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Gerry Weber: Sollte man auf die Insider hören?

Quelle: Wikimedia Commons

Insider haben laut finanzen.net seit dem 12.06.2015 Gerry Weber (WKN:330410) Aktien im Wert von 10,7 Mio. Euro gekauft. Das zeigt, dass sie von ihrem Unternehmen überzeugt sind und es für unterbewertet halten. Doch was soll man als Foolisher Investor davon halten? Lass uns Gerry Weber und einige der jüngsten Entwicklungen bewerten und sehen, ob das Unternehmen ein Kauf ist oder nicht.

Kehren neue Besen wirklich besser?

Der Produktvorstand Arndt Buchardt ist am 06.11.2015 aus eigenem Wunsch aus dem Vorstand ausgeschieden. Erst einen Monat früher, am 5. Oktober, wurde Norbert Steinke (CEO von Hallhuber) neues Vorstandsmitglied als Chief Retail Officer. Bei Hallhuber konnte Herr Steinke den Umsatz und die Ladenflächen seit seinem Antritt 2009 verdoppeln, wodurch der Wechsel erstmal als positiv gewertet werden kann. Das Management muss trotzdem erst beweisen, dass es Prognosen erfüllen kann.

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Vor- und Nachteile des Einzelhandelsgeschäfts

Um im hart umkämpften Textilmarkt zu bestehen, setzt der Vorstand verstärkt auf den Ausbau des Einzelhandelssegments, da die Gewinne nicht mit Zwischenhändlern geteilt werden müssen und der Warenfluss besser kontrolliert werden kann. Als Vorbild dient der Modekonzern Hugo Boss (WKN:A1PHFF) aus Metzingen.

Der Nachteil besteht darin, dass im Einzelhandel die Mieten, Personalkosten und Investitionen, anders als im Großhandel, selbst getragen werden müssen. Ein Konjunkturrückgang drückt dann, aufgrund der hohen Fixkosten, das Ergebnis entsprechend nach unten. Dies war der Fall bei Hugo Boss im 3. Quartal. Da man sich aber nicht als Luxusmarke in Bestlagen präsentieren muss, sind die Kosten und das Risiko entsprechend niedriger als bei Hugo Boss.

Warum Hallhuber übernommen wurde

Gerry Weber konzentriert sich auf die Zielgruppe 50 + (im Marketing auch „Best Ager“ genannt) und profitiert damit zukünftig von der demographischen Entwicklung. Da aber auch diese Generation immer internetaffiner wird und sich jugendlicher kleiden möchte, verliert man Marktanteile an die Konkurrenz. Um dem entgegenzuwirken wurde Ende 2014 das Münchener Textilunternehmen Hallhuber gekauft, um eine jüngere Zielgruppe anzusprechen. Seit der Übernahme hat Hallhuber 12,6 % zum Gesamtumsatz beigetragen, aber durch höhere Abschreibungen fast nichts zum Gewinn.

Durch die Akquisition sollten sich Synergien im gemeinsamen Einkauf heben lassen und die Kundenstruktur etwas diversifizierter werden.

Kein Burggraben vorhanden …

Ein Burggraben ist laut Warren Buffett ein Wettbewerbsvorteil, den das Unternehmen gegenüber seinen Konkurrenten hat, z. B. die Markentreue von Apple. Gerry Weber ist im gefährlichen mittleren Segment positioniert und spürt den Kostendruck von Billiganbietern wie Primark sowie Onlinehändlern wie Zalando (WKN:ZAL111). Eine starke Marke hat Gerry Weber ebenso wenig wie einen Größenvorteil im Einkauf oder Produktion, wie z. B. Inditex (WKN:A11873). Ich sehe dadurch keinen Wettbewerbsvorteil, den ich gerne als Foolisher Investor hätte.

Fazit

Durch die Berufung von Norbert Steinke als neuen Retail Vorstand und die Übernahme von Hallhuber wurden Schritte in die richtige Richtung gemacht. Da aber kein Wettbewerbsvorteil besteht, die Integration von Hallhuber noch nicht ganz abgeschlossen ist und die Risiken der Einzelhandelsstrategie nicht genau berechenbar sind, sollte man meiner Meinung nach Gerry Weber vorerst meiden.

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Andrei Sarasan besitzt Aktien von Gerry Weber. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien. 

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