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Top-Deals KW 9: Deutsche Börse – heikel aber aussichtsreich, Ingram Micro – überraschend, Siemens Wind – Weltklasse

Bild: Nordex SE

Ein schwieriges Marktumfeld verbunden mit billigem Geld sind ausgezeichnete Zutaten für Fusionsaktivitäten. Vielfältige Deals können derzeit beobachtet werden: Chinesen schnappen sich den weltgrößten Elektronikdistributor, die Windkraftbranche konsolidiert spektakulär und bei den Börsen entsteht ein Gigant.

Die Deutsche Börse (WKN:581005) will es diesmal richtig machen

Nach diversen erfolglosen Versuchen, einen Zusammenschluss mit einer anderen großen Börse zu realisieren, scheint es nun endlich mit der London Stock Exchange (WKN:A0JEJF) zu gelingen. Unter dem Eindruck der Brexit-Debatte sind die Engländer offenbar eher gewillt, unter ein Festland-Dach zu schlüpfen, zumal der Sitz der neuen Gruppe London sein soll.

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Aber wie immer bei solch heiklen Deals gibt es auch dieses Mal wieder erheblichen Widerstand von diversen Seiten. Für den Express schreibt Geoff Ho, dass dies im Leben kein Zusammenschluss auf Augenhöhe sei. Die Deutschen würden die Stimmmehrheit von 54,4 % haben und letztlich den gesamten Business-Standort London nach Deutschland ziehen, die stolze Börse der City würde zu einer Regionalveranstaltung degradiert.

Ich glaube kaum, dass es so schlimm kommen wird. Mehrere Beispiele aus der Automobilbranche zeigen, dass deutsch-englische Zusammenschlüsse außergewöhnliche Ergebnisse hervorbringen können. Da zudem bei Börsen, ähnlich wie bei sozialen Netzwerken, der Nutzen für alle Beteiligten mit zunehmender Größe steigt, sehe ich den Deal grundsätzlich positiv.

Gemeinsam würden sich die beiden an die weltweite Spitze katapultieren, wenn der Deal erlaubt wird. Die EU-Kommission stellte sich 2012 gegen eine Fusion mit der damaligen NYSE Euronext. Hier ist aber davon auszugehen, dass die Verantwortlichen bei der Deutschen Börse daraus gelernt haben.

Interessante Entwicklungen sind weiterhin in der Windkraft-Branche zu verzeichnen

Beim Zusammengehen von General Electric (WKN:851144) und Alstom wird es jetzt ernst. In Europa sollen 6500 Stellen gestrichen werden und der Hauptsitz der GE-Sparte Erneuerbare Energien wird von Schenectady (USA) nach Paris verlegt. Letzteres haben die Franzosen bei den Fusionsverhandlungen durchgesetzt. Noch unklar ist, was sich beim bisherigen Europahauptsitz und wichtigen Windturbinen-Fertigungsstandort Salzbergen ändern wird.

Durch ein neu gebildetes Joint Venture mit Alstom Transport (WKN:A0F7BK) hat GE nun auch einen Fuß im Offshore-Markt, der bisher von Siemens (WKN:723610), dem 2014 gegründeten Joint Venture MHI-Vestas Offshore und Senvion dominiert wurde. Zuvor haben die Amerikaner das investitionsintensive Geschäft auf dem offenen Meer gescheut.

Wie erwartet nutzt Centerbridge, der Eigentümer von Senvion, das derzeit positive Umfeld, um Kasse zu machen. Ein Börsengang wird noch für das 1. Halbjahr 2016 vorbereitet. Gut möglich, dass in dessen Folge auch ein Zusammengehen mit einem Wettbewerber forciert wird.

Da Senvion bereits Erfahrung mit dem wichtigen Markt in Indien hat, könnte die Übernahme eines lokalen Herstellers wie Inox Wind (ISIN:INE066P01011) in Frage kommen. Immerhin wurde im Februar bereits eine indische Tochtergesellschaft gegründet.

Die europäischen Kandidaten gehen jedenfalls langsam aus, nachdem Nordex (WKN:A0D655) mit der Windsparte von Acciona (WKN:865629) fusioniert und Siemens derzeit auslotet, ob eine Integration mit der ebenfalls spanischen Gamesa (WKN:A0B5Z8) möglich ist.

Wahrscheinlicher als eine kreditfinanzierte Komplettübernahme erscheint ein Gemeinschaftsunternehmen, in das Siemens seine Windkraftsparte einbringt. Mit einer Gewinnsteigerung von 85 % haben sich die Iberer in eine gute Verhandlungsposition gebracht. Vestas (WKN:913769) hat allerdings zwischenzeitlich deutlich gemacht, dass sie nicht in das Geschehen eingreifen möchte.

Im Umbruch ist auch die Branche der Elektronik-Großhändler

Auch in dieser Woche gibt es eine von China ausgehende Großübernahme zu melden: Tianjin Tianhai Investment, eine Tochter der diversifizierten HNA Group, übernimmt den weltweit führenden Großhändler für geschäftliche Elektronik und IT Ingram Micro (WKN:903027) mit Sitz in Kalifornien. Der Kurs des auch in der deutschsprachigen Region erfolgreichen Konzerns sprang von rund 28 auf etwa 36 Dollar.

Als Schnittstelle zwischen Herstellern, Wiederverkäufern und Einzelhändlern geht das Lösungsangebot heute im Zuge der Digitalisierung weit über das ursprüngliche Kataloggeschäft hinaus. Software, Cloud-basierte Online-Dienste und eine tiefe Integration in die weltweiten Lieferketten spielen eine immer größere Rolle.

Gerade deshalb ergibt die Übernahme für HNA Sinn: Bisher ist für die große Mehrheit der chinesischen Hersteller am Containerhafen von Shanghai oder Hong-Kong Schluss in der Lieferkette. Danach übernehmen die globalen Logistiker und Großhändler mit Sitz in Europa oder Amerika. Know-how wie das von Ingram Micro kann entscheidend sein, um den Wertschöpfungsanteil Chinas zukünftig zu erhöhen.

Auch die deutsch-schweizerische ALSO Holding (WKN:A0JJW1) konnte in den letzten Jahren über die regelmäßige Integration kleinerer europäischer Wettbewerber und Technologieunternehmen stark expandieren, zuletzt im Sommer 2015 in Polen.

Die gute Geschäftsentwicklung und die führende Marktposition in vielen europäischen Märkten erlaubt möglicherweise in Zukunft auch eine Großakquisition, etwa um das Cloud-Angebot weiter zu stärken.

Fazit

Es ist schwierig, vorauszusagen, was als nächstes für chinesische Investoren von Interesse sein könnte, da das Spektrum von Saatgutherstellern und Müllverbrennern über Maschinenbauer und Halbleiterunternehmen bis hin zu Logistikern reicht. Trotzdem ist dies ein Faktor, den man bei der Aktienauswahl im Auge behalten kann. Jedenfalls sind die Asiaten darauf aus, das billige Geld zu nutzen, um die globale Aufstellung zu verbessern.

Auch bei den Börsenplätzen dürften nun schon bald weitere Deals anstehen. Vielleicht klopft ja bald Hong-Kong oder Shanghai bei der in Amsterdam ansässigen Euronext (WKN:A115MJ) an. Die globalen Entwicklungen bleiben spannend und eröffnen immer wieder aussichtsreiche Gelegenheiten.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool besitzt Aktien der General Electric Company.

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