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Der Unterschied zwischen Geduld und Starrsinn

Foto: Pixabay, Alexandria

Eine der größten Schwierigkeiten beim Investieren besteht darin, die Balance zwischen zwei Dingen zu finden:

  • Perioden durchzustehen, die gerade nicht deinen Vorstellungen entsprechen.
  • Zu erkennen, dass deine Sichtweise falsch ist und sie hinter dir zu lassen

Das ist der Unterschied zwischen Geduld und Starrsinn und er kann den Unterschied zwischen Reichtum und Ruin ausmachen.

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Bill Ackman wettete vor gut drei Jahren gegen Herbalife. Die Sache ging nicht gut. Die Aktie stieg im letzten Jahr um 50 % und steht jetzt 35 % höher als zum Zeitpunkt, als er seine Shortposition öffentlich gemacht hatte.
Aber Ackman gibt nicht nach. Er sagt, der Markt würde das Geschäftsmodell von Herbalife nicht verstehen. Er hingegen verstehe es, denn er und seine Analysten haben Jahre damit zugebracht, das Unternehmen zu untersuchen. Das Wall Street Journal berichtete (Hervorhebungen des Autors):

Nachdem er seine Wette gegen Herbalife 2012 öffentlich gemacht hatte, sagte Mr. Ackman, er habe mehr als 50 Millionen USD für Recherche ausgegeben, bevor er die negative Sicht seines Fonds auf Herbalife öffentlich gemacht habe. Er hat ein Team von Lobbyisten und Beratern engagiert, um mehrere Politiker und Regulierungsbehörden zu kontaktieren und um Untersuchungen einzuleiten.

Fünfzig Millionen Dollar Kosten für Recherche und drei Jahre Due Diligence für ein Unternehmen. Das ist eine Menge Geld, selbst für einen Hedgefonds.

Ich habe keine Ahnung, ob Ackman richtig liegt. Aber ich weiß, dass es schwer ist, sich seinen Fehler einzugestehen, nachdem man so viel Zeit und Geld in eine Idee gesteckt hat. Der Druck, alles zu ignorieren, das gegen das spricht, was man gerade versucht zu beweisen, wäre riesig. Das nährt die Starrsinnigkeit, denn seinen Fehler zuzugeben würde bedeuten, dass all die Jahre Arbeit verloren wären. Und das tut weh.

Das ist ein großes Problem beim Investieren. Analysten möchten gründlich sein, gut recherchieren und ihre Investitionen und Theorien verstehen. Aber diese Anstrengungen können dazu führen, alles andere auszublenden und das könnte gefährlicher sein, als gar nicht zu recherchieren.

Es ist leicht, sich selbst davon zu überzeugen, was man verzweifelt glauben möchte. Man kann sich an die Daten klammern, die beweisen, dass man recht hat und alle Informationen ignorieren, die beweisen, dass man im Unrecht ist. Besonders wenn man schon viel Mühe aufgewendet hat. Das kann nicht nur dazu führen, dass man sich irrt, sondern auch dazu, dass man diesen Irrglauben auch noch selbstbewusst vertritt. Und das kann einem zum Verhängnis werden. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das dazu fähig ist. In ihrem hervorragenden Buch Mistakes Were Made (But Not By Me), schreiben Carol Tavris und Elliot Aronson:

Ein Hund mag reumütig erscheinen, wenn er dabei erwischt wurde, auf den Teppich gepinkelt zu haben, aber der Hund wird nicht versuchen sich dafür zu rechtfertigen. Der Mensch denkt. Und weil wir denken [und uns selbst Geschichten erzählen,] entzieht sich unser Verhalten der Logik von Belohnung und Bestrafung und widerspricht auch oft dieser Logik.

Charlie Munger beschrieb einmal, was passiert, wenn man zu sehr auf seiner Meinung beharrt:

Leute, die es nicht schaffen, den Prozess des Leugnens zu meistern, gehen oft pleite. Sie sind ein enormes Engagement eingegangen. Sie haben Mühe und Geld investiert und je mehr sie investieren, desto mehr lässt das Prinzip der Konsequenz sie glauben: „Jetzt muss es funktionieren. Wenn ich nur ein bisschen mehr investiere, dann wird alles gut.” So gehen die Leute pleite, denn sie können nicht innehalten, alles nochmal überdenken und sagen: „Ich kann mir diesen Verlust leisten und werde es ein anderes Mal nochmal versuchen. Ich muss dieser Besessenheit nicht weiter folgen, die mich zerstören wird.”

Wie würdest du diese Falle vermeiden?

Das ist schwer zu sagen. Aber hier ist ein Gedanke, der dir helfen könnte, solche Fehler zu vermeiden: Vermeide Investitionen, die so vage Vorzüge bieten, dass ein Team von Harvard-Absolventen drei Jahre und 50 Millionen USD brauchen, um es zu verstehen.

Ich sehe immer wieder Leute, deren Meinungen beim Investieren religiösem Eifer gleichen. Sie glauben so stark an diese Sicht der Dinge, dass sie wirklich nicht verstehen können, warum man anderer Meinung sein könnte. Die Grundlage dessen ist normalerweise ein jahrelanges Studium der Materie, was den Eindruck von Wissen erweckt, aber auch nur eine Supernova von Denkfehlern und Selbsttäuschung sein könnte. „Expertise ist gut.” sagte der Investor Dean Williams einmal. „Aber sie hat eine unangenehme Nebenwirkung: Sie führt zu der Unfähigkeit, andere Meinungen zu akzeptieren.”

Der Schlüssel dazu ist es zu erkennen, dass es einen Unterschied zwischen einer günstigen Situation und dem eigenen Eifer gibt. 1996 wurde Munger einmal gefragt, welche Discounted-Cashflow-Modelle Warren Buffett erstelle, bevor er in ein Unternehmen investiert: „Ich habe noch nie gesehen, dass er so etwas gemacht hätte.” antwortete Munger. Buffett fügte hinzu: „Das stimmt. Wenn der Wert eines Unternehmens einen nicht anspringt, dann ist die Sache zu eng.” Sobald genaue Berechnungen notwendig werden, befindet man sich schon auf dem besten Weg, das zu bestätigen, was man auch immer glauben möchte – und das alles oft nur, weil man den eigenen Aufwand rechtfertigen möchte.

Viele von Buffetts besten Investitionen sind schnell passiert, innerhalb von ein paar Tagen zwischen Entdeckung und Kauf. Das liegt teilweise daran, dass er seit 70 Jahren investiert, daher hat er schon sehr viele Informationen im Kopf. Aber es liegt auch daran, dass er nur investiert, wenn die Idee dahinter so klar und offensichtlich ist, dass es nicht nötig ist, die Sache zu verkomplizieren.

Du und ich sind aber nicht Warren Buffett. Aber die Logik, nur dann zu kaufen, wenn die Sache unmissverständlich klar ist, können wir alle von ihm lernen. Die Sache ist dann klar, wenn du nicht emotional daran hängst, weil du nicht viel Zeit deines Lebens investiert hast und trotzdem die Aussichten auf eine gute Performance langfristig gegeben sind.

Costco  (WKN:888351) bietet einen Service, den die Leute mögen. Kapitalistische Wirtschaftssysteme tendieren dazu, sich weiterzuentwickeln. Diese Dinge sind offensichtlich und werden mit hoher Wahrscheinlichkeit auch funktionieren. Niemand muss Jahre seines Lebens damit verbringen, Recherche zu betreiben, nur um das zu bestätigen. Daher ist man auch nicht auf Lebenszeit mit der Aktie verheiratet und kann seine Meinung ändern, wenn sich die Fakten ändern.

Der Psychologe Phil Tetlock verbrachte sein Berufsleben damit, Leute zu studieren, die gut, Dinge vorhersagen konnten. Diese hatten einen Charakterzug: Die Fähigkeit und den Willen, seine Meinung zu ändern, wenn sich die Fakten ändern. Und was ist ein Charakterzug von Leuten, die schlechte Vorhersagen machen? Extreme Hingabe an eine große Idee.

Du solltest keine deiner Meinungen so liebgewinnen, dass du dich nicht von ihr abwenden kannst, wenn sich die Fakten ändern oder du erfährst, dass du Unrecht hattest. Die Welt ändert sich und niemand weiß, was da draußen auf uns wartet. Aber sobald jemand sein Leben einer einzigen Idee widmet, wird er immer an sie glauben, egal wie falsch er damit liegen mag.

 

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Motley Fool besitzt und empfiehlt Costco.
Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und wurde am 06.01.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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