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Daimler und BYD – diese Kooperation hat das Zeug zum Tesla-Killer

Im Februar kündigte Daimler (WKN:710000)-Chef Dieter Zetsche Überraschungen an. Damit kann natürlich vieles gemeint sein, von smarten Assistenzfunktionen bis zu innovativen Mobilitätslösungen. Eine Überraschung, die schon bald große Wellen schlagen könnte, versteckt sich allerdings in China. Sie hört auf den Namen Denza.

Das ist Denza

Während alle Welt von Tesla (WKN:A1CX3T) und den Elektrofahrzeugen von BMW (WKN:519000) spricht, hat sich Daimler eher zurückhaltend beim Thema Elektromobilität positioniert, insbesondere bei der Hauptmarke Mercedes-Benz agiert der Konzern konservativ. Lediglich die B-Klasse wird vollelektrisch angeboten, ansonsten ist man höchstens hybrid unterwegs.

Am bekanntesten sind die bescheidenen Erfolge des Smart electric drive, der in den letzten Jahren die Absatzlisten in Deutschland anführte und dessen Produktion aktuell ausgesetzt wurde, um den Anlauf der neuen Modellgeneration zum Jahresende vorzubereiten.

Währenddessen tut sich allerdings auch in China einiges. Dort hat man sich im Jahr 2010 mit dem lokalen Marktführer im Bereich elektrischer Fahrzeuge BYD (WKN:A0M4W9) zusammengetan, um in Shenzhen bei Hong-Kong gemeinsam Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Seit 2014 wird das erste Modell, eine Mittelklasse-Limousine, gefertigt und in der Basisausstattung für stolze 369.000 Yuan Renminbi (etwa 50.500 Euro vor staatlicher Förderung) angeboten.

Das Alleinstellungsmerkmal der Marke besteht darin, dass sie die hohen Qualitätsstandards von Daimler mit der chinesischen Fertigungseffizienz verbindet. Der optisch hochwertig erscheinende Innenraum wurde in Deutschland entworfen und auch der Sicherheitsstandard erfüllt hohe Ansprüche. Der Antriebsstrang und die Batterien wurden hingegen von BYD beigesteuert und sorgen für eine Nennreichweite von 300 km.

Die Verkaufszahlen sind allerdings noch sehr limitiert: bis Ende 2015 wurden gerade mal gut 3.000 Einheiten abgesetzt – das muss aber keineswegs so bleiben. Dass die Ambitionen größer sind, kann man daran erkennen, dass das Joint Venture aktuell in den Ausbau der Ladeinfrastruktur in China investiert. Gemeinsam mit dem einheimischen Kommunikationstechnik-Konzern Potevio wurde im März eine strategische Zusammenarbeit verkündet mit dem Ziel, weitere Regionen zuverlässig abzudecken.

Gleichzeitig werden zugehörige digitale Dienstleistungen ausgebaut, um alles rund um das Aufladen so komfortabel wie möglich zu gestalten. Dieser Aufwand würde sich für wenige Tausend Fahrzeuge mit Sicherheit nicht lohnen.

So kann Denza im Daimler-Konzern ganz groß werden

BYD ist auf alle Fälle dabei, seine Batterie-Fertigungskapazitäten im Gleichschritt mit Tesla hochzufahren. Ein Vorteil des Konzerns ist, dass die Batterien nicht nur in den hybriden und reinen Elektroautomodellen genutzt werden, sondern auch in Gabelstaplern und den in vielen Ländern erfolgreichen Elektrobussen sowie in stationären Energiespeichern.

Da Denza mit den gleichen Batterien ausgestattet wird, stehen die Chancen gut, dass BYD die Führung gegenüber Tesla bei den Absatzzahlen verteidigen kann, vor allem wenn Denza – wie bereits die Kernmarke BYD – schon bald einen Gang hochschaltet. Das ist allerdings die Sicht von BYD.

Aus Sicht von Partner Daimler ergeben sich noch ganz andere strategische Optionen. Mit Smart und Denza verfügen die Stuttgarter über zwei aussichtsreiche Plattformen, mit denen sie weltweite Märkte in größeren Stückzahlen abdecken können. Während der elektrische Smart sich vor allem als Stadtmobil und für Carsharing-Systeme in Metropolregionen eignet, wird der Denza auch als Reiselimousine sowie als komfortables Taxi- und Flottenfahrzeug beworben.

Für Daimler bedeutet das auch, dass Lern- und Skaleneffekte bei allen Systemkomponenten von der Batterie über den Elektroantrieb bis zur Ladestation erzeugt werden. Dies wird früher oder später auch den Fahrzeugen von Mercedes-Benz, einschließlich den Transportern, Bussen und LKWs zu Gute kommen.

Zunächst ist jedoch wichtig, dass man mehrere Trümpfe in der Hinterhand hat, um Tesla und BMW die Stirn zu bieten. Wenn innerhalb der nächsten zwei Jahren neue oder überarbeitete Denza-Modelle auf den Markt kommen, bin ich sicher, dass der deutsch-chinesische Hersteller in der Lage ist, Teslas 2017 startendes Model 3 beim Preis-Leistungs-Verhältnis zu übertreffen, auch wenn die Marke sich erst noch einen vergleichbaren Ruf erarbeiten muss.

Fazit

Es deutet alles darauf hin, dass Denza schon bald wesentlich größere Stückzahlen produzieren wird. Auf diese Weise wird die Bedeutung der Marke im Daimler-Konzern wachsen und dessen Möglichkeiten bei der Gestaltung der Mobilität der Zukunft erheblich erweitern.

Wie kaum ein anderer Konzern wird Daimler in der Lage sein, elektrifizierte Produkte vom kleinsten Stadtmobil über Lieferwagen, Sportwagen und Limousinen bis hin zu Bussen und LKWs anzubieten und zu digitalisierten Mobilitätslösungen verknüpfen zu können. Auf dem Weg dorthin könnte ein heute noch kleines Joint Venture eine entscheidende Rolle spielen.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool besitzt Aktien von Tesla Motors. The Motley Fool empfiehlt Tesla Motors und BMW.