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Du bist womöglich ein besserer Anleger, als du glaubst

Foto: Pixabay, damonnofar

„Ich bin beeindruckt, welche Bedeutung Maßstäbe bei der Verbesserung der menschlichen Leistung haben“, schrieb Bill Gates vor kurzem. „Du kannst erstaunliche Erfolge erreichen, wenn du dir ein eindeutiges Ziel setzt und eine angemessene Messeinheit findest, mit der du den Weg zu deinem ausgegebenen Ziel verfolgen kannst… Das klingt recht simpel. Es ist dennoch erstaunlich, wie schwierig dieser Schritt oft ist oder wie oft er erst gar nicht durchgeführt wird.

Investoren messen die Entwicklung ihrer Aktien mit einem einfachen Maßstab: dem Vergleichsindex. Es gibt Standard-Aktienindices wie den S&P 500, an dem Anleger ihre Renditen messen. Wenn deine Renditen größer sind als die des Vergleichsindex, hast du Erfolg. Wenn nicht, machst du etwas falsch.

Vergleichsindices sind wichtig; und das sollte auch so sein. Sie haben jedoch eine Schwachstelle, die oft übersehen wird.

Vergleichsindices repräsentieren angeblich die gewöhnliche Rendite eines Durchschnittinvestors. Sie werden mit dem Durchschnittseinkommen gleichgesetzt.

In Wirklichkeit sind sie das aber nicht. Der Durchschnittsinvestor, aktiv oder passiv, erzielt eine Rendite, die nicht einmal annähernd so hoch ist wie die des Vergleichsindex.

Medianeinkommen basieren auf Reallöhnen. Durchschnittsverbraucher haben dieses Geld im realen Leben verdient. Aber Investitions-Vergleichsindices bilden hypothetische Renditen ab und repräsentieren das, was du in der Theorie hättest verdienen können. In Wahrheit gelingt dies aber nur den wenigsten.

Damit ein Investor die Renditen eines Vergleichsindex erzielen kann, müsste er über viele Jahre hinweg ununterbrochen an einer Aktie festhalten und Dividenden stets wieder reinvisitieren. Er müsste einen Markteinbruch geduldig aussitzen, dürfte niemals aus Furcht verkaufen, niemals das investierte Geld zur Altersvorsorge oder den Kauf eines Hauses benötigen und niemals die Dienste eines Anlageberater gegen Bezahlung entgegennehmen.

Wie viele Investoren wären tatsächlich im Stande, sich so zu verhalten? Die Wenigsten unter uns könnten so handeln wie der „Durchschnittsanleger“.

Betrachten wir doch einmal den Vanguard 500 Fond. Er kommt einem börsennotierten Vergleichsindex am nächsten – einem S&P 500 Fond bei vernachlässigbaren Gebühren. In den vergangen zehn Jahren hat der Fond eine jährliche Durchschnittsrendite von 6,3 % abgeworfen. Aber der Durchschnittsanleger, der in den Vanguard 500 Fond investiert hat, hat pro Jahr lediglich 4,4 % eingenommen. Der Unterschied kommt dadurch zu Stande, dass Geld in Zeiten, in denen der Markt floriert, in den Fond strömt, während Anleger bei niedrigen Kursständen verkaufen (Der Morningstar zeichnet diese Trends auf).

Die entscheidende Frage ist also folgende: Was ist ein geeigneter Vergleichswert? Die hypothetische Rendite, die jemand mit einer Investition in den S&P 500 erzielt hätte oder die eigentliche Rendite eines Anleger, der versucht, den S&P 500 nachzuahmen?

Ich behaupte, es ist Letzteres.

Um bei dem Beispiel von Vanguard zu bleiben: Investoren betrachten sich nicht als „erfolgreich“, ehe sie die durchschnittliche Jahresrendite des letzten Jahrzehnts von 6,3 % übertroffen haben. In Wahrheit schneiden sie aber schon überdurchschnittlich ab, wenn sie über 4,4 % liegen. Jemand, der über die letzten zehn Jahre jährlich 5 % eingefahren hat, hinkt zwar dem Vergleichsindex hinterher, schlägt sich aber immer noch besser als die meisten anderen Anleger. Wir sollten diesen Anlegern Beifall spenden, das tun wir aber nicht. Stattdessen nennen wir sie „Verlierer“, auch wenn sie zu den Top-Anlegern zählen und das erreicht haben, was ihren Kollegen misslungen ist. Dies sind schon sehr eigenartige Maßstäbe.

Vergleichsindices messen in der Regel die Performance eines Vermögensverwalters. Die meisten von ihnen haben keine Kontrolle darüber, wann ihre Investoren ihre Fonds kaufen oder verkaufen. Aus dieser Perspektive betrachtet ist der traditionale Vergleichsindex immer noch die logischste Methode.

Dass Investoren Vergleichsindices hinterherrennen, zeigt aber, dass auch emotionale Aspekte, die hypothetische Renditen nicht berücksichtigen, eine Rolle spielen.

Bei der Messung der Entwicklung und des Erfolgs einer Anlage kommt es darauf an, seine Alternativen zu kennen. Jede Entscheidung muss gegen ihre Opportunitätskosten abgewogen werden. Investoren nehmen so gut wie immer an, dass ein Vergleichsindex wie der S&P 500 die geeigneten Opportunitätskosten, an denen sie ihre Renditen messen, wiederspiegelt. Diese Annahme suggeriert, dass jeder einfach so von heute auf morgen die Renditen eines Vergleichsindex einfahren kann. Theoretisch ist das möglich. Praktisch haben die meisten Investoren aber nicht das nötige Temperament dazu; auch wenn sie es ernsthaft versuchen.

Die Quintessenz lautet also: Bei Investitionsentscheidungen sollten wir uns eher fragen, ob uns eine Investition hilft, reale Renditen zu verbessern, anstatt uns mit der Frage auseinanderzusetzen, ob wir die Renditen des Vergleichsindex erreicht oder übertroffen haben. Für die Messung des realen Erfolgs eignet sich für die meisten Investoren nur Ersteres.

Das soll nicht als Ausrede für unterdurchschnittlich abschneidende Fonds gelten. Die meisten Fonds erreichen die hochgegriffenen Renditen eines Vergleichsindex niemals. Diese Worte sollen als Appell gelten, sich mehr darauf zu konzentrieren, ein besserer Investor zu werden, anstatt sich auf einen Vergleichswert einzuschießen, der die emotionalen Aspekte des Investierens völlig außer Acht lässt. Wir reden viel darüber, wie schwierig es ist, den Markt zu übertreffen; und das sollten wir auch. Aber es ist genau so schwierig – oder noch schwieriger – mit den Marktrenditen überhaupt gleichzuziehen.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und am 15.03.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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