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Der niedersächsische Ministerpräsident zum Diesel-Skandal von Volkswagen: „Legt endlich die Karten auf den Tisch“

Der Druck auf Volkswagen (WKN:766403) nimmt zu: Der zweitgrößte Anteilseigner des Unternehmens sagte vergangenen Montag, dass VW innerhalb von drei Monaten eine umfassende Aufklärung der Diesel-Affäre liefern soll – sonst…

Ja, was sonst?

Stephan Weils Amt als Ministerpräsident Niedersachsens, dem zweigrößten deutschen Bundesland, ist vergleichbar mit der Position des Gouverneurs eines größeren US-Bundesstaates. Niedersachsen ist VWs zweitgrößter Anteilseigner und hat innerhalb des Unternehmens großen Einfluss.

Anders ausgedrückt: Stephan Weil ist nicht nur irgendein Politiker. Er ist jemand, den VWs Vorstandsvorsitzender Matthias Müller sehr ernst nehmen muss.

Vergangenen Montag sagte Weil einem Bericht von Bloomberg zufolge in einem Interview, dass „es das sehr berechtigte Anliegen einer umfassenden Aufklärung seitens der US- Behörden und seitens der Öffentlichkeit, aber auch seitens des Unternehmens selbst gibt“. Er verlangte von VW eine vollständige Aufklärung innerhalb von drei Monaten.

Diese Zeitvorgabe war nicht einfach aus der Luft gegriffen. VW hat die US-Anwaltskanzlei Jones Day beauftragt, die Umstände, die dazu geführt haben, dass Ingenieure Millionen von VW und Audi Diesel-Fahrzeuge mit einer Abgas-Manipulationssoftware ausgestattet haben, zu untersuchen. Müller sagte, dass VW den Bericht zu dieser Untersuchung auf der Jahreshauptversammlung am 21.April – in etwa drei Monaten – vorlegen wird.

Ich glaube, Weil wollte damit unmissverständlich zu verstehen geben, dass der im kommenden April vorgelegte Bericht wirklich jedes Detail erklären sollte.

DIE VW-ZENTRALE IN WOLFSBURG. BILDQUELLE: VOLKSWAGEN.

DIE VW-ZENTRALE IN WOLFSBURG. BILDQUELLE: VOLKSWAGEN.

VWs bisherige Antwort war nicht gerade überzeugend

Seitdem die US-Umweltbehörde EPA die Anschuldigungen gegen VW im September öffentlich gemacht hat, hielt das Unternehmen an der Aussage fest, dass der Betrug das Werk einiger weniger – und im eigenen Interesse handelnder – Ingenieure sei. Müller, der das Steuer bei VW nach dem Rücktritt Winterkorns einige Tage nach der Veröffentlichung der Anschuldigungen übernahm, versprach absolute Transparenz.

Aber bisher klingt die Antwort des Unternehmens auf den Abgas-Skandal alles andere als überzeugend. Einige Top-Ingenieure wurden letzten Herbst „beurlaubt“. Das heißt, sie wurden nach Hause geschickt, beziehen aber weiterhin Gehalt.

Doch darüber hinaus scheint sich bei VW nichts geändert zu haben. Müller ist Anfang des Monats unter Beschuss geraten, als er in Detroit andeutete, dass alles nur ein Missverständnis sei.

Schlimmer als jegliche Einzeläußerungen ist jedoch der Eindruck, dass VW den Skandal nicht wirklich ernst nimmt. Vielleicht sogar noch schlimmer: VW scheint nicht entschlossen zu sein, Änderungen vornehmen zu wollen, um solche Probleme zukünftig zu vermeiden.

VW sollte sich jetzt diese Beispiele zum Vorbild nehmen

Weil scheint verstanden zu haben, was die meisten Beobachter außerhalb Deutschlands schon lange sagen: Je länger VW die Sache vor sich herschiebt, desto größer die langfristigen Schäden für das Unternehmen.

Vor einigen Jahren wurde Toyota  (WKN:853510) in einen Skandal über eine „plötzlich ungewollte Beschleunigung“ seiner Fahrzeuge verwickelt. Zunächst schien das Unternehmen auf Zeit zu spielen, Daten zu kaschieren und Schuld von sich zu weisen. Schließlich aber kam CEO Akio Toyoda in die Vereinigten Staaten und legte einen demütigenden Auftritt vor dem Kongress hin, wo er sämtliche Verantwortung auf sich nahm und versprach, Änderungen bei Toyota durchzuführen.

Entscheidend ist, dass er seinen Versprechen dann Taten folgen lassen hat.

Auch General Motors  (WKN:A1C9CM) CEO Mary Barra, gerade einmal wenige Wochen im Amt, lieferte zügig eine ähnlich überzeugende Antwort, als sich ein potenziell verheerender Skandal über defekte Zündschlüssel erhob. Das Unternehmen entschuldigte sich und zahlte die heftige Strafe unverzüglich ohne Widerworte. Barra trat zwei Mal vor dem Kongress auf, befahl den Rückruf von Millionen von GM-Fahrzeugen und ruf einen Fond ins Leben, um Opfer der Unfälle, die sich vor dem Bankrott von GM ereigneten, zu entschädigen. Sie tat alles, um eine völlige Eskalation zu verhindern.

Dies waren alles überzeugende Reaktionen auf potenziell existenzgefährdende Skandale. Toyotas Ruf und sein Umsatz haben sich seitdem vollständig erholt; und GM scheint – trotz anhaltenden Rechtstreits – die Sache schnell hinter sich liegen gelassen zu haben.

Der Schaden nimmt bereits zu

Nach Müllers erster Pressekonferenz im Dezember war ich optimistisch, dass er in der Lage ist, eine ähnlich überzeugende Reaktion auf den VW-Skandal zu liefern. Noch ist er uns aber eine Erklärung schuldig geblieben und VWs Umsatz rutscht auf globaler Ebene weiter ab.

Je länger VW wartet, endlich reinen Tisch zu machen und Schadensersatz zu leisten, desto länger wird es dauern, bis das Unternehmen sich erholen und seinen Ruf und seine Kunden zurückgewinnen kann. Die ausbleibende Antwort auf den Abgas-Skandal ist für potenzielle Investoren des niedergeschlagenen Unternehmens kein gutes Zeichen.

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The Motley Fool empfiehlt General Motors. Dieser Artikel wurde von Brian Feroldi auf Englisch verfasst und am 26.01.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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