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Die einzige Grafik, die während eines Börsencrashs wichtig ist

Optimistische Investoren hatten gehofft, die zweite Handelswoche würde besser werden, nachdem die Börse in den ersten fünf Handelstagen den schlechtesten Jahresstart aller Zeiten verzeichnet hatte, aber es ging munter weiter mit den roten Pfeilen.

In der ersten Januarhälfte fiel der Dow Jones Industrial Average um 8,2 %, oder mehr als 1.400 Punkte. Der technologie- und biotechorientierte Nasdaq Composite fiel um 10,4 %, oder mehr als 500 Punkte und der breite S&P 500 um 8 %. Der S&P 500 fiel kurz auf ein Tagestief, das unter der Korrektur lag, die wir im August hatten.

Um es vorsichtig auszudrücken, man könnte sagen, einige Investoren und kurzfristig orientierte Trader machen sich Sorgen. CNN hat ein spezielles Tool, den Fear & Greed Index, der sieben Anzeichen von Angst und Gier untersucht – wie Volatilität, die Breite von Put- und Call-Optionen, Investitionen in „sichere Häfen” und die Nachfrage nach Junk Bonds.

Am Freitag schloss dieser Index, der mit einer Skala von 0 bis 100 bewertet wird, bei einem Wert von 10 oder „extreme Angst”. Um das einmal in den entsprechenden Kontext zu setzen, der Schlusswert am Donnerstag lag bei 17, am Freitag, den 8. Januar bei 18 und vor einem Monat lag er sogar bei moderaten 44. Die Leute haben Angst und diese Angst drückt den Markt schnell nach unten.

Die einzige Grafik, die während eines Crashs wichtig ist

Aber den Investoren, die sich auf hochwertige Unternehmen konzentrieren und diese langfristig halten, sollten die letzten zwei Wochen keine schlaflosen Nächte bereitet haben. Warum? Ich glaube, dass der folgende Chart des S&P 500 (ich nehme lieber den S&P 500, da es der umfassendste der großen drei amerikanischen Indices ist) alles aussagt, was du über die Börse wissen musst.
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Oberflächlich sieht dieser 50-Jahreschart nicht besonders aufregend aus und das liegt daran, dass es schwer ist, die Marktbewegungen von 50 Jahren in eine einzige Grafik zu packen, die auf deinen Computerbildschirm oder den Schirm deines Smartphones passt. Was du vielleicht noch nicht siehst, ist, dass der S&P 500 zwischen 1965 und Ende 2015 27 Korrekturen von 10 % oder mehr hatte (die Zahlen sind natürlich gerundet). Trotzdem sind diese Korrelationen dank Daten von Yardeni Research deutlich leichter zu sehen.

Du solltest dabei nicht vergessen, dass die Daten dazu tendieren, bei jeder folgenden Grafik um ein Jahr zu überlappen. Aber das gibt dir einen guten Eindruck von den Handelsbewegungen des S&P 500 in den letzten 28 Jahren, genau wie die Zeitspanne, die jede Korrektur in Anspruch genommen hat.

BILDQUELLE: YARDENI RESEARCH.

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Es gibt ein paar Dinge, die man an dieser Stelle anmerken sollte. Erstens, Korrekturen sind eigentlich ziemlich normal. Darüber hinaus sind sie nicht nur normal – sie kommen etwa alle zwei Jahre – sondern auch relativ kurzlebig. Daher ist der Rückgang um 8 % innerhalb von ein paar Wochen wirklich nicht so außergewöhnlich, wie du vielleicht denken magst. Das einzige, was dieses Mal anders ist, ist das Timing, also der Zeitpunkt, als diese schnelle Korrektur begann.

Zweitens, die steigenden Märkte dauern länger als die Korrekturen. Das ist eher ein Zusatz zu dem vorhergehenden Punkt, dass Korrekturen nicht ungewöhnlich sind, schnell vonstatten gehen und auch schnell wieder vorbei sind. Nur in wenigen Ausnahmen (2000-2002 dauerte die Korrektur 915 Tage und die Korrektur 2007-2009 dauerte 510 Tage) ziehen Korrekturen sich über einen längeren Zeitraum hin.

Aber hier ist noch eine wichtige Sache: Der S&P 500 gewann in jedem einzelnen Fall seine Verluste bei einer Korrektur von 10 % oder mehr wieder zurück. Das sind 27 Korrekturen von mindestens 10 % (wieder gerundet) seit 1987 und jede einzelne dieser Korrekturen wurde von einer Bullenrally wieder ausgeglichen. Manchmal dauert es nur Wochen, um eine Korrektur wieder auszugleichen, aber wie du an der Dotcom-Blase im Jahr 2000 gesehen hast, hat es mehr als sieben Jahre gedauert, bis es wieder abwärts ging.

Worauf ich hinaus will, ist sehr einfach: Die 50-Jahresgrafik des S&P 500 zeigt dir das einzige, was du wissen musst, wenn es zu einer Marktkorrektur kommt: Langfristig tendieren die Aktienbewertungen dazu, zu steigen. Seit 1950 gab es 34 Korrekturen von mindestens 10 % und jede einzelne Korrektur wurde von einer bullischen Rally wieder wettgemacht. Das sind gute Nachrichten für Investoren, die hochwertige Unternehmen kaufen und diese langfristig halten.

BILDQUELLE: FLICKR USER WWW.VPSI.ORG. 

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Kaufen und halten ist immer noch die beste Wette

Weitere Daten legen nahe, dass Buy-and-hold die beste Option ist. Die klugen Köpfe beim J.P. Morgan Asset Management haben sich die Daten von Lipper angesehen und die Rendite des S&P 500 zwischen dem 31. Dezember 1993 und dem 31. Dezember 2013 untersucht. Dabei haben sie eine sehr interessante Entdeckung gemacht.

Trotz zweier sehr drastischer Korrekturen von 49 % und 57 % machten die Investoren, die ihre Aktien etwa 5.000 Handelstage behielten mehr als 480 % Gewinn. Das ist eine Zahl, die langfristig die Inflation mit Leichtigkeit hinter sich lassen würde. Das führt zum Aufbau von wahrem Reichtum. Aber hier wird es erst interessant: Wenn du nur die besten 10 Handelstage während dieses Zeitraums verpasst hättest, dann wäre dein Gewinn von 483 % auf nur mehr 191 % gefallen. Hättest du die 30 besten Tage verpasst, würde deine Rendite auf weniger als 20 % fallen oder weniger als 1 % pro Jahr.

Die Daten legen nahe, dass die beste Möglichkeit, Wohlstand aufzubauen, darin besteht, seine Aktien lange zu halten. Der Versuch, den Markt zu timen, kann dazu führen, dass du einige der schlechteren Wochen verpasst, aber auch einige sehr starke. Diese wenigen, stärksten Tage auf dem Markt könnten bestimmen, ob du ein paar Jahre früher oder später in Rente gehen kannst.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und wurde am 18.01.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.