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Der Ölmarkt hat den kritischen Punkt endlich erreicht

Foto: Pixabay, Moni49

Die Ölbranche ist von einem ständigen Konkurrenzkampf geprägt. Die Unternehmen müssen permanent neue Ölquellen bohren, um die Produktionsausfälle der älteren Ölquellen auszugleichen. Wenn sie zu viel bohren, dann geht der Ölpreis auf Talfahrt und das führt oft zum Ende einiger Ölfirmen. Wenn sie aber nicht genug bohren, dann werden sie vom Rest der Welt als gierig abgestempelt, weil die Preise an der Zapfsäule steigen. Das ist ein endloser Zyklus, den wir vorher schon gesehen haben und der sich jetzt gerade wieder vor unseren Augen abspielt.

Die Ölfirmen haben jetzt die Belastungsgrenze erreicht und verfügen nicht mehr über die Barreserven, um genug zu bohren, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Das könnte der Anfang eines neuen Zyklus sein, in dem die Produzenten nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten können, was in den nächsten Jahren zu einem schmerzhaften Preisanstieg führen könnte.

BILDQUELLE: ANADARKO PETROLEUM.

BILDQUELLE: ANADARKO PETROLEUM.

Sie schaffen’s nicht mehr

Laut einem Bericht von Rystad Energy werden die Ölfirmen 2016 zum ersten Mal seit Jahren wieder weniger Öl aus neuen Feldern gewinnen, als sie erwarten auf den älteren Feldern zu verlieren. Laut dieser Schätzung werden dieses Jahr etwa 3 Millionen Barrel Öl aus neuen Quellen auf den Markt kommen. Verantwortlich dafür sind mehrere Ölfirmen wie Anadarko Petroleum (WKN:871766) mit seinem Ölfeld Heidelberg im Golf von Mexiko, das seit seiner Eröffnung im Januar täglich 80.000 Barrel produziert.

Diese 3 Millionen Barrel werden aber die 3,3 Millionen Barrel an Produktionsrückgängen nicht ausgleichen können. Das liegt daran, dass Unternehmen wie Whiting Petroleum  (WKN:590101) zum Beispiel einfach nicht das Geld haben, um weiter zu bohren. Im Fall von Whiting Petroleum ist gerade genug Geld vorhanden, um mit dem Fracking bis Mitte des Jahres fortzufahren, nachdem die schwachen Ölpreise das Unternehmen schon dazu gezwungen haben, die Ausgaben verglichen mit dem letzten Jahr um 80 % zu senken. Aufgrund dieser Investitionsausfälle soll die tägliche Produktion im Vergleich zum Durchschnitt des letzten Jahres um 18,5 % fallen, was etwa 30.000 Barrel an Öläquivalenten pro Tag entspricht. Und damit steht Whiting nicht alleine da. Dutzende von Ölfirmen in Nordamerika können es sich nicht mehr länger leisten, genug zu investieren, um die Produktion aufrecht zu erhalten.

Es wird schlimmer

Dieses Jahr wird ein globales Minus von moderaten 300.000 Barrel pro Tag erwartet – was von all dem Öl, das schon auf dem Markt ist, leicht aufgefangen wird – aber danach geht es nur noch bergab. Laut Rystad soll das Minus bis 2017 die Neuproduktion um 1,2 Millionen Barrel übersteigen. Diese Versorgungslücke soll sich 2018 nur weiter vergrößern bevor sie sich 2020 nach aktuellen Prognosen sogar noch mehr verschlechtern soll. Das liegt an der Annahme, dass die globale Nachfrage nach Öl im Zuge des Wirtschaftswachstums pro Jahr um 1 Million Barrel pro Tag steigen soll. Das ist ein alarmierendes Szenario, das das Offshore-Ölunternehmen Transocean (WKN:A0REAY) im folgenden Bild beschreibt.

BILDQUELLE: TRANSOCEAN PRÄSENTATION FÜR INVESTOREN

BILDQUELLE: TRANSOCEAN PRÄSENTATION FÜR INVESTOREN

Hier nimmt Transocean mehrere Schätzungen von Rystad und anderen, die dann anhand von drei verschiedenen Preisszenarien durchgespielt werden. Das Ergebnis ist ein potenzieller deutlicher Rückgang bei der Ölversorgung, sollten die Preise in den nächsten drei Jahren unter 50 US-Dollar pro Barrel bleiben.

Ein Grund für diesen riesigen Produktionsrückgang sind die hohen Kosten und die lange Vorlaufzeit, bis Offshore-Projekte mit der Produktion beginnen können. Nehmen wir das Heidelberg-Ölfeld als Beispiel. Das Feld wurde schon 2009 entdeckt, aber das Projekt bekam erst im Mai 2013 grünes Licht und hat erst im Januar diesen Jahres das erste Öl hervorgebracht. Diese dreijährige Vorlaufzeit legt nahe, dass größere Offshore-Projekte, die heute bewilligt werden, nicht vor 2019 mit der Produktion beginnen werden. Da die Ölpreise aber gerade so niedrig sind, erwarten die Analysten, dass nur neun der 232 schwebenden Projekte dieses Jahr noch gestartet werden, da die meisten davon nicht wirtschaftlich sind.

Aufgrund dessen warnt Transocean, dass sich die tägliche Fördermenge der Offshore-Rigs erst 2019 oder 2020 verbessern könnte, denn es wird so lange dauern, bis die Industrie die Produktion wieder aufnimmt.

Das könnte kurzfristig zu einer großen Versorgungslücke führen, was den Schieferölproduzenten wie Whiting Petroleum sehr entgegen käme, denn Schieferöl folgt viel kürzeren Zyklen und geht oft schon nach Monaten zur Produktion über anstatt erst nach Jahren. Aber aufgrund der verheerenden Bilanzen, die der fallende Ölpreis mit sich gebracht hat, müssten die Preise schon deutlich steigen, um den Schieferölproduzenten einen Anreiz zu geben, mehr zu produzieren. Das könnte auch passieren, denn höhere Ölpreise wären auch das Ergebnis einer deutlichen Versorgungslücke.

Foolishes Fazit

Bei den aktuellen Preisen von unter 40 US-Dollar pro Barrel haben die Ölfirmen endlich die Belastungsgrenze erreicht. Sie haben nicht mehr den Cashflow oder den Zugang zum nötigen Kapital, um genug neue Quellen zu erschließen, um die Produktionsrückgänge der älteren Ölquellen auszugleichen. Diese Situation wird sich in den nächsten Jahren nur verschlechtern, außer die Ölpreise steigen drastisch an, was es den Schieferölproduzenten mit ihrer schnelleren Reaktionszeit erlauben würde, die Lücke zu schließen, bis die Industrie größere Offshore-Felder erschließen kann. Das sind Aussichten, die nahe legen, dass es in den nächsten Jahren noch viel Volatilität und Wachstumspotenzial geben könnte.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Matt DiLallo auf Englisch verfasst und wurde am 26.03.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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