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Warum klingt Pessimismus immer so intelligent?

Foto: Pixabay, Unsplash

„Aus Gründen, die ich nie verstanden habe, hören es die Leute gerne, dass das Ende der Welt bevorsteht.” sagte die Historikerin Deirdre N. McCloskey letzte Woche der New York Times.

Das ist nicht abzustreiten. Trotz all den Dingen, die für die meisten Leute immer besser werden, ist der Pessimismus nicht einfach nur weiter verbreitet als der Optimismus, er klingt auch noch intelligenter. Er zieht einen in seinen Bann. Darüber hinaus ist man auch aufmerksamer, während der Optimist oft als realitätsferner Idiot gesehen wird.

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Das war schon immer so. John Stuart Mill schrieb vor 150 Jahren: „Ich habe beobachtet, dass nicht der Mann, der hofft, wenn andere verzweifeln, sondern der Man, der verzweifelt, wenn andere hoffen, von den meisten Menschen als ein Weiser bewundert wird.” schrieb Matt Ridley in seinem Buch The Rational Optimist:

Wenn man sagt, alles werde immer besser, dann kommt man vielleicht noch damit davon, als naiv und unsensibel hingestellt zu werden. Wenn man sagt, dass es in Zukunft besser wird, dann wird man als verrückt hingestellt. Wenn man aber sagt, dass eine Katastrophe bevorsteht, dann wird man als Genie bezeichnet und kann mit dem McArthus-Preis oder dem Friedensnobelpreis rechnen.

Beim Investieren klingt ein Bulle wie ein gedankenloser Cheerleader, während ein Bär wie ein kluger Denker klingt, der hinter die Fassade blickt – und das obwohl der S&P 500 innerhalb der letzten 100 Jahre um das 18.000fache gestiegen ist. Der Wharton-Professer Jeremy Siegel wird oft als permanenter Bulle gescholten, der jedes Mal, wenn er im Fernsehen auftritt, blind höhere Kurse vorhersagt. Aber das macht er seit den frühen 80ern, einem Zeitraum, in dem der Markt seinen Wert um das Vierzigfache erhöht hat. Aber die wenigsten interessieren sich für vergangene Ergebnisse, wenn jemand vor der nächsten Großen Depression warnt.

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Aber dieses Phänomen ist nicht nur auf das Investieren beschränkt. Die Harvard-Professorin Teresa Amabile zeigt, dass diejenigen, die negative Buchkritiken veröffentlichen, als klüger und kompetenter angesehen werden als diejenigen, die dasselbe Buch positiv bewerten. „Nur Pessimismus klingt tiefgründig. Optimismus klingt oberflächlich.” schrieb sie.

Warum?

Beim Pessimismus steht mehr auf dem Spiel. Daniel Kahneman gewann den Nobelpreis dafür, dass er gezeigt hat, dass der Mensch stärker auf einen Verlust reagiert als auf einen Gewinn. Das ist ein Schutzmechanismus, den uns die Evolution mitgegeben hat. „Organismen, die Bedrohungen als dringender ansehen als Gelegenheiten, haben eine größere Überlebenschance und damit auch, sich zu reproduzieren.” schrieb Kahneman.

Hier ein paar Gründe, die ich beobachtet habe, warum Pessimismus so viel Aufmerksamkeit erhält.

1. Optimismus scheint die Risiken auszublenden, daher scheint Pessimismus intelligenter.

Aber das ist eine falsche Sichtweise. Die meisten Optimisten werden dir sagen, dass es schlimmer wird, dass es Rezessionen, Bärenmärkte, Kriege, Paniken und Pandemien geben wird. Aber sie bleiben optimistisch, denn sie bringen sich selbst, ihr Portfolio und ihre Karriere in Position und sie bereiten sich mental darauf vor, diese schweren Zeiten zu ertragen. Für den Pessimisten ist ein negatives Ereignis das Ende der Geschichte. Für den Optimisten ist es ein langweiliges Kapitel in einem sonst hervorragenden Buch. Der Unterschied zwischen einem Optimisten und einem Pessimisten liegt oft in der Ausdauer und dem Zeithorizont.

2. Pessimismus zeigt, dass sich nicht alles in die richtige Richtung bewegt und das hilft dir, die persönlichen Unzulänglichkeiten zu verstehen, die wir alle haben.

„Gleich und gleich gesellt sich gern“, besagt ein Sprichwort und das trifft auch auf Pessimisten zu. Zu erkennen, dass Dinge, auf die wir keinen Einfluss haben, der Ursprung unserer Probleme sein könnten, ist ein Trost. Daher fühlen wir uns davon angezogen.

3. Bei Pessimismus besteht Handlungsbedarf, während man beim Optimismus den Kurs halten muss.

Der Pessimismus sagt uns „VERKAUFEN! SCHNELL RAUS HIER!” und das erregt deine Aufmerksamkeit, denn es besteht unmittelbarer Handlungsbedarf. Du willst den Artikel ja nicht lesen oder dich mit den Details aufhalten, denn du könntest Schaden davontragen. Optimismus bedeutet „Keine Sorge, Kurs halten, alles wird gut.” Das ist leicht zu ignorieren, denn hier müsste man ja dem Drang zu handeln widerstehen.

4. Optimismus klingt wie ein Verkaufsgespräch, während Pessimismus sich so anhört, als würde jemand versuchen, dir zu helfen.

Und das ist auch oft die Wahrheit. Aber meistens ist Optimismus die richtige Einstellung und Pessimismus kann genauso zum Verkaufen benutzt werden – besonders bei emotionalen Themen wie Geld und Politik.

5. Die Pessimisten reißen aktuelle Trends aus dem Zusammenhang, ohne zu berücksichtigen, wie zuverlässig sich die Märkte anpassen.

Das ist wichtig, denn die pessimistischen Meinungen beginnen oft mit einer rationalen Basis. Daher scheint die Warnung ebenso vernünftig wie bedrohlich.

2008 schrieb der Umweltschützer Lester Brown: „Bis 2030 wird China 98 Millionen Barrel Öl pro Tag brauchen. Die Welt produziert aktuell 85 Millionen Barrel pro Tag und wird vielleicht nie mehr als das produzieren. Das war es dann wohl mit den Ölreserven.”

Und er hat auch Recht. In diesem Szenario wird uns das Öl ausgehen. Aber die Märkte funktionieren nicht so. Ein Mangel lässt die Ölpreise steigen, hohe Preise setzen Anreize, um neue Bohrmethoden zu entwickeln und inzwischen haben wir so viel Öl, dass wir nicht mehr wissen, wohin damit. Die weltweite Ölproduktion betrug im letzten Jahr 96 Millionen Barrel – allein dieser Wert lag schon über dem, von ihm angenommenen Höchstwert. Die Anpassungsfähigkeit der Märkte nicht zu berücksichtigen, ist der Grund, warum viele pessimistische Vorhersagen falsch sind.

Sollte man den Pessimisten überhaupt zuhören? Natürlich. Sie sind der beste Indikator für alles, was nicht nachhaltig ist und sich daher wahrscheinlich auch ändern wird. Und diese Veränderung ist der Nährboden für alles, was uns Grund zum Optimismus gibt.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und wurde am 21.01.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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