzogen. Der echte Burry versuchte seine These den Investoren zu erklären, was im Film aber nicht gezeigt wird, und bekam es dabei mit starkem Widerstand zu tun. Die Investoren lehnten seine These entweder ab, wollten nicht, dass der Fonds von der ursprünglichen Strategie abwich oder sie dachten, sie könnten es auch allein. Der Film zeigt, wie eine Idee durch den Mikrokosmos der Wall Street wandert, wenn die Nachricht von Burrys Handeln alle wichtigen Charaktere des Films erreicht.

Burry und die Investoren, die bei ihm geblieben waren, erzielten monumentale Gewinne. Hätte die Immobilienblase aber noch ein Jahr oder zwei auf sich warten lassen, dann wäre das Ergebnis ganz anders gewesen. Zum Beispiel hätte sich Bank of America (WKN:858388) im Januar 2008 auf der anderen Seite der Gleichung befunden, als es das Hypothekenunternehmen Countrywide Financial für 2,5 Milliarden US-Dollar übernahm.

BAC DATEN VON YCHARTS

BAC DATEN VON YCHARTS

Weniger als ein Jahr später platzte die Immobilienblase. Das große Portfolio an zweitklassigen Hypotheken von Countrywide implodierte und die Aktie von Bank of America war auf dem besten Weg, 90 % zu verlieren. Schätzungen zufolge kostete die Übernahmen von Countrywide Bank of America über 50 Milliarden US-Dollar bis Ende der Krise. Das ist das 20fache des Übernahmepreises. Insgesamt verursachte die Finanzkrise über 195 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Kosten und Verlusten für die Bank zwischen 2008 und 2015.

In beiden Fällen war Timing einfach alles. Aber das ist nicht das, was wir daraus lernen können. Wir können daraus lernen, dass es viel zu schwierig und riskant ist, zu versuchen, den Markt zu timen. Die Zeit ist nur langfristig unser Freund.

Bank of America und Michael Burry haben alles riskiert. Einer von den beiden hatte recht, der andere unrecht. Und selbst Burry, der am Ende gewonnen hat, hat fast seinen gesamten Fonds dabei verloren. Willst du wirklich so ein Risiko mit deiner Altersvorsorge eingehen?

Hättest du 2007 wirklich gedacht, dass der S&P 500 kurz davor stand über 50 % zu verlieren. Oder am tiefsten Punkt der Rezession Mitte 2009, hast du da wirklich erwartet, dass der Markt gleich um 70 % steigen wird? Oder im letzten August oder im Januar, als der Markt außer Kontrolle war, weil alle Angst vor China hatten? Hast du das alles kommen sehen oder hat dich das auch kalt erwischt wie uns alle?

Die Wahrheit ist, dass niemand diese Dinge korrekt getimt oder vorhergesehen hat. Ich nicht, Du nicht. Und auch sonst niemand. Es ist unmöglich, den Markt jedes Mal richtig zu timen. Das ist ein sinnloses Unterfangen und ich denke, man sollte es erst gar nicht versuchen.

Stattdessen solltest du stetig und langfristig investieren und die Zeit deinen Verbündeten sein lassen, Du wirst investieren, wenn der Markt am Boden ist und wenn der Markt oben ist. Im Lauf der Zeit wird sich das ausgleichen und dein Portfolio wird langsam, aber sicher immer weiter steigen.

Wenn es zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es das wahrscheinlich auch

Eine wichtige Komponente der Hypothekenkrise – im Film und im wirklichen Leben – waren die zweitklassigen Hypotheken. Diese Darlehen an weniger kreditwürdige Kreditnehmer halfen, die Blase aufzupumpen und ließen das Kartenhaus letztendlich einstürzen. Aber wie konnte es nur so weit kommen? Die Banken verfolgten ein Geschäftsmodell, dass zu gut war, um wahr zu sein – und am Ende war es das auch.

Die Kreditnehmer mit geringer Kreditwürdigkeit haben eine höhere Kreditausfallrate als solche mit besserer Kreditwürdigkeit. Das trifft heute noch genauso zu wie vor und während der Krise. In den Jahren des Booms vor der Krise konnten die Banken aber diese höheren Ausfallraten durch deutlich höhere Zinsen ausgleichen. Erst als die Blase platzte und diese Praktiken großen Schaden verursachten, waren die Kreditausfälle, Zwangsversteigerungen und Verluste höher als die Deckung durch die Zinsen. Der Immobilienboom hat nur verschleiert, wie hoch das zusätzliche Risiko war, das die Banken eingingen. Das Geschäftsmodell war zu gut, um wahr zu sein.

Die Hypotheken mit begrenzter Auskunft sind ein weiteres Beispiel. Vor der Krise zeigten die statistischen Modelle, dass Darlehen ohne weitere Auskunft über die Kreditwürdigkeit oder mit begrenzter Auskunft sich genauso gut entwickelten wie Hypotheken mit voller Angabe des Einkommens und aller Vermögenswerte. Die Banken schlussfolgerten, dass diese Schritte daher eine unnötige Bürde für die Kunden wären und dass eine Entfernung dessen die Umsätze bei gleichbleibendem Risiko erhöhen könnte. Die Banken hatten recht damit, dass es die Umsätze erhöhte. Rückblickend ist klar, dass ihre Risikoeinschätzung falsch war.

Als Investoren müssen wir immer auf der Hut sein, wenn ein Investment mehr verspricht, als es liefern kann. Wenn eine Aktie eine Dividende von 15 % bietet, dann muss es einen Grund geben, warum die Rendite so viel höher ist als im Rest des Marktes. Wenn ein Investmentberater eine komplexe Strategie anbietet, die deine Renditen innerhalb eines Jahres ohne zusätzliches Risiko verdoppeln soll, dann solltest du skeptisch sein. Wenn ein Investmentfonds in den letzten 15 Jahren genau 7,5 % Rendite gebracht hat, dann wirst du vielleicht einen genaueren Blick darauf werfen wollen, was die Leute da eigentlich machen.

Wenn etwas zu gut scheint, um wahr zu sein, dann vertraue deinem Bauchgefühl.

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Motley Fool empfiehlt Bank of America.

Dieser Artikel wurde von Jay Jenkins auf Englisch verfasst und wurde am 11.05.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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