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Procter & Gamble oder Nestlé, wer ist König der starken Marken?

Quelle: Melanie Brantl

Starke Marken gepaart mit einer jahrzehntelangen Dividendenhistorie, ohne dass Investoren in dieser Zeit eine Reduzierung der Ausschüttung in Kauf nehmen mussten, – das ist eine Mischung, nach der langfristig orientierte Anleger oftmals suchen. Und fündig werden sie auf jeden Fall bei Procter & Gamble (WKN:852062) und Nestlé (WKN:A0Q4DC).

P&G bietet seinen Aktionären aktuell eine Dividendenrendite von 3,3 % und hat diese seit 1956 jedes Jahr erhöht, mit Nestlé-Aktien erzielen die Anleger eine Rendite von derzeit 3,1 % (Stand: 19.02.2016). Die Schweizer werden dieses Jahr zum 21ten Mal in Folge mehr ausschütten als im Jahr zuvor.

Außerdem sind beide bekannt für ihre namhaften Marken, P&G zum Beispiel für Ariel oder Pampers, Nestlé unter anderem für KitKat oder Maggi. Doch welcher der beiden Dividendenaristokraten ist das attraktivere Investment? Um diese Frage zu beantworten, habe ich einen Blick auf die Zahlenwerke der beiden Konzerne geworfen.

Fundamentale Kennzahlen

Und ein Blick darauf verrät uns, dass beide zu Recht den Ruf einer Qualitätsaktie haben, aktuell aber nicht zum Schnäppchenpreis zu bekommen sind.

Eigenkapitalrendite Eigenkapitalquote EBIT-Marge KGV KBV
Procter & Gamble               13,4 %            65,7 %     19,5 % 24,9  3,4
Nestlé               24,0 %            71,5 %     15,8 % 15,9  3,7

Quelle: S&P Capital IQ; KGV und KBV Stand 26.01.2016

Die Eigenkapitalrendite sagt aus, mit wieviel Prozent sich das Eigenkapital einer Firma durch ihren Gewinn verzinst. Im Auge zu behalten ist hierbei aber immer die Eigenkapitalquote, denn durch mehr Fremdkapital könnte man den Gewinn erhöhen, die Rendite würde bei gleichem Eigenkapital somit steigen.

Jedoch kann das zu einer überhöhten Verschuldung des Unternehmens führen, was in der Regel nicht im Sinne von uns Foolishen Anlegern ist.

Sowohl P&G als auch Nestlé sind ordentlich mit Eigenkapital ausgestattet, die Eigenkapitalrenditen können wir also getrost zur Bewertung heranziehen. Und hier kann Nestlé glänzen, die 24,0 % sind ein wirklich starker Wert, der zeigt, wie effektiv die Schweizer ihr Kapital einsetzten.

Die nächste Kennzahl, die etwas über die Profitabilität eines Unternehmens aussagt, ist die EBIT-Marge. Das Verhältnis von Ergebnis vor Steuern und Zinsen zum Umsatz spricht für den Pampers-Hersteller aus den USA. Von 100 Euro Umsatz bleiben bei P&G 19,50 Euro als Gewinn hängen, während es bei Nestlé nur 15,80 Euro sind.

Dieser Wert zeigt, dass Produkte wie Gillette Rasierer, Oral-B Zahnbürsten oder Lenor Weichspüler bei Kunden so beliebt sind, dass diese bereit sind, einen hohen Preis für diese Artikel zu bezahlen. Hohe EBIT-Margen sind oftmals ein Zeichen für besonders starke Marken, Apple ist hier ein gutes Beispiel.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) sollen zeigen, wie das Unternehmen an der Börse aktuell bewertet ist, also ob du ein Schnäppchen machen kannst oder ob die Aktie sehr teuer ist.

Dass es sich bei beiden nicht gerade um ein Schnäppchen handelt, erkennt man am KBV. Dieses sagt sowohl bei P&G als auch bei Nestlé aus, dass sie aktuell mit mehr als dem Dreifachen ihres Buchwertes, das sind Vermögenswerte wie zum Beispiel das Eigenkapital, Maschinen, Immobilien oder Lagerhallen, an der Börse gehandelt werden. Ein KBV, das kleiner als eins ist, könnte auf ein Schnäppchen hindeuten.

Das KBV ist also bei beiden fast identisch, darum lass uns einen Blick auf das KGV werfen, hier unterscheiden sich die Werte von P&G und Nestlé deutlich. Aber was genau sagt das KGV eigentlich aus?

Beim KGV wird der Kurs im Verhältnis zum Gewinn betrachtet. Diese Kennzahl sollte man – wie das KBV übrigens auch – nur zum Vergleich zweier Unternehmen aus einer ähnlichen Branche verwenden. Da sowohl P&G als auch Nestlé im Bereich der Basiskonsumgüter tätig sind, macht ein Vergleich meiner Meinung nach Sinn.

Sofort fällt auf, dass P&G ein sehr hohes KGV von fast 25 hat, Nestlé hingegen nur knapp 16. Der Gewinn pro Aktie brach bei den Amerikanern von 2014 auf 2015 um knapp 40 % ein, die Ursachen waren unter anderem Währungsschwankungen, Restrukturierungskosten und Einmalbelastungen.

Ich erwarte, dass diese Sondereffekte in den nächsten Jahren das Ergebnis weit weniger belasten werden, als sie das 2015 getan haben. Eine Rückkehr des EBITs in Regionen, die in den Jahren 2011 – 2014 erreicht wurden, ist in meinen Augen also absolut realistisch.

Und das sieht auch die Börse so, es wird erwartet, dass P&G zu alter Ertragsstärke zurückkehrt. Diese Erwartung ist im aktuellen Kurs eingepreist, was das hohe KGV zum Ausdruck bringt. Für mich bietet diese Erwartungshaltung zwar mehr Potential für kurzfristige Enttäuschungen, als das beim 16er KGV von Nestlé der Fall ist, als langfristiger Investor, der an die Stärke von P&G glaubt, schreckt mich das aber nicht ab.

Darum halte ich Nestlé zwar aktuell für das günstigere Unternehmen, denke aber, dass man sich vom hohen KGV bei P&G nicht abschrecken lassen sollte, insbesondere wenn man langfristig denkt, wie wir Fools das tun.

Wer ist nun der König der Marken?

Betrachtet man nur das Zahlenwerk, so würde ich aufgrund der exzellenten Eigenkapitalrendite und der aktuell günstigeren Bewertung Nestlé dem amerikanischen Markenriesen Procter & Gamble vorziehen. Doch wie bereits erwähnt, sollte man sich vom hohen KGV des Pampers-Produzenten nicht blenden lassen, eine Rückkehr zu alter Ertragsstärke ist den Amerikanern nämlich definitiv zuzutrauen.

Und wenn das gelingt, dann sieht die Sache mit dem KGV auch gleich wieder anders aus. Zusätzlich hat P&G einige Vorzüge zu bieten. Beispielsweise befinden sich die Procter & Gamble-Marken Gillette (Rang 22) und Pampers (Rang 28) im Best Global Brands Ranking von Interbrand, einem Ranking der wertvollsten Marken, deutlich vor der ersten Nestlé-Marke Nescafé (Rang 36).

So haben beide Unternehmen ihre Stärken und es fällt mir daher zusammenfassend betrachtet recht schwer, eines der beiden als König der Marken zu küren. Ich würde daher beide ganz oben auf das Podest stellen, weil sich jedes in seinen jeweiligen Segmenten außergewöhnlich starke Marken geschaffen hat.

Ein Wettbewerbsvorteil, von dem beide Unternehmen und deren Investoren noch lange profitieren könnten.

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Thomas Brantl besitzt Aktien von Apple, Nestlé und Procter & Gamble. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Apple. The Motley Fool empfiehlt Procter & Gamble.

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