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Top-Deals KW 6: Syngenta – teuer, Siemens – strategisch, Time Warner und Twitter – verkorkst!

Quelle: Pierre Denys de Montfort, 1801

Aktuell gibt es so viele interessante Transaktionen und spannende Gerüchte, dass längst nicht alles in einen Bericht passt. Lass uns jedoch auf ausgewählte Deals fokussieren, um uns ein genaueres Bild über deren Effekte zu machen: ChemChinas Übernahmefeldzug in Europa, Gamesa und die Konsolidierung der Windkraft-Branche sowie Spekulationen um Time Warner und Twitter.

ChemChina schwingt sich zu einem der größten Industriekonglomerate der Welt auf

Die kapitalistische Planwirtschaft Chinas kann ihre Billionen-Dollar-Reserven offenbar gar nicht schnell genug in internationale Unternehmensinvestitionen umschichten, eine spektakuläre Übernahme jagt die nächste. Vor allem ChemChina tut sich regelmäßig hervor. Seit kurzem offiziell ist das 43 Mrd. USD teure Angebot für die Basler Pestizid-Spezialisten Syngenta (WKN:580854). Gerade integriert in den Konzern wurde die italienische Pirelli, welche letztes Jahr für 8,9 Mrd. USD gekauft wurde.

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In Deutschland wird ChemChinas aktuelle Übernahme des Maschinenbauers KrausMaffei noch getoppt durch ein weiteres überteuert wirkendes Angebot der Pekinger Stadtwerke für die niedersächsischen Abfallverwerter EEW. Bei einem Preis von 1,4 Mrd. EUR macht der schwedische Investor EQT groß Kasse. Noch im Mai 2015 wurden die restlichen 49 % der Anteile vom frühen Eigentümer und Joint-Venture-Partner E.On (WKN:ENAG99) übernommen.

Fazit: Teuer erkauft entsteht mit ChemChina ein globaler Champion, der neben dem Kerngeschäft auf so vielfältigen Gebieten wie Gummi, Silizium, Agrochemie und Spezialmaschinen den führenden Unternehmen Konkurrenz macht. Wenn der Konzern allerdings zukünftig Milliardenabschreibungen vermeiden will, muss die weltweite Konjunktur schleunigst anspringen. Anleger können hingegen weiterhin mit üppigen Angeboten aus China für technisch gute und etablierte Unternehmen hoffen.

In der Windkraft-Industrie läuft es immer mehr auf ein Duell Nordsee-Region gegen Asien hinaus

Dass nach Acciona und Alstom Wind auch Gamesa (WKN:A0B5Z8) ins Visier genommen würde, war absehbar. Die Spanier sind bei Festland-Turbinen gut positioniert und weltweit aktiv, aber auf sich alleine gestellt möglicherweise langfristig trotzdem zu klein angesichts des immer globaleren Wettbewerbs.

Die Spekulationen, dass Siemens (WKN:723610) nun in Übernahmeverhandlungen stehe, sind daher glaubwürdig. Gemeinsam wären die beiden in allen Segmenten und vielen Regionen weltweit in einer Spitzenposition. Fraglich ist, ob gegebenenfalls auch das Offshore-Joint-Venture Adven, 2015 mit der französischen AREVA (WKN:A1H9Y2) gegründet, im Siemens-Konzern aufgehen wird.

Meine Einschätzung: Die Übernahme wäre ein kluger strategischer Schritt, um die Marktposition abzusichern und zu verhindern, dass sich einer der asiatischen Konkurrenten auf einen Schlag große Marktanteile in Europa und Lateinamerika sichert. Allerdings zu einem stolzen Preis: Gamesas Bewertung hat sich seit dem Tief von 2012 verfünfzehnfacht, weshalb ich die Transaktion für den Kurs der Siemensaktie eher neutral sehe.

Interessant wird nun sein, ob die mittelgroße Nordex (WKN:A0D655) weiter als Konsolidierer agieren kann oder selbst ein Übernahmeziel wird. In beiden Fällen bestehen gute Chancen für Aktionäre, solange sich das Unternehmen im Wettbewerb bewähren kann.

Eine Reihe kleinerer Wettbewerber musste bereits aufgeben. Centerbridge, die neuen Eigentümer von Senvion, früher REpower, sind sicherlich auch auf der Suche nach einem profitablen Ausstieg. Ende November wurde über einen möglichen Börsengang spekuliert.

In den USA überschlagen sich die Spekulationen im Bereich Medien und IT

Der seit kurzem entthronte zweitwertvollste Konzern Apple (WKN:865985) soll Interesse gezeigt haben, den mächtigen Medienkonzern Time Warner (WKN:A0RGAY) bzw. Teile davon zu kaufen. Das frühere Computerunternehmen entwickelt sich immer mehr zur Medienplattform und könnte eigene attraktive Inhalte gut gebrauchen, um noch mehr Kunden auf seine Systeme zu ziehen.

Unter umgekehrten Vorzeichen steht ein weiteres Gerücht: Das vor allem in angelsächsischen Regionen aktive Verlagshaus News Corp. (WKN:A1W03Z) hätte Interesse am sozialen Kurznachrichtendienst Twitter (WKN:A1W6XZ). Das weckt Erinnerungen an die wenig erfolgreiche Übernahme von MySpace im Jahr 2005, eine soziale Plattform, die in dieser Form eingestellt wurde und heute als Musik- und Video-Website dient.

Das ist davon zu halten: Der Time-Warner-Deal würde sicherlich nicht so kläglich enden wie während der Internetblase zur Jahrtausendwende mit AOL. Dafür hat Apple einfach viel zu viel Geld auf der hohen Kante. Trotzdem glaube ich, dass Time Warner nicht gut unter dem Dach des Handyherstellers aufgehoben wäre.

Je größer ein Medienkonzern wird, desto mehr Misstrauen wird ihm entgegengebracht, weil er seine Meinungsmacht missbrauchen könnte und Apples sagenhafter Reichtum beängstigt jetzt schon viele Menschen.

Auch eine Kombination von News Corp und Twitter erscheint mir irgendwie verkorkst: Viele aktive Nutzer würden sich voraussichtlich nach Alternativen umsehen, wenn die Plattform ihre Unabhängigkeit verlöre. Besser gefällt mir das neueste Gerücht, dass Star-Investor Marc Andreessen Interesse an einem stärkeren Engagement habe. Mit dessen Expertise könnte neuer Schwung in die Entwicklung des sozialen Netzwerks kommen, was sich für die seit einiger Zeit arg gebeutelten Aktionäre sicherlich auszahlen würde.

Fazit

Es lohnt sich weiterhin, nach Unternehmen Ausschau zu halten, die für asiatische Käufer von Interesse sein könnten, da hier große Prämien in Aussicht stehen. Gleichzeitig organisieren die amerikanischen Finanzjongleure immer kreativere Deals, die ebenfalls Chancen für Anleger bieten.

Spannend finde ich, wie sich die Windkraftindustrie nach und nach zu einer reifen globalen Branche mit immer weniger starken Gruppen entwickelt. Im Gegensatz zur Solarbranche liegen die in Norddeutschland und Dänemark ansässigen Unternehmen ausgezeichnet im Wettbewerb mit der asiatischen Konkurrenz. Ein wachsender Markt mit immer weniger Konkurrenten verspricht langfristig ein hochprofitables Geschäft für die Gewinner des Ausleseprozesses.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Apple und Twitter. The Motley Fool empfiehlt Time Warner.

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