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3 Dinge, die sich bei VW ändern müssen, damit ich die Aktie interessant finde

Quelle: pixabay, MaThoPa

Über Volkswagen (WKN:766403) redet seit September 2015 die ganze Republik, egal ob im Büro, am Stammtisch oder beim Abendessen, der Wolfsburger Traditionskonzern ist in aller Munde. Der Hintergrund ist leider ein recht unschöner, nämlich die Manipulation von Abgaswerten bei Dieselfahrzeugen im großen Stil.

Selbstverständlich geht das auch an der Aktie nicht spurlos vorbei, zeitweise verloren die Papiere mehr als 60 %. Ist Volkswagen damit eine Qualitätsaktie zum Schnäppchenpreis? Ich sage: Wenn sich drei Dinge ändern, dann würde ich VW tatsächlich interessant finden.

Die Marken im Bereich PKW

Bevor ich auf diese drei Dinge eingehe, lass uns einen Blick auf die Marken des Volkswagenkonzerns werfen. Die sind es nämlich, die das Unternehmen für mich als Investor interessant machen.

     Fahrzeugabsatz operatives Ergebnis pro Fahrzeug operative Marge
Volkswagen           4.583.000                          540 Euro           2,5 %
Audi (WKN:675700)           1.444.000                       3.566 Euro           9,6 %
Skoda              796.000                       1.026 Euro           6,9 %
SEAT              501.000                       – 253 Euro        – 1,6 %
Bentley                11.000                     15.455 Euro           9,7 %

Quelle: Geschäftsbericht Volkswagen AG 2014 (ohne Porsche, Bugatti und Lamborghini)

Nun aber zu den Änderungen, die passieren müssten, damit ich eventuell eine Investition in die Wolfsburger in Betracht ziehe.

Änderung 1: Die Kernmarke soll den Kunden emotional ansprechen

Die Kernmarke Volkswagen PKW verkaufte mit großem Abstand die meisten Fahrzeuge im Konzern, nämlich über 4,5 Millionen. Dabei erwirtschafteten die Wolfsburger aber eine magere Rendite von lediglich 2,5 %. Nur wenn die Marge der Kernmarke deutlich höher wäre, würde ich überlegen, in VW zu investieren. Aber woran könnte die niedrige Profitabilität liegen?

Ein Mercedes (WKN:710000) steht für Eleganz und Komfort, ein BMW (WKN:519000) für Sportlichkeit und Dynamik, ein Audi für fortschrittliche Technik und Hochwertigkeit. Das ist kein Insiderwissen, sondern das weltweit bekannte Image dieser Premiumhersteller. Doch wofür steht Volkswagen?

Will man mit den oben genannten Premiumherstellern ernsthaft konkurrieren, muss VW sich eine Identität schaffen, die diese Fragen beim Kunden erst gar nicht aufkommen lässt, es muss klar sein, wofür ein Volkswagen steht. Nur so kann VW meiner Ansicht nach ähnlich hohe Preise wie Daimler, BMW oder Audi durchsetzen, welche die Kernmarke Volkswagen PKW profitabler machen.

Der Grund, warum das Image eines Autos einen so wichtigen Punkt für die Kaufentscheidung des Kunden darstellt, ist, dass diese auf der emotionalen Ebene getroffen wird. Was denkt mein Nachbar über dieses Auto, was meine Kollegen? Wie wirke ich damit auf Passanten, wenn ich es fahre? Wird es mir so viel Freude machen, dass ich es am liebsten gar nicht mehr in der Garage abstellen möchte?

Beantwortet der Kunde all diese Fragen für sich positiv, wird es ihn nicht stören, für das Fahrzeug etwas mehr zu bezahlen. Und genau das fehlt mir bei Autos von Volkswagen, als potentieller Kunde und als potentieller Aktionär. Gelingt es VW aber, eine starke Identität für seine Kernmarke zu schaffen und dadurch die Margen zu erhöhen, wäre Volkswagen schon ein gutes Stück interessanter für mich.

Änderung 2: Die strategische Zielsetzung sollte sich ändern

Mit unserem Streben nach Innovation, Perfektion und verantwortungsvollem Handeln wollen wir bis 2018 an der Spitze der Automobilindustrie stehen – ökonomisch und ökologisch.

Dieses Zitat stammt von Martin Winterkorn, der bis September Vorstandsvorsitzender bei Volkswagen war, im Zuge des Abgasskandals aber zurücktreten musste. Es scheint, als wäre es das oberstes Ziel, die Nummer eins in der Automobilbranche zu werden.

Als potentieller Aktionär kann ich mich mit dieser Zielsetzung aber nicht anfreunden. Für den langfristigen Erfolg ist es für mich absolut unbedeutend, ob Volkswagen nun ein paar Autos mehr oder weniger als Toyota verkauft hat.

Kundentreue, technologischer Vorsprung, starke Marken oder andere Wettbewerbsvorteile sind es, die Unternehmen dabei helfen, langfristig erfolgreich zu sein. Und so sollte man dann auch seine Unternehmensziele formulieren. Zumindest sehe ich das so.

Schaut man sich zum Beispiel den Geschäftsbericht 2014 von BMW an, so fallen gleich auf der ersten Seite folgende Schlagworte:

innovativ – erfolgreich – nachhaltig – profitabel – vorrausschauend

Als Foolisher Investor kann ich mich mit solch einer Zielsetzung wesentlich besser identifizieren, als mit dem rein prestigeträchtigen Ziel, die Nummer 1 im Automobilsektor zu werden. Die zweite Sache, die VW in meinen Augen also ändern müsste, sind die Unternehmensziele.

Änderung 3: Trennung der Verluste bringenden Marke SEAT

Kaufst du dir Volkswagen-Aktien, kaufst du automatisch auch SEAT mit. Der spanische Autobauer gehört seit 1986 zum VW-Konzern, beschert den Wolfsburgern aber seit mehreren Jahren nur Verluste und senkt damit die Profitabilität des Gesamtkonzerns.

Würde SEAT als Aktiengesellschaft an der Börse gelistet sein, ich bin mir sicher, kein langfristig orientierter Anleger würde auch nur eine Sekunde darüber nachdenken, sich den spanischen Autobauer ins Depot zu legen. Und genauso wenig möchte ich SEAT indirekt über Volkswagen in meinem Portfolio haben.

Ein Verkauf von SEAT wäre für mich daher der dritte Schritt, um VW als potentielle Anlage für mich interessant zu machen. Neben dem Wegfall des defizitären Geschäftsbereiches sehe ich sogar noch einen weiteren positiven Effekt.

So könnte VW die finanziellen Mittel gut gebrauchen, die ein Verkauf einbringen würde. Sei es für die Folgekosten des Abgasskandals oder wichtige Entwicklungen im Bereich Elektroantrieb oder dem autonomen Fahren. Für das Unternehmen ist es enorm wichtig, bei diesen zukünftigen Schlüsseltechnologien nicht den Anschluss zu verlieren.

Wird Volkswagen diese Dinge ändern?

Ob Volkswagen diese drei Dinge wirklich ändern möchte, weiß ich natürlich nicht. Ich habe einige Interviews mit dem neuen CEO Matthias Müller gelesen und dabei durchaus das Gefühl bekommen, dass er bei den Punkten eins und zwei ebenfalls Handlungsbedarf sieht.

Ob dies in einem so großen Konzern umzusetzen ist, bleibt abzuwarten. Gelingt es aber, ist Volkswagen zum aktuellen Preis ein Schnäppchen, gelingt es nicht, gibt es in meinen Augen interessantere Unternehmen im Automobilsektor, auch wenn diese vielleicht nicht so günstig zu bekommen sind.

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Thomas Brantl besitzt Aktien von BMW. The Motley Fool empfiehlt BMW.

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