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2 alltägliche Denkfehler, die dich zu einem schlechteren Investor machen

Foto: Pixabay

Der Börsenmarkt wird bekanntlich nicht nur von harten Fakten und objektiven Kriterien gesteuert, auch die subjektiven Einschätzungen der Marktteilnehmer spielen eine Rolle, wenn auch meist nur kurz bis mittelfristig. Im Lexikon des Investierens gibt es verschiedene Strategien und Techniken, die sich genau diesen subjektiven Part des Markts zunutze machen, um beispielsweise Aktien unter Wert einzukaufen. Was von vielen privaten sowie auch professionellen Investoren dabei vergessen wird, ist die subjektive Wahrnehmung der Situation durch sich selbst.

In der modernen Psychologie werden viele „menschliche“ Denkfehler diagnostiziert, die jeder kennt und die uns bereits in Alltagssituationen die falschen Entscheidungen treffen lassen. Viel schwerer ins Gewicht fallen diese typischen Fehler, wenn es dabei um Geld geht, also in diesem Fall um die Investition in Aktien.

Ich möchte euch die beiden sowohl häufigsten als auch fatalsten Denkfehler vorstellen und euch zeigen, wie ihr sie umgeht und zu einem rationaleren und somit besseren Investoren werdet.

Confirmation Bias

Die Confirmation Bias wird von Psychologen oft als die Mutter aller Denkfehler interpretiert und das zurecht, da dieser Fehler von fast jedem Menschen praktisch rund um die Uhr gemacht wird. Es geht hierbei um die Tendenz, neue Informationen unbewusst so zu hinzustellen, dass sie sich mit unseren bereits festgefahrenen Theorien und Überzeugungen in Einklang bringen lassen. Als Beispiel wird dafür gerne die Diät genommen. Person A ist überzeugt von einer Ernährungsumstellung oder einem neuen Sport, den er treibt. Fleißig stellt sie sich jeden Morgen auf die Waage. Jedesmal, wenn ihr Gewicht niedriger ist als am Tag zuvor, sieht sie das als Bestätigung für die Wirksamkeit der Diät. Ist das Gewicht einmal höher als am Tag zuvor, wird sie versuchen, dies irgendwie zu erklären, damit sie sich nicht mit ihrer Überzeugung auseinandersetzen muss. Es kommen dann Argumente wie: „Gestern habe ich aber noch zusätzlich XY gegessen.“, „Ich hatte diese Nacht zu wenig Schlaf.“, „Das sind nur normale Fluktuationen.“

Neue Informationen, die im Widerspruch zu unseren bereits bestehenden Ansichten stehen, filtern wir so heraus oder manipulieren sie derart, dass sie keine Gefahr mehr für unsere Überzeugungen darstellen. Das Ganze passiert tagtäglich, ob es Informationen aus den Nachrichten sind, oder ein Gespräch unter Freunden.

Bist du von einer Aktie überzeugt und dir sicher, dass sie in den nächsten Jahren outperformen wird? Dann prüfe erst ob du nicht unterbewusst Informationen filterst und sortierst, damit sie deiner Ansicht entsprechen. Vielleicht sind dir so wichtige Warnsignale entgangen. Mach es wie Charles Darwin. Er notierte sich jede Information, die gegen seine Evolutionstheorie sprach innerhalb von 30 Minuten und nahm sie besonders ernst. Denn bereits nach 30 Minuten hat dein Gehirn eine Information herausgefiltert und für immer vergessen, wenn sie nicht zu deiner allgemeinen Anschauung passt.

Sei außerdem vorsichtig bei der Auswahl deiner Nachrichten. Meistens sind diese bereits durch einen Journalisten gefiltert worden. Dieser tut oft nichts anderes, als das zu schreiben, was er gerade für den Markt am interessantesten hält. Auch der Autor von Finanznachrichten kann der Confirmation Bias unterliegen!

Sunk Cost Fallacy

Die Sunk Cost Fallacy, frei übersetzt „Trugschluss durch versenkte Kosten“, ist ein Fehler, den ich selber sowohl oft im Alltag, als auch als Aktionär unbewusst begangen habe. Um euch eine möglichst greifbare Vorstellung zu liefern, werde ich zunächst wieder ein Alltags-Beispiel anführen.

Nehmen wir an, ihr geht ins Kino. Nach ungefähr einer halben Stunde wird euch klar, dass der Film überhaupt nicht euren Erwartungen entspricht und ihr keinen Spaß habt. Was tut ihr? Die meisten werden sitzen bleiben, schließlich habt ihr doch für 90 Minuten Kino bezahlt und dieses Geld wollt ihr nicht „verlieren“, indem ihr den Saal vorzeitig verlasst. Dabei ist das die falsche Entscheidung. Letztenendes sind diese Kosten sowieso schon „versunken“ und egal, ob ihr den Film oder das Stück zu Ende schaut oder nicht, das Geld wird euch dies nicht wiederbringen. Stattdessen wäre es sinnvoller , die letzten 60 Minuten für etwas zu nutzen, was mehr eurer Vorstellung von einer gelungenen Unterhaltung entspricht.

Genauso verhält es sich mit einer Aktie, die ihr gekauft habt und dessen Kurs seitdem nur gefallen ist. Unser Instinkt sagt uns, dass wir einfach so lange warten, bis die Aktie wieder steigt, zumindest doch bis zum Einstandskurs. Wir wollen das investierte Geld nicht verlieren und warten, bis wir uns mindestens wieder mit +- 0 aus der Affäre ziehen können. Tatsächlich ist das in vielen Fällen der falsche Ansatz. Der Kursverlust einer Aktie hat einen Grund. Nehmen wir das Beispiel E.ON (WKN:ENAG99) und RWE (WKN:703712). Seit dem Entschluss der Bundesregierung zur Energiewende und dem damit verbundenen Atomausstieg sind die beiden Titel im Prinzip über Jahre stetig gefallen. Es wird jede Menge Aktionäre geben, die dennoch die Aktien durchweg gehalten haben, um kein Geld zu verlieren. Nur die wenigsten werden sich die Mühe gemacht haben, die für die beiden Energieriesen geänderte Martksituation genau zu bewerten und dann zu entscheiden, ob es nicht sinnvoller ist, das übrige Geld in ein Unternehmen zu investieren, was zu dem jetzigen Zeitpunkt bessere Perspektiven bietet.

Um das noch deutlicher zu machen: Nehmen wir an, ich kaufe Aktie A. Aktie A verliert in einem Jahr 50 % an Wert. Sunk Cost Fallacy Variante: Ich lasse mich daraus nicht aus der Ruhe bringen und halte Aktie A solange, bis der Kursverlust wieder aufgeholt ist. Das dauert 10 Jahre. Klügere Variante: Nachdem Aktie A 50 % an Wert verloren hat, analysiere ich die Situation und entscheide dann, dass ich mit dem restlichen Geld lieber in Aktien und Unternehmen B investieren sollte, welches deutlich besser positioniert ist. Nach 10 Jahren ist der Wert von Aktie B um 200 % gestiegen, somit habe ich im Vergleich zum Sunk Cost Fallacy Irrtum 50 % zusätzlichen Gewinn eingestrichen.

Zusammengefasst

Im Alltag sind die von mir vorgestellten Denkfehler kein Beinbruch, meistens geht es nur um Kleinigkeiten. Außerdem gibt es eine lange Liste mit weiteren Arten von Denkfehlern, ohne die wir Menschen auch schließlich keine Menschen, sondern bloß Roboter wären.

Allerdings solltest du deine Geldanlage und das Investieren in Aktien auf keinen Fall als etwas Alltägliches nehmen. Sei als Investor so diszipliniert wie möglich. Reflektiere regelmäßig, ob du die richtigen Entscheidungen getroffen hast, oder ob du dich von subjektiven Denkweisen hast leiten lassen. Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, dann fang am besten mit den beiden Denkfehlern an, die ich vorgestellt habe!

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Robert Schleifenbaum besitzt Aktien von E.ON. The Motley Fool besitzt keine der genannten Aktien.

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