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Wo wird die Deutsche Bank in 10 Jahren stehen?

Seit den Zeiten des großen – oder je nach Lesart größenwahnsinnigen – Josef Ackermann ist man bei Deutschlands bedeutendstem Geldhaus etwas bescheidener geworden. Durch unzählige Skandale und Betrügereien steckt die Deutsche Bank (WKN:514000) in einer Krise, das Image ist ramponiert.

Ein neues Vorstandsteam macht sich seit rund einem Jahr an die Arbeit, um den Konzern wieder in die Spur zu bringen. Uns Anleger interessiert natürlich am meisten, wohin dieser Weg die Deutsche Bank bis 2026 führen könnte.

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Hier steht die Deutsche Bank heute

Nachdem kürzlich ein Rekordverlust vorgelegt wurde befindet sich der Kurs wieder auf dem Niveau der Tiefs von Anfang 2009, Mitte 2007 wurde die Deutsche Bank noch mehr als sechsmal so hoch bewertet.

Der maßgebliche neue Chef ist seit Juli 2015 John Cryan. Dieser hat sich daher erst einmal daran gemacht, den Konzern nach Schwächen zu durchforsten und offen auf den Tisch zu legen: Die IT-Systeme sind chaotisch und veraltet, die Aktivitäten zu komplex und zu risikoreich und die Strafzahlungen bei weitem zu hoch.

Auch mit der Struktur der Mitarbeitervergütung zeigt er sich alles andere als zufrieden. Bisher wurde den Angestellten im Investmentbanking und Vermögensmanagement anscheinend unabhängig von der Leistung Geld hinterhergeworfen.

Nach einer gründlichen Einarbeitung hat der Engländer ein Restrukturierungsprogramm für die Zeit bis 2020 vorgelegt. Bis dahin will er auch wieder vernünftige Zahlen präsentieren.

Hierhin führt die aktuelle Strategie die Deutschen Bank bis 2020

Ein neues Führungsteam soll die Veränderung bringen. Marcus Schenck wurde 2014 als Finanzvorstand in den Konzern geholt, CEO Anshu Jain musste 2015 vorzeitig gehen, Co-Boss Jürgen Fitschen wird nach der kommenden Hauptversammlung das Unternehmen verlassen. In einem zweiten Schritt sorgte John Cryan mit Rückendeckung des Aufsichtsrats und eisernem Besen für einen noch radikaleren Umbau.

Nach diesem strategisch durchdachten Stühlerücken in der Vorstandsetage dürften sich die zwischenzeitlich überlappenden Zuständigkeiten und widerstreitenden Koalitionen auflösen, sodass man sich nun um das Wesentliche kümmern kann: den Konzern mit vereinten Kräften aus dem Sumpf zu ziehen.

Vor allem operativ hat sich die Deutsche Bank einiges vorgenommen. Noch vor Cryans Amtsantritt im Februar 2015 wurde der amerikanische IT-Konzern HP (WKN:A140KD) mit einem Milliarden-schweren Projekt betraut, um über die nächsten Jahre die IT-Infrastruktur radikal zu vereinfachen. Hiervon verspricht man sich langfristig hohe Einsparungen und eine bessere Unterstützung des laufenden Betriebs.

Daneben wurde eine Reihe von eher exotischen und riskanten Aktivitäten aufgegeben sowie Maßnahmen in die Wege geleitet, um die Deutschbanker wieder zu ethischem Verhalten zu bewegen. Sylvie Matherat, die Verantwortliche für Regulierungsfragen, ist in den Vorstand aufgerückt und führt dort nun auch den Kampf gegen Finanzkriminalität an.

Strategisch wirkt noch nicht alles ausgereift, aber die vorgegebene Richtung ist klar: Man will die Anzahl an Klienten verringern, aber dafür den Umsatz pro Kunde erhöhen. Schließlich erwirtschafte man 80 % der Umsätze mit der Kernkundschaft, während der „Schwanz“ von 70 % der Kunden nur 20 % einbringe. Folglich wird die Postbank für eine Veräußerung vorbereitet, während sich das verbleibende Privatkundengeschäft auf vermögende Kundschaft konzentrieren möchte.

Außerdem wird angestrebt, wieder den Status einer Hausbank bei mittelständischen Unternehmern zu erhalten. Hierfür sollen maßgeschneiderte Produkte und Services entwickelt werden. Das langjährige Vorhaben, Sparkassen, Direkt- und Volksbanken Konkurrenz zu machen, kann damit als gescheitert angesehen werden. 2020 wird das globale Vermögensmanagement und die Begleitung von Unternehmen und Entrepreneuren im Zentrum stehen.

So könnte es bis 2026 weitergehen

Eine Prognose lieferte John Cryan kürzlich selbst: Seiner Ansicht nach wird Bargeld in zehn Jahren aus unserem Alltag verschwunden und durch elektronische Zahlungsmittel ersetzt sein. Eine kühne Prognose, wenn man bedenkt, wie sehr wir im deutschsprachigen Raum am Bargeld hängen.

Auf alle Fälle ist dies ein Hinweis, dass man es mit der Digitalstrategie ernst meint. Während bis 2020 noch eher die Effizienz der IT-Systeme im Vordergrund steht, dürften diese in den Folgejahren in Richtung neuartiger Produkte und Services weiterentwickelt werden.

Aktuell werden von jungen Unternehmen unter dem modischen Wort Fintech viele innovative Geschäftsmodelle rund um die Kreditvergabe, die Bezahlung und die Geldanlage entwickelt. Sobald die Deutsche Bank sich stabilisiert hat, gehe ich davon aus, dass sie verstärkt in diesem Feld mitmischen wird.

Statt Ressourcen in zweitklassige Eigenentwicklungen zu stecken wird sie sich eher dafür entscheiden, die Nähe zu erstklassigen Start-ups und Technologie-Konzernen zu suchen, etwa indem sie attraktive Kooperationsmodelle entwickelt und die eigene Banking-Plattform für externe Ideen öffnet.

Bei einer vernetzten Integration mit Software- und Technikentwicklern muss auf der anderen Seite eine tiefgehende Integration mit den Kunden stehen, Technik und Beraterqualität Hand in Hand gehen. Wenn dies gelingt, kann die Deutsche Bank ihren Kunden außergewöhnliche Leistungen mit hohem Nutzwert bieten.

Fazit

Im Fall, dass das Zurechtstutzen des Konzerns in den nächsten Jahren Früchte trägt, könnte es der Deutschen Bank gelingen, auf ihren alten Stärken aufzubauen und mit einer ambitionierten Digitalstrategie ihre angestammte Führungsrolle zurückzugewinnen.

Gut gefällt mir, dass man nun endlich verstanden hat, dass andere das einfache Privatkundengeschäft besser beherrschen. Allerdings bin ich alles andere als sicher, ob es das Vorstandsteam schafft, die Mitarbeiter auf dem neuen Weg mitzunehmen, das Image wieder zurechtzurücken und gleichzeitig die Aktionäre zufriedenzustellen.

Wer sich auf die Deutsche Bank-Aktie einlassen möchte, sollte sich daher auf einen steinigen Weg vorbereiten. Im besten Fall sehen wir bis zum Jahr 2026 die Wiederauferstehung eines Bankhauses mit großer Tradition und wegweisenden Finanzlösungen.

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Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen. The Motley Fool hält keine Wertpapiere genannter Unternehmen.

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