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Sind diese beiden deutschen Aktien mit einem KGV von unter 5 jetzt ein Kauf?

Quelle: pixabay Olichel

Durch die anhaltenden Unsicherheiten an den Märkten ist der DAX zurzeit immer noch weit von seinen Höchstständen aus dem letzten Jahr entfernt. Das versetzt foolishe Anleger in Kauflaune. Viele Aktien aus Deutschland sind momentan günstig bewertet und haben Potenzial nach oben. Ich stelle euch zwei Aktien mit besonders niedrigem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) vor und bewerte, ob sich es lohnt, einen Kauf in Erwägung zu ziehen.

1. Porsche Automobil Holding SE KGV: 4,24*

*Daten von Capital IQ Stand 01. März 2016, Gewinn der letzten 12 Monate

Seit der Übernahme von Porsche durch die Volkswagen AG  (WKN:766403) ist vielen gar nicht mehr bewusst, dass es noch Aktien von Porsche an der  Börse zu kaufen gibt. Man kauft aber nicht mehr Aktien eines Sportwagenherstellers, sondern die Porsche Automobil Holding SE (WKN:PAH003).

Die Porsche Holding dient seit 2007 hauptsächlich dazu, Stammaktien von VW zu halten. Und davon nicht zu wenige, die Porsche Holding hält über 52 Prozent der Stammaktien des Volkswagen Konzerns. Das macht einen Anteil von ca. 32,5 Prozent des an der Börse gezeichneten Kapitals von Volkswagen aus. Als Anleger muss man sich mit den Vorzugsaktien der Porsche Holding begnügen, denn die Familien Piech und Porsche halten 100 Prozent der Stammaktien.

Jetzt könnte man auf die Idee kommen, dass ein Unternehmen, welches maßgeblich dazu dient, Stammaktien von Volkswagen zu halten, auch in der Bewertung dem Autokonzern nahezu identisch ist. Dies ist aber nicht der Fall. Mit einem KGV von 4,24 liegt die Bewertung der Porsche Holding deutlich unterhalb der Bewertung von VW (KGV 10,80).

Man würde also Volkswagen Aktien für weniger als die Hälfte der aktuellen Bewertung bekommen, wenn man jetzt in die Porsche Holding investiert? Nicht ganz, denn die durch Volkswagen ausgeschütteten Gewinne gehen nicht direkt an dich als Anleger, sondern an die Holding. Die Eigner der Stammaktien, Familie Piech und Porsche, entscheiden dann, wie sie die Dividenden aus dem Volkswagen Konzern verwenden. Dabei werden nicht 100 Prozent der vereinnahmten Dividende an die Eigner der Vorzugsaktien weitergegeben.

Mit Kauf der Porsche Holding investiert man somit zum einen indirekt in den VW Konzern, zum anderen aber in das Talent der Familien Piech und Porsche, den Cashflow aus dem Volkswagenkonzern gewinnbringend einzusetzen. Bei einem KGV von 4,24 und einer Dividendenrendite von aktuell knapp 4,3 Prozent lohnt es sich auf jeden Fall genauer hinzuschauen, ob sich hinter dem ungewöhnlichen „Geschäftsmodell“ nach den jüngsten Kursverlusten nicht ein möglicherweise gewinnbringendes Value-Investment verbirgt.

2. Lufthansa KGV: 4,78*

*Daten von Capital IQ Stand 01. März 2016, Gewinn der letzten 12 Monate

Die Deutsche Lufthansa AG  (WKN:823212) schien im letzten Jahr aus den schlechten Nachrichten gar nicht mehr raus zu kommen. Das tragische Unglück der Germanwings Maschine und zahlreiche Streiks verursachten nicht nur Unmut bei den Passagieren, sondern auch bei den Aktionären. Auch aktuell hat das Flugunternehmen mit der erhöhten Angst vor Terroranschlägen in Europa zu kämpfen. Als ob das Geschäftsmodell einer Fluggesellschaft nicht schon instabil genug wäre.

Man müsste ja schon ein bisschen verrückt sein, um hier Aktionär werden zu wollen oder? Vielleicht, aber bei einem aktuellen KGV von 4,78 sieht die Aktie schon wieder deutlich attraktiver aus. Dazu kommt noch, dass Lufthansa trotz der Serie an Hiobsbotschaften eines der wenigen Unternehmen im DAX ist, welches heute zu einem höheren Kurs gehandelt wird als noch vor genau einem Jahr. Außerdem hat die größte deutsche Airline im letzten Geschäftsjahr einen Rekordgewinn eingefahren. Ist hier eine langfristige, positive Entwicklung zu erkennen?

Ich bleibe da skeptisch. Den besagten Rekordgewinn hat Lufthansa zu einem großen Teil dem durch den Ölpreisverfall billig gewordenen Kerosin zu verdanken. Die niedrigen Ölpreise sind zwar für einige Unternehmen, wie Lufthansa, ein Segen, doch insgeheim scheint jeder zu wissen, dass die Preise nicht dauerhaft so niedrig bleiben werden. Schaut man bei Lufthansa in die weitere Zukunft, so ziehen dunkle Wolken auf. Die weltweiten Überkapazitäten und die Konkurrenz durch Billigflieger werden dem Konzern ein nachhaltiges Wachstum schwierig machen.

Ob Lufthansa trotz dieser Probleme bei dem jetzigen Kurs nicht doch ein Schnäppchen darstellt, ist schwer einzuschätzen, solange das Geschäft auch in der Zukunft so dynamisch umkämpft und risikoreich bleibt. Meiner Meinung nach sollte man sich hier jedoch nicht auf Spekulationen einlassen. Im Zweifelsfall halte ich mich in so einer Situation an Warren Buffett und kaufe lieber ein herausragendes Unternehmen (beziehungsweise in diesem Fall Geschäftsmodell) zu einem fairen Preis, als ein faires Unternehmen zu einem Schnäppchenpreis.

Fazit

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist ein angemessenes Instrument, um sich schnell einen Überblick darüber zu verschaffen, wie der Aktienkurs die Profitabilität des Unternehmens widerspiegelt. Es eignet sich somit besonders gut, um aus dem riesigen Pool an Aktien mögliche Schnäppchen-Kandidaten herauszufiltern. Mit der Porsche Holding und Lufthansa habe ich genau das getan. Doch schon einige Recherche reicht aus, um zu erkennen, dass ein ausgesprochen niedriges KGV nicht automatisch ein gutes Investment darstellt.

Um zu bewerten, ob sich ein Kauf lohnt, solltest du immer auch in die Zukunft des Unternehmens schauen und abwägen, ob der vermeintlich günstige Preis aufgrund von zukünftigen Problemen nicht gerechtfertigt ist.

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Robert Schleifenbaum besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der genannten Aktien.

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