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Fusions-Monitor KW4: Die besten Deals im aktuellen Kontext

Schon allein aufgrund des weiterhin billigen Geldes wird uns auch 2016 wieder viele interessante Übernahmen bescheren. Gleichzeitig favorisiert aber auch die hohe Volatilität in vielen Märkten Zusammenschlüsse, da so Risiken auf mehr Schultern verteilt werden können. Entsprechend legen die Konzerne schon wieder gut los, wie die hier ausgewählten Deals zeigen.

Bayer (WKN:BAY001) spürt Handlungsdruck

Nach der Abspaltung der Chemie- und Kunststoffsparten kann nun auch über den Verbleib der restlichen Segmente Agro und Pharma spekuliert werden. In beide Branchen ist mächtig Bewegung gekommen in den letzten Monaten (siehe auch Ausgabe KW51).

Weiterhin unklar bleibt das Schicksal des Schweizer Agrochemieherstellers Syngenta (WKN:580854). Unternehmensführung und Aktionäre haben bereits ein Angebot von Monsanto (WKN:578919) abgelehnt und wehren sich nun gegen ChemChina.

Gleichzeitig wollen BASF (WKN:BASF11) und Bayer (WKN:BAY001) nach Management-Aussagen sich ergebende Chancen nutzen, um im Konzert der Großen weiterhin ein gewichtiges Wort mitreden zu können. Konsolidierungsdruck entstand vor allem aufgrund der schwierigen Marktbedingungen in wichtigen Agrarregionen wie Südamerika.

Zwischenzeitlich hat Bayer seinen Handlungsspielraum ein weiteres Stück vergrößert: Die seit 2013 unter dem Dach der Investmentfirma KKR agierende Panasonic Healthcare schloss im Januar den Erwerb des Blutzuckermessgeräte-Geschäfts für rund 1 Mrd. EUR ab, welches jetzt unter Ascensia Diabetes Care firmiert.

Im Bereich Diabetes hat sich im Januar auch der Dialysemarktführer Fresenius (WKN:578560) verstärkt. Die Kabi-Sparte übernahm von einem Konkurrenten einen kleineren Produktionsstandort in den USA, um vom Trend hin zu gebrauchsfertigen Einwegspritzen-Arzneien zu profitieren.

Im Pharmabereich wurde kürzlich auch die nächste Großfusion angekündigt: die irische Shire (WKN:A0MMAG) kauft die amerikanische Baxalta (WKN:A14SCR), um einen forschungsstarken Marktführer für lukrative Nischen zu schaffen. Der auf den ersten Blick exorbitant hohe Preis von 32 Mrd. USD wird dadurch relativiert, dass ein Großteil mit Aktien bezahlt wird. Nach der Fusion halten die Baxalta-Aktionäre 34 % am vereinten Unternehmen.

Immer für einen Mega-Deal gut ist auch die Mobilfunk-Branche

Während die Wettbewerbslandschaft in Deutschland mittlerweile konsolidiert erscheint, tut sich in anderen Regionen noch einiges. Oft stoßen solche Vorhaben jedoch an wettbewerbsrechtliche Grenzen oder treffen auf industriepolitischen Widerstand, zuletzt in Dänemark und Frankreich.

Nach dem Rückzug der Numericable-SFR Group (WKN:A1W7EC) im September versucht sich jetzt Orange (WKN:906849) an einer Übernahme von Bouygues Telecom, was einen mächtigen Spieler in Frankreich hervorbringen würde. Ähnliche Transaktionen sind in Großbritannien zu beobachten, wo die Kartellbehörden sich mit der Prüfung der Fusion von Three und O2, der jeweils britischen Töchter von Hutchison Whampoa (WKN:864287) und der Telefónica (WKN:850775), Zeit lassen.

Weniger Probleme hatte die BT Group (WKN:794796) bei ihrer 12,5 Mrd. Pfund schweren Übernahme des Mobilfunkoperators EE, einem früheren Zusammenschluss von Orange und T-Mobile UK. Der alte britische Telefonkonzern ist somit wieder groß im Geschäft über alle Kanäle und die Deutsche Telekom (WKN:555750) hält seit diesem Deal 12 % am BT-Konzern.

Übernahmegerüchte gibt es auch immer wieder bezüglich T-Mobile US (WKN:A1T7LU). Die Telekom möchte sich stärker auf die Expansion in Europa konzentrieren. Ein gewinnträchtiger Verkauf der wieder profitablen Tochter käme da gerade recht. Es wird spekuliert, dass einige der großen Kabelnetzbetreiber Interesse haben könnten, nachdem direkte Konkurrenten kaum in Frage kommen.

Trotz einiger Schwierigkeiten denkt ein anderer deutscher Großkonzern augenscheinlich derzeit nicht an das Verkaufen von Geschäftsbereichen.

Das Diesel-Geschäft der Volkswagen-Gruppe (WKN:766403) boomt

Naja, die kleinen Kfz-Dieselmotoren natürlich nicht so sehr im Moment. Dafür umso mehr die mächtigen Originale, welche von der Marke MAN für Schiffe gebaut werden. Der Weltmarktführer baut seine dominierende Position weiter aus. Am 20. Januar wurde mit YCMP ein weiterer chinesischer Lizenznehmer für die Montage von Zweitaktmotoren gewonnen.

Darüber hinaus übernimmt MAN gerade von der schwedischen Linde (WKN:648300)-Tochter Cryo AB Technologie für die Flüssiggasversorgung von Schiffen, ein Deal, der im Februar abgeschlossen werden soll. MAN hofft, so noch umfassendere Lösungen aus einer Hand anbieten zu können. Spannend ist auch das im Oktober verkündete Jointventure mit der norwegischen Aker Solutions (WKN:A12A18), bei dem es um neuartige Tiefsee-Kompressorsysteme für die kostensparende Ausbeutung kleinerer Öl- und Gasfelder geht.

Noch im Mai machte die Meldung die Runde, dass der Volkswagen-Konzern nach dem Zusammenlegen von MAN und Scania zu einer Truck-Holding beabsichtigen könnte, das Geschäft mit Großdieseln, Kraftwerken und Turbomaschinen abzustoßen, um sich ganz auf den Straßenverkehr zu fokussieren. Davon ist derzeit keine Rede mehr, man hat ja auch andere Probleme zu lösen. Dass ein bisschen Diversifizierung manchmal gar nicht so schlecht ist, zeigt sich hier vielleicht ein weiteres Mal.

Fazit

Es sind unfassbare Summen, die in einigen Branchen auf den Tisch gelegt werden. Ob der Weg zu schierer Größe immer zum Erfolg führt kann bezweifelt werden. Deshalb ist es immer wichtig, sich genau die Gründe anzuschauen, welche die Übernahmekosten rechtfertigen sollen.

Ich werde gespannt das Thema Agrochemie und Saatgut weiterverfolgen, um zu erfahren, wie sich die Marktverteilung zukünftig gestaltet und welche Rolle die deutschen und schweizerischen Wettbewerber dabei spielen.

Ralf Anders hält keine Wertpapiere genannter Aktien. The Motley Fool empfiehlt Orange (ADR).