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3 Hintergründe zur Kursrallye von Wirecard

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Was war passiert?

Noch am 23. Februar 2016 stand der Aktienkurs der Wirecard AG (WKN:747206) bei 42 Euro, dann ging alles ganz schnell. Nach der Veröffentlichung der Studie des bislang unbekannten Researchunternehmens Zatarra, in der es um Geldwäsche- und Betrugsvorwürfe gegen Wirecard und einem Kursziel von 0 Euro geht, stieg das Handelsvolumen rasant an, das Unternehmen verlor zeitweise bis zu 25 % seines Börsenwerts. Die Hintergründe zu diesen Entwicklungen erfährst du hier.

Nicht der erste Angriff auf Wirecard

Wirecard sieht sich nicht zum ersten Mal einem solchen Angriff gegenüber. Im Jahr 2008 stellte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) Untersuchungen bezüglich des Vorwurfs der irreführenden Bilanzierungsmethoden in den Raum. Im Nachgang zeigte sich, dass ein Vorstandsmitglied des Vereins eine Verkaufsposition in die Wirecard-Aktie eingegangen war, die von fallenden Kursen profitierte.

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2010 kam es durch eine Lokalzeitung aus Florida zu Anschuldigungen gegen Wirecard, auch hier stellten sich am Ende Ungereimtheiten in der Berichterstattung heraus. Und auch diesmal machen einige Dinge rund um die Veröffentlichung der Wirecard Studie und deren Verfasser stutzig, z. B., dass Zatarras Internetseite nur eine Woche vor der Veröffentlichung des Reports am 17. Februar registriert wurde und dass die bisher einzige abrufbare Studie diejenige über Wirecard ist.

Hohe Leerverkaufspositionen

In diesem Zusammenhang ist auffällig, dass gerade in den Monaten vor Veröffentlichung der Zatarra Studie das Short Interesse für die Wirecard Aktie sprunghaft angestiegen ist. Innerhalb der EU besteht eine Meldepflicht, wenn ein Investor mehr als 0,5 % des gehandelten Volumens einer Aktie leerverkauft. Anfang Februar lag die Leerverkaufsquote bei ca. 8 % und stieg dann innerhalb weniger Wochen auf ca. 13,03 %.

Leerverkäufe können fallende Kurse weiter nach unten treiben, denn bei diesen Positionen leiht sich ein Investor Aktien bei anderen Marktteilnehmern, z. B. bei Fonds und verkauft diese Anteile dann am Markt zum aktuellen Marktpreis. Der Investor erwartet einen sinkenden Kurs und kauft das Wertpapier später zu einem geringeren Preis zurück, bevor er es an seinen Eigentümer zurückgibt. Die Differenz zwischen dem fixen Verkaufs- und dem niedrigeren Rückkaufkurs sind der Gewinn des Investors.

Kürzlich begannen erste Leerverkäufer, ihre Short Positionen langsam wieder abzubauen. Diejenigen, die Shortpositionen in der Wirecard Aktie aufgebaut haben, profitierten damit besonders von dem Kursverfall der Aktie, der als Reaktion auf die Zatarra Studie eingetreten ist.

Anfälligkeit durch Komplexität von Struktur und Bilanz

Warum kommt es also zu so heftigen Marktreaktionen auf vereinzelte Meldungen? Hauptsächlich sorgen eine komplexe Bilanz und Unternehmensstruktur für Unsicherheit bei Investoren, wenn es um die Einschätzung der Nachhaltigkeit von Meldungen kommt, ob diese nun belastbar sind oder nicht.

Das organische Wachstum durch 11 internationale Zukäufe in den letzten vier Jahren ist bemerkenswert. Die Folge ist jedoch auch eine steigende Unübersichtlichkeit der gesamten Unternehmensstruktur. Die Engagements erfolgten hauptsächlich im asiatischen Raum und unterstützen eine lokale Expansionsstrategie, deren Details in diesem Artikel näher beleuchtet werden.

Durch die Abwicklung einer Kreditkartenzahlungstransaktion entsteht zum Beispiel in der Wirecard Bilanz eine Forderung gegenüber dem Kreditkartennetzwerk – z. B. Visa (WKN:A0NC7B) oder Mastercard (WKN:A0F602) – gleichzeitig aber auch eine Verbindlichkeit gegenüber dem Online-Händler, der die Ware oder Dienstleistung bereitstellt. Beides sind jeweils nur durchlaufende Posten in den Büchern von Wirecard als Payment Service Provider.

Da Wirecard für jede Transaktion eine Gebühr erhebt, wird die Verbindlichkeit dabei immer etwas kleiner sein als die Forderung. Bei einem jährlichen Transaktionsvolumen von 34,4 Mrd. Euro, das sich aus vielen einzelnen Transaktionen zusammensetzt, erhöht dies zwangsläufig die Komplexität der Bilanz.

Fazit

Bei jeder Investmententscheidung geht es um das Abwägen von Risiken und Chancen. Die immer wieder auftauchenden Attacken, Gerüchte und Spekulationen haben Wirecard nicht nachhaltig geschadet, der Kurs hat seit Anfang 2006 um mehr als 1500 % zugelegt. Was die Transparenz in Bezug auf die Unternehmensstruktur und schwer zu durchschauende Bilanzzusammenhänge angeht, besteht seitens Wirecard noch Verbesserungspotenzial bei der Investorenkommunikation. Insgesamt bin ich jedoch überzeugt, dass das Unternehmen für langfristiges Wachstum gut aufgestellt ist, weshalb ich vor kurzem selbst Aktionär geworden bin.

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Daniela Kögel besitzt Aktien der Wirecard AG. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Mastercard und Visa.

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