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Warum Royal Dutch Shell und Glencore auch 2016 Probleme haben werden

Es ist nicht verwunderlich, dass Shell (WKN:A0D94M) und Glencore (WKN:A1JAGV) im Lauf des Jahres den Zorn der Märkte zu spüren bekommen haben. Die beiden Giganten des FTSE haben seit Januar jeweils 34 % und 73 % ihres Börsenwertes verloren, während die Rohstoffpreise in den Keller gerauscht sind.

Da die Preise für Energie und Metall auf ein Niveau abgerutscht sind, das wir seit der Finanzkrise 2008/ 2009 nicht mehr gesehen haben, sind die Analysten in der Londoner City natürlich davon überzeugt, dass beide Unternehmen 2015 starke Gewinneinbußen hinnehmen müssen. Bei Glencore wird der Verlust auf 61 % geschätzt, bei Shell auf 40 %.

Aber trotzdem glauben die Analysten, dass beide Unternehmen vor einer soliden Erholung nach dem annus horribilis 2015 stehen – Shell soll im nächsten Jahr um 7 % zulegen, während die Gewinne bei Glencore um ganze 19 % ansteigen sollen.

Es wird Turbulenzen geben

Ich bin weit davon entfernt zu glauben, dass es mit Glencore oder Shell in naher Zukunft wieder aufwärts gehen wird.

Vorletzte Woche erst fiel der Ölpreis der Sorte Brent auf ein Sechseinhalbjahrestief von etwa 37 USD pro Barrel und weitere Verluste sind ganz und gar nicht ausgeschlossen. Das Industriekartell OPEC, das für 40 % des weltweiten Angebots verantwortlich ist, fördert weiterhin auf einem Niveau, das man seit Jahren nicht gesehen hat, während die globale Nachfrage es nicht schafft die übervollen Lager zu leeren.

Goldman Sachs behauptete heute, dass die Preise für das „schwarze Gold” bis auf 20 USD fallen könnten, bevor die Produzenten dazu ermutigt werden könnten, den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Solch ein Szenario ist natürlich alles andere als gut für Shell – das Unternehmen hat zwischen Juli und September dank fallender Ölwerte einen Nettoverlust von 7,4 Milliarden USD erlitten.

Trotz Diversifizierung ist auch Glencore dieser Situation ausgeliefert, da alle größeren Rohstoffklassen, mit denen Glencore handelt, von dem aktuellen Angebotsüberhang betroffen sind. Die Kupfer-Terminkontrakte bleiben über dem Mehrjahrestief bei 4.550 USD pro Tonne, während Zink, Nickel, Kohle und Aluminium in den letzten Wochen alle auf neue Tiefstände gesunken sind.

Zusätzlich wird der Dollar wahrscheinlich durch weitere Leitzinsanhebungen seitens der Federal Reserve an Wert gewinnen, was im nächsten Jahr und darüber hinaus weiteren Druck auf die in Dollar gehandelten Rohstoffe auszuüben wird.

Eine Gefahr für die Erholung

Bei den kollabierenden Rohstoffpreisen scheint es für beide Unternehmen vernünftig, die Schotten dicht zu machen und Geld zu sparen.

Shell hat 2015 seine kurz- und mittelfristigen Investitionsausgaben gekürzt. Teure Projekte wie das in der Arktis wurden im wahrsten Sinne des Wortes auf Eis gelegt. Unternehmensteile im Wert von Milliarden von Dollar wurden abgestoßen.

Bei Glencore wurden in den letzten Monaten Kupfer-, Nickel- und landwirtschaftliche Betriebsteile auf den Markt geworfen und deutliche Sparmaßnahmen eingeleitet. Glencore steckt gerade auch in einem Rechtsstreit und war gezwungen die Dividende zu kürzen, um die Bilanz aufzubessern.

Aber massive Kosteneinsparungen und Veräußerungen werden dem langfristigen Gewinnausblick von Shell oder Glencore wohl kaum helfen. Und somit sind beide zu geringem Wachstum verdammt, wenn die Rohstoffpreise irgendwann wieder steigen.

Da die Rohstoffpreise wahrscheinlich noch weiter einbrechen werden, glaube ich, dass beide Unternehmen nur wenige Anreize für wachstumshungrige Investoren bieten.

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The Motley Fool UK empfiehlt Royal Dutch Shell B.

Dieser Artikel wurde von Royston Wild  auf Englisch verfasst und wurde am 18.12.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.