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Billige Daimler, teure Apple – darum sind Aktienmärkte nicht effizient

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An den Wirtschaftsfakultäten wird gelehrt, dass die Märkte vollkommen effizient sind, wenn sich Preise völlig frei entsprechend Angebot und Nachfrage bilden. Das mag für den Fischmarkt in Hamburg zutreffen, bei der viel komplexeren Bewertung von ganzen Unternehmen jedoch keineswegs.

Wer sachliche Analyse und Intuition ausgewogen zusammenbringt stößt regelmäßig auf Aktien, die vom Markt nicht fair bewertet werden. Für Foolishe Investoren ergeben sich so ausgezeichnete Gewinnchancen.

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Was heißt eigentlich „fair bewertet“?

Zunächst benötigen wir eine Idee davon, was es eigentlich bedeutet, dass eine Aktie nicht fair bewertet ist: Letztlich geht es darum, dass du bei der Investition in ein unterbewertetes Unternehmen gute Chancen hast, ab einem gewissen Zeitpunkt in der Zukunft stets mehr Wert in deinem Depot zu haben als mit einer festverzinslichen Anlage mit gleichem Risikoprofil.

Über Letzteres lässt sich natürlich trefflich streiten. Als Daumenregel kann man jedoch bei stabilen Standardwerten einen Wert von rund 5 % über Sparbuchzinsen ansetzen, ein Wert, der in einigen Fällen bereits über die Dividendenrendite erreicht wird. Handelt es sich um ein Unternehmen mit fragiler Marktposition oder Schwächen in der Bilanz, muss der Wert entsprechend höher gewählt werden.

Beispielsweise überlegst du dir, bei Daimler (WKN:710000) einzusteigen. Die Stuttgarter bezahlen rund 3,50 Euro pro Aktie, ein Wert der zukünftig entsprechend der Dividendenpolitik in kleinen Schritten weiter steigen dürfte. Beim aktuellen Kurs von 62,65 Euro (26.2.) ergibt das eine erwartete Rendite von etwa 6 % über die kommenden Jahre, unter der Annahme, dass der Kurs stabil bleibt.

Gehst du wie ich davon aus, dass mittelfristig Kursgewinne zu erwarten sind, dann erscheint Daimler unterbewertet.

Darum gibt es unfair bewertete Aktien

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, Unternehmen zu bewerten: quantitativ oder qualitativ.

Für die quantitative Analyse werden üblicherweise Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (kurz KGV), der Verschuldungsgrad, der freie Cashflow oder die operative Gewinnmarge herangezogen. Indem vergleichbare Unternehmen so gegenübergestellt werden hofft man, vermeintlich unterbewertete Titel identifizieren zu können.

Allerdings liegt bei keiner dieser Kennzahlen eine unternehmensübergreifende Vergleichbarkeit vor. Natürlich kann jede von ihnen gute Hinweise geben und insbesondere die Entwicklung über die Jahre von hohem Interesse sein. Aber letztlich muss immer eine Interpretation erfolgen.

Nehmen wir als Beispiel das KGV, welches den Börsenwert des Unternehmens mit dem Nettogewinn in Beziehung setzt. Hier stellt sich die Frage, welches Bezugsjahr man nehmen soll. Entweder man nimmt die letzte veröffentlichte Zahl oder man verlässt sich auf Schätzungen.

Beides ist nicht unproblematisch: Vergangenheitszahlen sind für den Aktienkurs höchstens ein Orientierungspunkt, da die zukünftigen Dividenden maßgeblich sind. Schätzungen auf der anderen Seite sind wenig zuverlässig, je weiter sie in der Zukunft liegen.

Daneben ist auch zu beachten, dass die Werte in den Bilanzen keineswegs in Stein gemeißelt sind. Für die Buchhalter gibt es zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten, von Rückstellungen und Abschreibungen bis zur Bewertung von immateriellen Gütern.

Noch weiter auseinander gehen die Meinungen bei der qualitativen Bewertung. Hier geht es beispielsweise darum, einzuschätzen, ob das Management-Team fähig ist, das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen, ob der Markteintritt in Indien Erfolg versprechend ist oder ob eine aufwendig entwickelte neue Technologie ein Milliardengeschäft darstellen wird.

Weder Top-Analysten noch die Algorithmen von Supercomputern sind in der Lage, diese Zahlen und Sachverhalte exakt einzuschätzen. Trotzdem könnte man auf die Idee kommen, dass die Gesamtheit der divergierenden Meinungen doch zu einem irgendwie fairen Mittelwert führen müssten: Wer in seiner Analyse auf einen höheren fairen Wert kommt kauft und die anderen verkaufen, bis es beim Kurs zu einem Ausgleich kommt.

Aber genau hier liegt der springende Punkt: Die wenigsten Anleger haben die Feuerkraft, um so lange zu kaufen, bis der Kurs sich dem angenommenen fairen Wert nähert.

Angenommen, du findest das neue Management eines bestimmten Unternehmens nach einem Interview absolut überzeugend, siehst neue Anwendungsmöglichkeiten einer kürzlich vorgestellten Technologie und erkennst ein besonderes Synergiepotenzial der Übernahme vom letzten Jahr. Du schaust dir die Kennzahlen an und kommst zum Schluss, dass das Unternehmen eigentlich mindestens 50 % mehr wert sein sollte.

Also investierst du 2.000 Euro und wartest darauf, dass auch die anderen Anleger in Zukunft zu ähnlichen Schlüssen kommen. Wenn deine Einschätzungen sich als einigermaßen zutreffend erweisen, dann war die Aktie unterbewertet und du kannst mit einer ansehnlichen Rendite weit über der angemessenen Risikoprämie rechnen.

Hier liegen die Chancen für Fools

Gerade die großen Akteure an den Aktienmärkten sind häufig sehr fixiert auf Quartalszahlen, irgendwelche Stichworte und den Ausblick für das laufende Fiskaljahr. Bei Abweichungen von den Erwartungen werden die Kurse dann hochgejazzt oder runtergeprügelt, oft ohne den Kontext ausreichend zu berücksichtigen.

Als Foolishe Investoren lassen wir uns jedoch nicht vom kurzfristigen Lärm beeindrucken. Für uns ist eine ganzheitliche Perspektive von 3,5 oder sogar 10 Jahren maßgeblich. Wenn wir von der grundsätzlichen Strategie eines Unternehmens, den Produkten und der Innovationskraft überzeugt sind, dann sind kurzfristig getriebene Situationen oft ausgezeichnete Kaufgelegenheiten.

Dies gilt natürlich auch in die andere Richtung: Wenn wir zur Überzeugung gelangen, dass Apple (WKN:865985) oder der Google-Konzern Alphabet (WKN:A14Y6F) ihr fantastisch hohes Gewinn-Niveau nicht ewig halten können, dann ist es eine gute Idee, auf sinkende Kurse zu setzen und denjenigen, die den aktuellen Trend einfach stur in die Zukunft fortschreiben, möglicherweise ein Schnippchen zu schlagen.

Fakt ist, dass wir mit gesundem Sachverstand und guter Intuition regelmäßig unfair bewertete Aktien identifizieren können. Ein erster Schritt hierfür ist, zu lernen, die wichtigsten Kennzahlen richtig zu interpretieren.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. Suzanne Frey ist Führungskraft bei Alphabet und Mitglied des Vorstands von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Alphabet (A-Aktien) und Apple.

 

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