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Top-Deals KW7: Dell-EMC – Hängepartie, Vonovia – verrechnet, Fujitsu – Zugzwang, Wincor Nixdorf – Asienangst

Quelle: Wincor Nixdorf

Die Motive für Akquisitionen sind unterschiedliche. Oft geht es darum, in neue Technologien oder Regionen vorzustoßen. In dieser Ausgabe des Fusions-Monitors geht es jedoch meist eher darum, in reifen Märkten größere Einheiten zu schaffen, um die Profitabilität abzusichern und gemeinsam eine neue Richtung einschlagen zu können. Mit Servern, PCs und Bankautomaten drehen sich gleich mehrere aktuelle Deals rund um die Computertechnik.

Der Kampf um die Datenzentren geht in die nächste Runde

Eine der spektakulärsten Übernahmeankündigungen 2015 war für mich das Zusammengehen von Computerhersteller Dell und dem Netzwerkspeichergiganten EMC Corp. (WKN:872526), nachdem ein Jahr zuvor das Geschäft mit Standard-Servern von IBM (WKN:851399) an die chinesische Lenovo verkauft wurde. Gleichzeitig hat HP im November die Unternehmenskunden-Einheit vom klassischen PC- und Drucker-Geschäft abgespalten.

Die Finanzierung der 67 Milliarden Dollar schweren EMC-Übernahme ist jedoch noch gar nicht zu 100 % gesichert. Dell muss für die komplexe und teure Transaktion 45 Milliarden auftreiben, und die geldgebenden Banken stellen anscheinend Bedingungen für die Ausbezahlung entsprechender Mittel.

Unter anderem soll die IT-Dienstleistungstochter Perot Systems verkauft werden und rund 5 Mrd. USD einbringen. Vor allem die japanische NTT Data (WKN:895009) soll starkes Interesse haben, aber auch weitere Unternehmen werden mit dem Deal in Verbindung gebracht.

Darunter die französische Atos (WKN:877757), die mit der Übernahme des Rechenzentrums-Ausrüsters Bull aus dem Jahr 2014 und weiteren größeren Akquisitionen einen bedeutenden Wettbewerber im Bereich der Unternehmens-IT geschaffen hat.

Auf alle Fälle kommen die zuvor jahrelang verfestigten Strukturen in Bewegung. Software übernimmt immer mehr Funktionen, die früher durch die Hardware festgelegt wurden. Um hier die Standards definieren und starke Partner um sich scharen zu können, ist Größe ein wichtiges Erfolgskriterium.

Die japanische Fujitsu (WKN:855182), welche weiterhin in Deutschland eine bedeutende Hardware-Fertigung betreibt, hat sich bislang eher mit kleineren Akquisitionen verstärkt, um im Geschäft rund um das Cloud Computing ein Wörtchen mitreden zu können.

Steht Fujitsu vor einem großen Konzernumbau?

Es würde mich aber nicht wundern, wenn der Konzern bei den aktuell zurückgegangenen Preisen größer zuschlagen würde.

Beispielsweise könnte der Netzwerkausrüster Juniper Networks (WKN:923889) einen starken Partner gut gebrauchen, nachdem Ericsson (WKN:850001) mit Konkurrent Cisco (WKN:878841) eine weitreichende strategische Kooperation eingegangen ist und Nokia (WKN:870737) aktuell mit Alcatel-Lucent (WKN:873102) fusioniert.

Alternativ könnte mit einer Akquisition des langjährigen Fujitsu-Partners und EMC-Rivalen NetApp (WKN:A0NHKR) der Schachzug von Dell imitiert werden.

Für einen solchen Schritt spricht auch die kürzliche Ankündigung der Vaio-Eigentümer, mit den PC-Sparten von Toshiba (WKN:853676) und Fujitsu einen japanischen Spieler zu schmieden, der es wieder mit den weltweit größten Computerherstellern aufnehmen kann.

Die Konsolidierung ist notwendig, weil der PC-Markt schrumpft und seit Jahren, wenn überhaupt, kaum noch Gewinne abwirft. Für Fujitsu würde das bedeuten, dass mehr Mittel für den Ausbau des Enterprise-Geschäfts zur Verfügung stünden.

Auch beim Thema Geldautomaten ist Konsolidierung angesagt

Lange Jahre wurde der Markt für Geldautomaten von den Großen 3 NCR Corp (WKN:919692), Diebold (WKN:856244) und Wincor Nixdorf (WKN:A0CAYB) dominiert. Mittlerweile kommen jedoch Wettbewerber aus Japan, Korea und China immer stärker auf. Im wichtigen asiatischen Markt kommen die drei oft nicht mehr zum Zug.

Entsprechend richten sie sich neu aus, setzen verstärkt auf Software und Services sowie Lösungen für den Handel und andere Branchen. Diebold und Wincor Nixddorf wollen diesen Weg nun gemeinsam gehen und NCR überflügeln, was vor dem Hintergrund der asiatischen Herausforderung durchaus Sinn ergibt.

Gegen den Trend soll der gemeinsame Hauptsitz in den USA liegen – aber Deutschland ist natürlich auch kein Steuerparadies wie Irland. Geboten werden 38,98 EUR in bar sowie 0,434 Stammaktien von Diebold je Aktie von Wincor Nixdorf. Die Verantwortlichen der Paderborner bezeichneten dies am 11. Februar als angemessen, dem ist nichts hinzuzufügen.

Es ist davon auszugehen, dass die Aktionäre den Schritt mitgehen, sodass ein erfolgreicher Abschluss im Wesentlichen von den zuständigen Wettbewerbsbehörden abhängt.

Das nicht immer alles glatt läuft, zeigen die Wohnungskonzerne

Letztes Jahr wurde zunächst im September der Zusammenschluss der Deutsche Wohnen (WKN:A0HN5C) mit der LEG Immobilien (WKN:LEG111) verkündet, bald darauf trat Marktführer Vonovia (WKN:A1ML7J) mit einem Angebot für die Deutsche Wohnen auf, um einen unangefochtenen Marktführer zu schaffen.

Nun hat sich ergeben, dass keiner der beiden Deals von Erfolg gekrönt war, alle drei beteiligten Unternehmen machen erst mal weiter wie zuvor. Für mich ist das nicht die schlechteste Lösung. Im sensiblen Bereich der Wohnungswirtschaft lösen zu mächtige Konzerne bei vielen Menschen ein ungutes Gefühl aus.

Statt nach völliger Dominanz im Heimatmarkt zu streben, sollten die Akteure vielleicht eher die Themen Digitalisierung und Internationalisierung in Angriff nehmen. Hier steckt aus meiner Sicht noch viel unerschöpftes Potenzial.

Fazit

Der erstaunlich hohe Übernahmepreis für EMC warf für mich von Anfang an Fragezeichen auf. Dell geht hier ein hohes Risiko ein und muss nun viel Aufwand in die Mittelbeschaffung investieren – Zeit, die Wettbewerber wie Lenovo und Atos für die Verbesserung ihrer Marktposition nutzen können.

Nun werde ich gespannt verfolgen, ob im Bereich der Unternehmens-IT nicht noch eine weitere Elefantenhochzeit ansteht. Interessante Kombinationen gäbe es ausreichend und die aktuellen Aktienkurse erscheinen vielfach attraktiv.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool empfiehlt NCR.

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