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Die Gewinne von Audi fallen im Zuge des VW-Skandals

Foto: The Motley Fool

Der deutsche Luxusautobauer Audi (WKN:675700) gab am Donnerstag bekannt, dass der operative Gewinn des Gesamtjahres 2015 um 6,1 % auf 4,84 Milliarden EUR gefallen war. Grund dafür waren höhere Kosten in Verbindung mit dem Dieselskandal.

Das ist aus ein paar Gründen wichtig: Zunächst gibt es uns einen kleinen Anhaltspunkt, wie Volkswagen (WKN:766400), das den Mehrheitsanteil von Audi besitzt, die Kosten des Skandals stemmen wird, wenn es irgendwann im April den eigenen Jahresbericht liefern wird.

DER 3.0-LITER-V6-DIESEL MOTOR VON AUDI IST AUCH VOM EMISSIONSSKANDAL BETROFFEN. BILDQUELLE: AUDI AG.

DER 3.0-LITER-V6-DIESEL MOTOR VON AUDI IST AUCH VOM EMISSIONSSKANDAL BETROFFEN. BILDQUELLE: AUDI AG.

Warum dieser Bericht einen Hinweis liefert

Wir wissen ja immer noch nicht, wie viel VW im vierten Quartal 2015 verdient (oder verloren) hat und das werden wir auch erst in ein paar Wochen erfahren. Das Unternehmen hat die Bekanntgabe der Ergebnisse für Q4 und das Gesamtjahr 2015 vertagt, während VW noch mit den Kosten des Emissionsskandals zu kämpfen hat.

Aber der Bericht von Audi könnte uns einen Hinweis geben. VW besitzt über 99 % des Luxusautoherstellers, aber eben nicht alles. VW hat volle Kontrolle über Audi, daher ist die Zweigstelle in Ingolstadt auch als Tochterunternehmen organisiert, das die Fahrzeugplattformen, Teile und die Technik mit den anderen Unternehmen der VW-Gruppe teilt. Die Finanzergebnisse sind auch Bestandteil der Quartalsberichte von VW. Vorsitzender des Aufsichtsrats von Audi ist VW-Chef Matthias Müller.

In anderen Worten, Audi ist ein Teil von VW und gleichzeitig leistet das Unternehmen einen riesigen Beitrag zum Gewinn von VW: Die Gewinne von Audi machten 2014 mehr als 40 % des operativen Gewinns von VW in Höhe von 12,7 Milliarden EUR aus.

Aber weil Audi technisch gesehen ein öffentlich gehandeltes Unternehmen ist, gibt es auch seinen eigenen Jahresbericht heraus. Dieser Bericht beinhaltet auch die Ergebnisse für Lamborghini und die Motorradmarke Ducati, die als Teil von Audi organisiert sind.

Sehen wir uns das mal genauer an.

Die wichtigsten Zahlen aus dem Jahresbericht

Angaben in EUR.

2015 2014 Veränderung
Umsätze 58420 53787 8,60 %
Ausgelieferte Fahrzeuge: Autos 2.024.881 1.933.517 4,70 %
Ausgelieferte Fahrzeuge: Motorräder 54.809 45.117 21,50 %
Operativer Gewinn (vor Sonderposten) 5134 5150 (0,3 %)
Operativer Gewinn (inklusive Sonderposten) 4836 5150 (6,1 %)
Operative Gewinnmarge 8,30 % 9,60 % 1,30 %
Sonderposten 298  0
Nettogewinn 4297 4428 (3 %)

Was Audi dazu gesagt hat

Trotz des Skandals war es ein ziemlich gutes Jahr für Audi. Die Einnahmen stiegen um 8,6 % auf einen neuen Rekordwert. Das Umsatzwachstum von 3,6 % mag mäßig erscheinen, aber auch das ist ein Rekord, der auf den Rekord von 2014 folgt. Audi gab an, die Umsätze wären letztes Jahr in mehr als 60 Märkten auf der ganzen Welt gestiegen. Die operative Marge von 8,3 % nach Sonderposten liegt etwas unter den 10 % des Konkurrenten Mercedes-Benz, aber es liegt innerhalb des langfristigen Ziels von 8 bis 10 %.

In Zukunft plant Audi mehr als 20 neue oder überarbeitete Modell auf den Markt zu bringen, darunter wichtige Fahrzeuge wie den A4. Das Unternehmen plant auch, dieses Jahr mehr als 3 Milliarden EUR in Elektroautos und neue Technologien zu investieren.

„Wir haben ein Jahr der Herausforderungen erfolgreich gemeistert“ gab Audi-Chef Rupert Stadler in einer Erklärung zu Protokoll. „Wir werden allein 2016 mehr als 3 Milliarden EUR in die Mobilität von morgen investieren und wir werden die Elektrifizierung und Digitalisierung unserer Produkte weiter vorantreiben.“
Was Audi über den Emissionsskandal zu sagen hatte

„Wir bedauern sehr, was passiert ist.“ sagte Stadler und bezog sich dabei auf den Emissionsskandal. „Wir werden volle Transparenz sicherstellen und versichern Ihnen, dass wir die Dinge richtig stellen werden.“

Audi sagte auch, dass die skandalbezogenen Kosten etwa 228 Millionen EUR der Sonderposten von 298 Millionen EUR im letzten Jahr erreicht hätten. (Der Großteil der verbleibenden Summe floss in den Rückruf wegen der Takata-Airbags.)

Audi hat zugegeben, illegale Software in etwa 85.000 Fahrzeuge eingebaut zu haben, die mit dem 3,0-Liter-V6-Dieselmotor ausgestattet waren. Das ist ein kleiner Teil der etwa 11 Millionen Fahrzeuge, die die VW Gruppe weltweit mit der Software ausgeliefert hatte.

(Einige Audis hatten auch die 4-Zylinder VW TDI-Dieselmotoren verbaut, die im Zentrum des Skandals standen, aber Audi meinte, die dadurch entstandenen Kosten würden von VW getragen werden.)

Stadler sagte am Donnerstag noch, er erwarte, die Kosten für die Reparatur der betroffenen Fahrzeuge würde sich im mittleren zweistelligen Millionenbereich bewegen. Er versprach vollständige Transparenz bei den Reparaturen. Audi hatte seinen Rückruf- und Reparaturplan letzten Monat an die amerikanischen Behörden übermittelt.

Unterm Strich: VW wird es deutlich schlechter ergehen

VW hat bereits 6,7 Milliarden EUR aus dem Gewinnen des dritten Quartals genommen, um die Kosten des Skandals zu tragen. VW steckt viel tiefer in diesem Schlamassel steckt, da es den Zorn der Behörden in den USA und dem Rest der Welt aufgrund der Verschleppung auf sich gezogen hat, bevor VW endlich gestanden und die Verantwortung übernommen hat. Daher ist es wahrscheinlich, dass VW auch deutlich höhere Strafen und Probleme bekommen wird.

Es ist auch wahrscheinlich, dass Müller hinter den Kulissen an einer Einigung mit den amerikanischen Behörden arbeitet, bevor der Jahresbericht veröffentlicht werden soll. Das ist aus PR-Sicht sinnvoll.

Der Jahresbericht von Audi gibt uns einen Hinweis darauf, wie VW weiter verfahren wird. Bisher haben sich die Auswirkungen des Skandals auf die Finanzen und den Ruf von Audi in Grenzen gehalten. Aber bei der Verkündung der Jahresergebnisse von VW wird das im April wohl anders aussehen.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von John Rosevear  auf Englisch verfasst und wurde am 06.03.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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