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Von Siemens mobile, NSN und FSC bis Osram und Infineon – schau bei Siemens-Abkömmlingen genau hin

Jupiter Wirbel
Quelle: ESA

Kaum ein anderer Konzern weltweit kauft und verkauft Unternehmen und Geschäftsbereiche so aktiv wie Siemens (WKN:723610). In fast allen Branchen finden sich heute Unternehmen, die in irgendeiner Weise Siemens-DNA in sich tragen. Lass uns deshalb der Frage nachgehen, wo es sich lohnen könnte, auf Unternehmen im erweiterten Siemens-Universum zu setzen.

So funktioniert die Siemens-Maschine

Siemens versteht sich als lebender Organismus, der sich regelmäßig über Zu- und Verkäufe erneuert und den kommenden Herausforderungen anpasst. Die Motivation beim Kaufen war dabei über die letzten Jahrzehnte sehr unterschiedlich.

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Noch vor 10 Jahren ging es primär darum, identifizierte Zukunftsthemen wie zum Beispiel Wasser oder Erneuerbare Energien mit einem breiten Lösungsspektrum zu besetzen. Heute konzentriert man sich darauf, Unternehmen zu finden, die von den neu definierten Kernkompetenzen direkt profitieren.

Entsprechend werden auch bestehende Geschäftsbereiche laufend neu bewertet. Frühere Zukunftssegmente gehörten dann gegebenenfalls plötzlich nicht mehr zum Kerngeschäft und werden aussortiert.

Letztlich lassen sich drei Hauptmotive für einen Verkauf identifizieren:

  1. Zu produktlastig
  2. Profitiert nicht vom Konzernverbund
  3. Verlustträchtig

So kategorisiert lässt sich leichter entscheiden, wo im Siemens-Universum die Perlen und wo die Nieten versteckt sind.

Zu produktlastig

Ende der 90er-Jahre kam das Management zur Überzeugung, dass mit einfachen Komponenten und Standardprodukten kaum mehr Profite erwirtschaftet werden können. Um die Ertragskraft zu steigern wollte man sich zum Lösungsanbieter entwickeln, stärker auf Engineering und Services setzen. Folglich entstand gleich eine ganze Reihe neuer Unternehmen.

Aus dem Halbleiterbereich wurde 1999 Infineon (WKN:623100), ein Unternehmen, das infolge der Dotcom-Blase fast in die Pleite geschlittert wäre. Erst nach umfangreichen Restrukturierungen steht Infineon heute wieder gut da.

Besser erging es den Passiven Bauelementen, die unter Epcos firmierten. Sie entwickelten sich stabil und fanden 2006 bei der japanischen TDK (WKN:857032) Unterschlupf. Beim Anfang des Jahres mit Qualcomm (WKN:883121) gegründeten Milliarden-schweren Jointventure RF360 spielt der Standort München eine Hauptrolle.

Direkt verkauft wurden 1999 die Elektromechanische Komponenten. Tyco nutzte die Chance und hat sich seither selbst in mehrere Unternehmen aufgespalten. Unter dem Namen TE Connectivity (WKN:A0RP04) entstand so ein neuer Konzern, der viel Siemens-DNA in sich trägt und nach guter Entwicklung nun hervorragend aufgestellt ist, um von Themen wie dem Internet der Dinge oder der zunehmenden Elektrifizierung von Fahrzeugen zu profitieren.

Profitiert nicht vom Konzernverbund

Im großen Projektgeschäft ist es von Vorteil, einen starken Konzern mit eigenem Finanzierungsarm und einer vielseitigen Ingenieursmannschaft im Rücken zu haben. Manche Bereiche haben davon jedoch wenig. Für sie sind die Konzernstrukturen eher ein starres Korsett.

Bei einer Reihe von Sparten hat das Management daher entschieden, dass man sie besser in die Unabhängigkeit entlässt oder aber mit einem besser passenden Mitbewerber verschmelzt.

Hierzu gehören Traditionsbereiche wie die Geldautomaten der Wincor Nixdorf (WKN:A0CAYB), die heute auf den Namen Sivantos hörenden Hörgeräte und die Haushaltsgeräte des früheren Jointventures mit Bosch genauso wie die Leuchtmittel von Osram (WKN:LED400).

Hinzu kommen Fälle wie die bei der Mannesmann-Zerschlagung 2001 zugefallene VDO mit ihren mechatronischen Automobil-Technologien. VDO wurde 2007 für einen stolzen Preis von 11,4 Mrd. EUR an Continental (WKN:543900) weitergereicht. Schon bald darauf begann die epische Übernahmeschlacht mit Schaeffler (WKN:SHA015) und dann schlug die Finanzkrise zu. Heute profitiert Continental jedoch aus meiner Sicht vom VDO-Beitrag zu seinem technologisch führenden Portfolio.

Auch Geschäfte wie etwa die Wasseraufbereitung, Stahlhütten-Ausrüstung, Krankenhaus-IT oder Mikrobiologie kamen über Akquisitionen in den Konzern, ohne jemals dort heimisch zu werden. Viele davon prosperieren nun unter ihren jeweils neuen Eigentümern.

Verlustträchtig

Hierin fallen vor allem die Aktivitäten im Bereich IT und Kommunikation, wo sich Siemens immer schwerer tat, gegen die globale Konkurrenz alleine zu bestehen.

Ab 2002 versuchte man sich einige Jahre als Trikot-Sponsor von Real Madrid, im nachhinein eher als Verzweiflungstat zu bewerten, um der Handysparte vermeintliche Geltung zu verschaffen. Die Verluste waren nicht aufzuhalten und 2005 wurde mit BenQ (WKN:578008) ein Käufer präsentiert. Besser wie die Münchner konnten es die Taiwaner aber leider auch nicht, sodass schon bald Insolvenz angemeldet wurde.

Das schwierige PC-Geschäft wurde zunächst in ein Jointventure mit Fujitsu (WKN:855182) eingebracht und 2009 ganz verkauft, ähnlich wie die Telekommunikationsinfrastrukturtechnik, welche mit derjenigen von Nokia (WKN:870737) zusammengelegt wurde. Bei der Veräußerung der Schnurlostelefone an einen Investor nahm Siemens einen Verlust in Kauf. Alle drei Deals entwickelten sich zunächst durchwachsen.

Ein großer Teil der beratungslastigen Informations- und Kommunikationstechnik ging 2011 für relativ wenig Geld an die damals noch kleinere Atos (WKN:877757), welche seither stark expandieren konnte. Weniger gut verlief es für den IT-Bereich Sinitec der 2005 an A&O verkauft wurde, ein Unternehmen, das sich daran verhoben hatte und 2007 pleite ging.

Fazit

Auffällig ist, dass Siemens sowohl vor dem Dotcom-Crash 2001, vor der Finanzkrise 2008 als auch Anfang 2015 Unternehmen zu Höchstpreisen losschlagen konnte, was natürlich für die jeweiligen Käufer und deren Investoren zunächst negative Auswirkungen hatte.

Was fast nie funktioniert ist, strauchelnde Geschäfte Unternehmen zu überlassen, die kleiner als der jeweils übernommene Bereich sind. In solchen Fällen sollten wir uns keine Illusionen machen, dass das neue Management Wunderdinge vollbringen könnte. Lediglich bei Atos lief es relativ gut, weil Siemens als Großkunde und Aktionär an Bord blieb.

Davon abgesehen bin ich zum Schluss gekommen, dass es am besten sein könnte, Transaktionen mit Siemens als Verkäufer erst einmal einige Jahre zu beobachten. Wenn die Integration oder Neuausrichtung gelingt und etwaige Konjunkturkrisen überstanden sind, profitieren viele der neuen Einheiten von den Siemens-Genen. Zuvor kommt es jedoch regelmäßig zu unschönen Turbulenzen.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Qualcomm.

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