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Die beste Investmentlektion, die ich jemals gelernt habe

Foto: Pixabay, WerbeFabrik

Ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell, gute Zahlen und ein ansprechender Aktienkurs – das sind die Zutaten für erfolgreiche Investments am Aktienmarkt. Warum das noch nicht alles ist und was mich vor vielen Jahren 2.000 Euro gekostet hat, erfährst du hier.

Das Problem: Überall lauern tolle Aktientipps

Wer kennt sie nicht, die verlockende Anzeige auf der Seite des Online-Shops oder des Aktienforums? Beim Kauf dieser fünf Aktien sei das Geld gut angelegt; der schnelle Reichtum winke, Irrtum ausgeschlossen.

Doch nicht nur bei Anzeigen im Internet lauern vermeintlich gute Investmenttipps, wir bekommen sie auch in Foren, Zeitungen und Zeitschriften, von Freunden oder in Fachblättern. Wenn das Ganze noch mit anschaulichen Grafiken und seriösen Quellen daherkommt, kann doch nichts mehr schiefgehen…

Und wie es schiefgehen kann. Einer der größten Fehler meiner Investmentkarriere hat mir das gezeigt und war zudem eine der besten Lektionen, die ich je gelernt habe.

Die Fehler: Vorschnelles Handeln und blindes Vertrauen

Vor über zwanzig Jahren, als die Welt der Wertpapiere schon nicht mehr so neu für mich war, begann ich, mich auch für außerbörslich gehandelte Aktien zu interessieren. Dafür gibt es spezialisierte Händler und einer von ihnen hatte eine fantastische Aktie eines guten Unternehmens mit einem noch besseren Geschäftsmodell im Angebot. Eine eigene Analyse untermauerte das Ganze zusätzlich.

Als ich Interesse bekundete, erfuhr ich, dass es nur noch wenige Aktien gäbe, was eine sofortige Entscheidung notwendig mache.

Es kam, wie es kommen musste: Ich entschied sofort, kaufte die Aktien und verlor in wenigen Monaten 90 % meines Einsatzes.

Das Motiv: Gier

Letztlich waren Gier und die Angst, etwas Wichtiges und Großes zu verpassen, die Motive der Entscheidung. So als sei dieses eine Papier die finale Gelegenheit zum Investieren und Geld verdienen.

Ich ärgere mich bis heute über meinen überflüssigen Verlust. Gleichzeitig betrachte ich diese Erfahrung als eine, zugegeben teure, Investition, denn ich habe dadurch eine sehr wichtige Sache gelernt: Es gibt keine Aktie, die man unbedingt und zu jedem Preis haben muss.

Nehmen wir einen Vergleich Warren Buffetts und stellen uns einen Baseballspieler vor, der versucht, mit seinem Schläger alles und jeden zu treffen. Diese Hampelei sieht nicht nur blöd aus, sie ist auch völlig unnötig: „Du musst nicht nach allem schlagen – du kannst auf deinen großen Wurf warten.“

Die Konsequenz: Recherche ist das A und O

Hinzu kam noch ein weiterer bedeutender Aspekt: Ich hatte nicht genug recherchiert (oder um ehrlich zu sein: gar nicht). Texte in Fachblättern, Anzeigen auf Wirtschaftsforen oder Tipps von Freunden mögen noch so fantastisch klingen – ohne eingehende Recherche deinerseits sind sie nicht viel wert.

Zunächst einmal wollen diejenigen, die die Aktien anbieten, damit Geld verdienen. Das Wohl des Käufers steht dort nicht im Vordergrund. Deswegen können selbst anschauliche Diagramme und Texte nur der Anfang der Recherche sein.

Du nutzt vielleicht auch andere Quellen, siehst andere Zahlen und liest andere Berichte, möglicherweise bleiben wichtige Dinge unerwähnt. So kann es dann auch kommen, dass du nicht mehr übereinstimmst, und am Ende doch nicht zuschlägst.

Und selbst wenn alles seriös ist, könnte die Aktie letztendlich nicht in deine Strategie passen. Tesla Motors mag unsere Art der Fortbewegung revolutionieren und eine tolle Zukunft haben – das hilft dir aber nicht, wenn dich die starken Schwankungen der Aktie nachts nicht schlafen lassen.

Die Zeit für die Recherche schadet deinem Depot sicher nicht und ist gut angelegt.

Die Tugend: Geduld

Und dann ist es so weit: Die Argumente des Artikels, der dich aufmerksam gemacht hat, sind fundiert und nicht von der Hand zu weisen, die sorgfältige Recherche hat dich nur bestätigt und die Zahlen sehen mehr als gut aus. Nun hast du sie gefunden, die neue Aktie für dein Depot.

Natürlich kann es sein, dass dieses Papier in der Zwischenzeit weiter gestiegen ist, aber dann wartest du eben auf die nächste Gelegenheit. Die wird mit Sicherheit kommen: Entweder fällt die Aktie wieder oder dir läuft eine andere gute Aktie über den Weg.

Nicht ohne Grund ist Geduld ein Merkmal erfolgreicher Investoren.

Das Wichtige: Alles ist möglich

Selbst wenn du vorbildlich gehandelt hast, gibt es keine Garantie dafür, dass deine Aktie nicht doch fällt. Zum einen ist es normal, dass die Kurse schwanken, zum anderen können unvorhergesehene Ereignisse eintreten oder Skandale werden aufgedeckt, die sich negativ auf die Kurse auswirken, wie zum Beispiel bei Volkswagen im letzten Jahr.

Außerdem besteht immer die Möglichkeit, dass du einen Fehler machst oder etwas übersiehst, schließlich sind wir alle Menschen. Deshalb ist es wichtig, dass dein Depot immer aus mehreren Aktien besteht. So kannst du deine Verluste, falls sie denn eintreten, in Grenzen halten.

Mit viel Geduld und gewissenhafter Recherche kannst du die meisten Fallen umgehen und die Wahrscheinlichkeit einer schlechten und vorschnellen Kaufentscheidung, wie ich sie getroffen habe, senken. Und sollte dein Baseballschlag dann doch einmal daneben gehen, kannst du es als Investition in die Erfahrung betrachten und daraus lernen.

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Peter Roegner besitzt keine der im Text genannten Aktien. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Tesla Motors.

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