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Wie sich die Investmentbranche verändern könnte

Foto: Pixabay, Geralt

Jede wichtige wirtschaftliche Entwicklung klang erst einmal absurd, bevor sie Realität wurde. Öl für 30 US-Dollar 2016? Jahrelange quantitative Lockerungen bei fast keinem Hauch von Inflation? Eine ganze Generation, die klassisches Fernsehen ablehnt?

Es ist offensichtlich, dass Durchbrüche an konventionellen Weisheiten rütteln. „Trotzdem machen wir immer wieder den gleichen Fehler“, wenn es darum geht, die Zukunft vorauszusehen, schreibt der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt in seinem Buch Wie Google tickt – How Google Works. Es ist schwierig, gängige Meinungen zu ignorieren, wenn es um das Erahnen von Durchbrüchen geht, weil diese oft wie Naturgesetze erscheinen.

Schmidt schreibt darüber, wie Unternehmen dieser Falle aus dem Weg gehen können:

Die Frage ist nicht, was passieren wird, sondern was passieren könnte. Die Frage nach dem, was passieren wird, bedeutet, dass man Vorhersagen trifft, was in einer sich schnell bewegenden Welt Quatsch ist. Die Frage nach dem, was wahr sein könnte schließt Vorstellungskraft mit ein: Was ist laut gängiger Weisheit unvorstellbar, aber tatsächlich vorstellbar?

Das ist eine großartige Art und Weise, über die Finanzindustrie nachzudenken, die sich ständig wandelt und das mit einer wahrscheinlich noch nie dagewesenen Geschwindigkeit.

Es ist unmöglich, vorherzusagen, wie die Branche in 10 bis 20 Jahren aussehen wird, aber ich kann mir zwei Möglichkeiten vorstellen, wie sie sich verändern könnte.

Gängige Meinung: Einzelne Investoren sind blutige Anfänger.

Was in der Zukunft passieren könnte: Neue Generationen mit Erfahrung lassen die meisten Menschen bessere Entscheidungen treffen.

Die meisten Menschen investieren, um ihren Lebensabend abzusichern. Aber vor 30 Jahren hieß Lebensabend noch häufig, dass man sich auf eine Mischung aus sozialer Absicherung, privater Vorsorge, seinen Kindern und Arbeit bis zum Tod stützte. Die Erwartung, dass jeder sein eigenes Geld investieren sollte und dafür verantwortlich ist, ist ein relativ neues Konzept. Die Altersabsicherung als solche war bis in die späten 1980er nicht beliebt. Die Rentenabsicherung in den USA namens Roth IRA ist vier Jahre jünger als Amazon.com.

Die Tatsache, dass Investieren im großen Stil noch in den Kinderschuhen steckt – die Idee ist weniger als eine Generation alt – erklärt vielleicht, warum einzelne Investoren häufig furchtbare Investitionsentscheidungen treffen. Im Gegensatz zur Arbeitswelt und Kindererziehung fehlt an dieser Stelle Generationenwissen, welches weitergegeben werden kann, da ältere Generationen nie allein investiert haben wie Arbeitnehmer von heute.

Aber die Sache beginnt, sich zu ändern. In den USA haben die sogenannten Baby-Boomer in ihrem Leben viel investiert und ihren Kindern gezeigt, wie man es verbocken kann. Der Optimist in mir denkt, dass diese Kinder etwas gelernt haben und bessere Investitionsentscheidungen treffen werden als ihre Eltern.

Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gering, weil Investieren schon immer eine emotionale Sache war und das auch bleiben wird. Aber ich kann mir vorstellen, dass wir später auf diese Zeit der schlechten Investitionsentscheidungen zurückschauen und sie eher als merkwürdige Übergangsphase zwischen Rentenvorsorgemethoden sehen werden als als grundlegende Eigenschaft des einzelnen Investoren.

Gängige Weisheit: Finanzprofis verdienen unglaublich viel Geld.

Was in der Zukunft wahr sein könnte: Es wird zu einem normalen professionellen Job wie Buchhaltung oder Ingenieurwesen.

Forbes verfolgt jedes Jahr die 25 am besten verdienenden Hedgefondsmanager. Das durchschnittliche Gehalt lag 2014 bei 972 Millionen US-Dollar. „Die am schlechtesten verdienenden Hedgefondsmanager auf unserer Liste verdienten letztes Jahr 280 Millionen US-Dollar“, schrieben sie. Zum Vergleich: Baltimores jährliches Budget für Bildung liegt bei 1,3 Milliarden US-Dollar. Dem Typ, der AIG hoch gejagt hat, wurden fast 400 Millionen US-Dollar gezahlt und er ist dann mit einem Beratervertrag, der 1 Millionen US-Dollar monatlich abwirft, abgetreten. Ich wäre schockiert, wenn ein angestellter Wissenschaftler jemals auch nur ein Zehntel davon verdient hätte.

Das sind zwar Extreme, aber eine hohe Bezahlung ist ein Merkmal der Branche. Das Median-Gehalt in der Finanzbranche liegt laut dem amerikanischen statistischen Amt für Arbeit bei 78.620 US-Dollar pro Jahr. Damit ist es 57 % höher als das Median-Gehalt aller Branchen, für die man einen Bachelor-Abschluss braucht.

Warren Buffet sagte einmal über Finanzangestellte:

Sie arbeiten hart und sie sind klug, aber sie arbeiten nicht viel härter oder sind viel klüger als jemand, der irgendwo einen Damm baut oder Menschen in vielen anderen Jobs.

Die Gründe für das hohe Gehalt von Finanzprofis sind komplex, kreisen aber vermutlich um vier Punkte:

  • Kunden ignorieren die Gebühren.
  • Regulative Vorteile großer Institutionen.
  • Hohe Einstiegsbarrieren, die Etablierte schützen.
  • Der Erfolg der ersten bläht die Erwartungen aktueller Kunden auf.

Alle diese Gründe könnten unwichtiger werden. Bei einigen sieht man das schon.

Vanguard allein ist jetzt schon um einiges größer als die gesamte Hedgefondsbranche. Neue Handelsregeln bedeuten, dass die Wall-Street-Banken Arbeiter im hohen Tempo entlassen. Die Explosion von ETFs bedeuten Fonds-Gebühren Nähe null – Goldman Sachs hat vor kurzem einen aktiv gemanagten Fonds gestartet, der Gebühren in Höhe von 0,09 % erhebt.

Mittelsmännern wird es in einer Branche, in der Billionen Dollar mit Dopamin und schlechter Bildung zusammenkommen, immer gut gehen. Aber die Größe neuer Rivalen, die in die Investmentwelt eindringen, ist enorm. In der Vergangenheit ging es bei dem Wettkampf zwischen Finanzprodukten um den höchsten versprochenen Gewinn. Heute wird mit den geringsten Gebühren geworben.

Ich kann mir eine Welt vorstellen, in der kleine und wenige Finanzunternehmer Vermögen machen, große Köpfe nicht mehr als Doktoren verdienen und der Großteil der Branche seinen Gehältern dabei zusehen muss, wie sie sich normalisieren oder ihr Job komplett gestrichen wird.

Bis dahin bleibt alles beim Alten.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und am 24.3.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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