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Warum die RWE-Aktie auch zum heutigen Preis kein Kauf ist

Mit dem Energieversorger RWE (WKN:703712) haben Aktionäre schon seit langem nicht viel zu lachen. Anfang 2008 erreichte das Papier noch ein Hoch von über 100 Euro, seitdem geht es stetig bergab. Immerhin lag der Kurs Mitte 2015 noch bei rund 20 Euro. Seitdem ist das Papier noch einmal richtig abgestürzt und heute bekommst du es für gerade einmal 12 Euro. Was sind die Hintergründe?

RWE ist nicht für die „Energiewende“ gerüstet

Die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende verfolgt unter anderem die folgenden Ziele:

  • Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022
  • Reduktion der Treibhausgasemissionen (um 40 % bis 2020)
  • Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien (auf 35 % des Bruttostromverbrauchs bis 2020)

Dem Bericht „Facts and Figures 2015“, Seite 24, von RWE lässt sich entnehmen, welchen Anteil die verschiedenen Arten der Energieerzeugung an der gesamten Stromproduktion von RWE in Deutschland einnehmen (Stand 31. Dezember 2014).

Erneuerbare Energien schlagen dabei lediglich mit 1 % zu Buche. Den Löwenanteil stellen dagegen Braun- und Steinkohle mit insgesamt 72 %, gefolgt von Kernenergie mit 23 %. Man muss also kein Genie sein, um zu erkennen, dass, ganz unabhängig von der technischen Machbarkeit, dieser Energiemix eine denkbar schlechte Basis darstellt und erhebliche Investitionen nötig sind, um die Ziele der Energiewende zu erfüllen.

Unabsehbare Kosten für die Entsorgung der Atomkraftwerke

Obwohl die Betreiber Rückstellungen in Milliardenhöhe für den Abriss von Atomkraftwerken und die Lagerung von Atommüll gebildet haben, ist es zweifelhaft, ob diese Rückstellungen ausreichen werden, oder sich die Entsorgungskosten um ein Vielfaches erhöhen könnten. Es handelt sich dabei immerhin um einen Zeitraum bis 2050 oder sogar weit darüber hinaus.

Ebenso unsicher ist, wer diese Kosten letztendlich tragen wird. Eine Kommission, die diese Frage klären soll, ist bis jetzt nicht zu einer Einigung gekommen. Der Co-Vorsitzende Michael Müller hat sich allerdings schon dahingehend geäußert, dass die Haftung der Energiebetreiber nicht auf Kosten der Steuerzahler begrenzt werden dürfe. Parallel dazu haben RWE, Eon und Vattenfall eine Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Sie halten den Beschluss zum Atomausstieg für unrechtmäßig, da er einer Enteignung der Betreiber gleichkäme.

Falls die Klage erfolgreich ist, könnten die Konzerne Schadenersatzansprüche einfordern. Das Urteil des Verfassungsgerichts wird jedoch erst in mehreren Monaten erwartet und der Ausgang gilt derzeit als völlig offen. Eine ähnliche Klage des baden-württembergischen Atombetreibers EnBW beim Landgericht Bonn wurde in erster Instanz bereits abgelehnt.

Aufspaltung des Unternehmens

Schon im Dezember 2015 kündigte RWE an, dass eine neue Tochtergesellschaft gegründet werden soll. Die Tochtergesellschaft firmiert unter dem Namen „RWE International SE“ und beinhaltet die Segmente erneuerbare Energien, Netzwerke und Vertrieb. Nach dieser Ankündigung stieg der Kurs der RWE-Aktie, zumindest zeitweise, leicht an. Das ist erstaunlich – wird ein Unternehmen wertvoller, wenn man es zerteilt?

Bei RWE ist geplant, 10 % des neuen Unternehmens an der Börse anzubieten, während 90 % im Besitz des Mutterunternehmens bleiben. Das Gegenteil ist hier also der Fall, die Anteile der Altaktionäre werden an Wert verlieren, aber weiterhin das Risiko der Entsorgung abdecken müssen.

Als potenzieller Investor würde ich daher zumindest erwägen, auf den Ende 2016 geplanten Börsengang der RWE International SE zu warten. Dabei bleibt allerdings auch noch abzuwarten, ob die darin enthaltenen Geschäftsfelder einen nennenswerten Gewinn erwirtschaften können.

Rote Zahlen

Im Geschäftsbericht 2015 finden wir unter anderem den folgende Satz des Vorstandsvorsitzenden Peter Terium: „Bei etwas über 20 Euro je Megawattstunde Grundlast … sind fast alle unsere Kraftwerke in den roten Zahlen.“

Letztendlich resultierte daraus im Geschäftsjahr 2015 ein Nettoverlust von 170 Millionen Euro (-0,28 Euro pro Aktie), verglichen mit einem Gewinn von 1,7 Milliarden Euro (2,77 Euro pro Aktie) im Vorjahr.

Das RWE-Management versucht mit Kosteneinsparungen gegenzusteuern, wird zudem aber bei der Hauptversammlung auch vorschlagen, die 2014 gezahlte Dividende von 1 Euro pro Aktie bei den Stammaktien ganz zu streichen und bei den Vorzugsaktien auf 0,13 Euro zu senken.

Das ist in dieser Situation verständlich, aber natürlich für Aktionäre äußerst unerfreulich. Viele RWE-Aktien werden auch von staatlichen Stellen gehalten und es stellt sich die Frage, wie lange es sich die Kommunen leisten können, dringend benötigtes Kapital in einer Aktie zu binden, die praktisch keine Dividende abwirft und sich in einem langfristigen Abwärtstrend befindet.

Der Ausblick auf 2016 lässt sich am einfachsten durch ein weiteres Zitat des Vorstandsvorsitzenden zusammenfassen: „Unsere Ergebnisprognose zeigt, dass die Talsohle noch nicht durchschritten ist.“

Fazit

Das Umfeld für Energieversorger bleibt schwierig, es gibt große Unsicherheiten betreffs der Entsorgung von Altlasten und eine starke Abhängigkeit von politischen oder richterlichen Entscheidungen. Trotz des gesunkenen Aktienkurses ist RWE für mich alles andere als ein Schnäppchen und mit erheblichen Risiken behaftet. Daher sehe ich mich derzeit nach anderen Aktien um.

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Der Autor Ralf Hendriks besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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