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Darum würde ich mich heute für Freenet und gegen Drillisch entscheiden

Logos von Mobilcom-Debitel und Yourfone

Die zwei großen unabhängigen Mobilfunkdienstleister Drillisch (WKN:554550) und Freenet (WKN:A0Z2ZZ) sind bei Dividendenjägern beliebt. Hier hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon bald auf. Bevor wir in eines der beiden Unternehmen investieren wollen, sollten wir uns daher klar machen, welches die wesentlichen Unterschiede sind und welche Folgen dies für uns Anleger haben kann.

Übersicht

Was die Marktkapitalisierung angeht, ist Freenet mit gut 3,3 Mrd. Euro (Schlusskurs 24.3.) lediglich rund 50 % , beim Umsatz jedoch immer noch fast fünfmal größer, obwohl Drillisch 2015 massiv zugelegt hat.

Mit den Dividendenausschüttungen werden Anleger bei beiden Werten verwöhnt: Von den aktuell etwa 6 % bei Freenet und 4,5 % bei Drillisch können Sparer derzeit nur träumen, zumal beide beabsichtigen, die zukünftigen Auszahlungen noch weiter zu erhöhen.

Ob sie dies auch längerfristig durchhalten können ist natürlich der entscheidende Punkt: Ein paar hohe Dividenden sind nur wenig wert, wenn der Aktienkurs in ein paar Jahren am Boden herumkrebst. Deshalb ist mir wichtig zu verstehen, wohin die beiden Unternehmen steuern und wie glaubwürdig ihre Strategie ist.

Die Strategie von Drillisch

Drillisch hat 2014 so etwas wie den Jackpot geknackt, als sie nach Verhandlungen mit der EU-Kommission den Zuschlag für die preiswerte Übernahme von zunächst 20 % der Netzkapazität von Telefonica Deutschland (WKN:A1J5RX) bekam.

Seither setzt der Billigheimer alles daran, Kunden in das O2-Netz zu locken und zur neuen Kraft hinter den drei Netzbetreibern zu werden sowie die auferlegten Verpflichtungen zu erfüllen. Hierzu wurden mehrere Marken hinzugekauft und ein starkes deutschlandweites Vertriebsnetz aufgebaut.

Um das Geschäft zusätzlich anzutreiben und die Kernmarken Yourfone und Smartmobil.de in den Köpfen der Verbraucher zu verankern, wurde das Werbebudget 2015 um mehr als 50 Mio. Euro erhöht, in Verbindung mit aggressiv kalkulierten Angeboten und lokalen Aktionen.

Ganz anders ist die Situation bei Freenet.

Die Strategie von Freenet

Die heute zu Freenet gehörenden und fusionierten Marken Mobilcom und Debitel zählen seit vielen Jahren zu den führenden Vertriebsschienen in Deutschland. Jetzt, wo der Markt weitgehend gesättigt wirkt, orientiert sich der Konzern neu und macht sich daran, ergänzende Geschäftsfelder rund um vernetzte persönliche Hardware, wie Heimautomation, Überwachungs- und Gesundheitstechnik zu erschließen.

Hierfür schießt auch Freenet aus allen Rohren. Mit gezielten Werbeaktionen wird die Positionierung als sogenannter Digital-Lifestyle-Provider kommuniziert. Ein ausgezeichneter Schachzug war in diesem Zusammenhang die Übernahme von GRAVIS, einem großen unabhängigen Apple-Händler, der sich hervorragend in diese Strategie einfügt, da so auch das höherwertige Segment ideal bedient werden kann.

Mit dem Kauf der Media Broadcast Gruppe und einer Beteiligung an Exaring katapultiert sich Freenet zudem in die Position eines zentralen Akteurs rund um den digitalen Rundfunk.

Nicht ganz klar ist hingegen, was Freenet in der Schweiz mit dem Kauf von gut 24 % am Mobilfunk-Provider Sunrise beabsichtigt. Ich vermute mal, dass das Management zunächst die günstigen Finanzierungsbedingungen nutzen wollte, sehe aber auch interessante Kooperationsmöglichkeiten beispielsweise bei der gemeinsamen Vermarktung von Produktneuheiten.

Bewertung

Die Hoffnungen der Drillisch-Aktionäre liegen auf der Erwartung, dass das Unternehmen eine starke Stellung im deutschen Mobilfunkmarkt erreichen kann.

In der Tradition von „Drillisch-Billisch“ werden mit großem Aufwand kostenbewusste Käufer angelockt. Trotz der niedrigen Preise bleibt dank der unverschämt günstigen Telefonica-Kapazitäten immer noch eine auskömmliche operative Marge von über 10 % übrig, die sich mit steigender Kundenbasis noch erhöhen dürfte, weil die Vertriebs- und Betriebskosten erwartungsgemäß weniger ansteigen als die Einnahmen.

Beim derzeitigen Wachstumstempo könnte die Umsatzmilliarde schon im nächsten Jahr überschritten werden. Mit einem Nettogewinn von über 100 Millionen ist dann durchaus zu rechnen, womit bei weiter steigender Tendenz die derzeitige Bewertung auf alle Fälle gerechtfertigt wäre.

Selbstverständlich kommt es auch darauf an, wie stark die Konkurrenz dagegen hält. Da sich der 1&1-Konzern United Internet (WKN:508903) entschieden hat, eine Beteiligung an Drillisch einzugehen und Freenet sich auf neue Geschäftsfelder konzentriert, sieht es an dieser Front aber recht gut aus.

Vergleichsweise wenig Risiko im Geschäft sehe ich beim reinen Serviceprovider Freenet. Mir gefällt die konsequente Ausrichtung auf den Kunden und die Ausweitung des Produktangebots. Der Verkauf von Hardware und digitalen Lösungen erhält so immer mehr Gewicht und sichert die Profitabilität der Vertriebsstandorte, selbst wenn der Verkauf von Mobilfunkverträgen tendenziell zurückgeht.

Freenet erscheint mit seiner großen Kundenbasis aussichtsreich dafür aufgestellt, um in der Digital-Lifestyle-Nische eine Vorreiterrolle zu spielen. Konsumenten, die gerne Neues ausprobieren, aber nicht die Zeit investieren wollen, um sich selbst durch den Dschungel an Produkten zu kämpfen, finden hier eine preislich attraktive Orientierungshilfe, die so bei anderen Anlaufstellen kaum gegeben ist.

Vor diesem Hintergrund ist es aus meiner Sicht absolut plausibel, dass Freenet weiterhin wachsen kann und keine Probleme haben wird, die Dividendenhöhe zu steigern, zumal in der Regel 25 bis 50 % des Nettogewinns in das Geschäft reinvestiert werden und die Fremdkapitalkosten immer günstiger werden.

Fazit

Bei Drillisch sehe ich ein ausgeglichenes Chancen-Risiken-Verhältnis. Geht der Plan voll auf, besteht sicherlich noch einiges an Luft nach oben, aber ausgemacht ist das nicht, weshalb ich die Drillisch-Aktie nicht als „billisch“ bezeichnen würde.

Richtig preiswert erscheint hingegen der Kurs von Freenet. Hier bekommst du eine super Dividende, die mit hoher Wahrscheinlichkeit über viele Jahre noch besser wird, da der Konzern aus einer gefestigten Position heraus agieren kann, ständig an seiner Effizienz arbeitet sowie eine ausgewogene und aussichtsreiche Wachstumstumsstrategie verfolgt.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool besitzt keine der genannten Aktien.

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