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Deutsche Bank: Versteht John Cryan Deutschland und seine Bank?

Bild: pixabay

Dass der Chef der Deutschen Bank (WKN:514000) kein Deutscher sein muss, das wissen wir seit Anshu Jain. Mit John Cryan ist vor gut einem halben Jahr ein britischer Banker angetreten, den Stall auszumisten, den eben dieser Jain zusammen mit Co-Chef Jürgen Fitschen hinterlassen hat. Kann er das? Ich habe meine Zweifel.

Erst mal zahlen und bilanzieren

Die Deutsche Bank war in den letzten Jahren hauptsächlich durch Skandale aufgefallen. In die Manipulationen der Libor- und Euribor-Zinssätze waren Manager der Deutschen Bank mit verstrickt. Bisherige Strafzahlungen dafür: etwa 3 Milliarden Euro. Dazu kommen Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche in Russland, im Handel mit CO2-Emissionszertifikaten und Embargoverstößen im Handel mit dem Iran. Für Rechtsstreitigkeiten hat die Bank 12 Milliarden Euro zurückgestellt beziehungsweise gezahlt.

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Das große Aufräumen unter dem neuen Vorstandschef bezahlt die Deutsche Bank mit dem höchsten Milliardenverlust ihrer Firmengeschichte. Deutschlands größtes Geldhaus schloss das vergangene Jahr mit einem Rekordverlust von 6,7 Milliarden Euro ab. Große Teile der Führungsriege, die für die Skandale der Vergangenheit verantwortlich waren, mussten daraufhin gehen. So weit, so gut.

Die Konsequenzen

Die hohen Bonuszahlungen, die den Investmentbankern in London gezahlt wurden, sollen gekürzt werden. In einigen Abteilungen werden sie um bis zu 30 Prozent kleiner ausfallen. Noch radikaler allerdings wird mit den Aktionären umgegangen: Für zwei Jahre werden sie keine Dividende bekommen. Für Mitarbeiter heißt es, um die Arbeitsplätze bangen: Die Deutsche Bank streicht rund 9.000 Arbeitsplätze, davon etwa 4.000 in Deutschland. Unsicherheiten auch für die Angestellten der Postbank, die erst vor wenigen Jahren von der Deutschen Bank gekauft wurde. Das Institut soll wieder abgestoßen werden – entweder mittels Verkauf oder durch einen Börsengang.

Wo will Cryan mit der Deutschen Bank hin?

Dividendenkürzungen machen eine Aktie nicht gerade attraktiv und beliebt bei den Anteilseignern. Kürzungen der Boni werden manchen Manager dazu bewegen, sich einen lukrativeren Job zu suchen. Sich aus vielen Ländern wie Argentinien, Chile, Mexiko und Dänemark komplett zurückzuziehen heißt, seinen internationalen Anspruch aufgeben. Und weitere Filialschließungen, hauptsächlich in den Zentren, bedeuten weniger Endkunden. In der Fläche will die Deutsche Bank mit 500 verbleibenden Filialen am Markt präsent bleiben. Zum Vergleich: Die Sparkassen haben 15.000 Geschäftsstellen.

Vertrauen verloren

Auch die Ratingagenturen wenden sich von der Deutschen Bank ab: Moody’s senkte die Bonitätsnote für die langfristigen Schuldtitel des Instituts um eine weitere Stufe auf Baa1. Damit ist das Institut auf demselben Niveau angekommen, auf dem die staatlich gestützte Commerzbank (WKN:CBK100) rumkrepelt.

Kennt Cryan den Markt und seine Kunden?

„Bargeld wird in den nächsten zehn Jahren verschwinden“, sagte Cryan beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Cash ist teuer und ineffizient für Händler und Banken, da hat er schon recht. Aber das interessiert die Kunden nicht. Über die Hälfte aller Transaktionen im Einzelhandel werden bar abgerechnet. Und das kann jeder selbst bei seinen Einkäufen an der Kasse miterleben. Bargeld gilt als sicher und erhält dem Nutzer die Kontrolle über seine Finanzen – so jedenfalls das subjektive Gefühl.

Cryan sieht das nicht. Er hat kein Verständnis für die Privatkundenbasis seiner Bank, die immer noch Deutsche Bank heißt. Und er hat keine Vision, was das Unternehmen denn eigentlich sein soll. Außer den üblichen Statements bei Strategiewechseln – „2016 wird der Höhepunkt der Restrukturierung“, hieß es bei der Vorstellung der Zahlen für 2015 – ist nichts zu hören. Viele Investoren fürchten – so auch ich –, dass Cryan die Bank kaputt spart und die Erträge einbrechen.

Fazit

Im Gegensatz zum verstorbenen Altkanzler Helmut Schmidt bin ich nicht der Meinung, dass jemand, der Visionen hat, zum Arzt gehen sollte. Im Gegenteil: Ein Top-Manager, der keine Vision davon hat, wo er mit seinem Unternehmen hin will, sollte sich fragen, ob er der richtige Mann an der Spitze des Unternehmens ist. Wenn ich mir die Frage in Bezug auf John Cryan stelle, komme ich zu dem Ergebnis: Nein. Auch ich habe das Vertrauen in die Kraft der Deutschen Bank verloren. Daher stimme ich allen Negativ-Argumenten zu, die Fool.de Geschäftsführer Matt Koppenheffer in seinem Artikel im September 2015 benannt hat.

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Werner Block besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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