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3 Vorhersagen für 2015, die komplett falsch waren

Foto: The Motley Fool

„Es ist schwer, Vorhersagen zu machen, besonders wenn es um die Zukunft geht.” Dieses Zitat wird Yogi Berra zugeschrieben (der vor drei Monaten nicht gestorben ist). Und er hat nicht Unrecht. Ich würde noch hinzufügen, dass es noch schwerer ist, wenn man wirtschaftliche Prognosen stellt. Hier sind drei Prognosen für 2015 zu Zinssätzen und Öl, die die Wall Street jetzt ziemlich dumm aussehen lässt (das wollen wir doch ab und zu auch mal sehen, oder?)

Zuerst ein Hinweis zur Methodik: Wie definiere ich die „Wall Street”? Ich habe mir die Prognosen von vierzig Banken, Investmentbanken und Forschungsfirmen für Dezember 2015 angesehen, die bis 1. Januar getroffen wurden und habe den Durchschnittswert genommen. Die rohen Daten kommen aus der monatlichen Economic Forecasting Survey des Wall Street Journal.

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Öl: Brent roh (globaler Richtwert)

tatsächlich* Wall Street Konsensprognose (Median) Wall Street Prognosebereich
Barrel Öl (Brent) 40,67* USD 65 USD 50-85 USD

*ICE JANUAR 2016 TERMINKONTRAKT AM 7. DEZEMBER. QUELLE: BERECHNUNGEN DES AUTORS, WALL STREET JOURNAL, ICE

Beim Ölpreis kann der aktuelle Konsens mit drei Worten zusammengefasst werden: „tiefer und länger”. Kein Wunder. Jetzt traut sich keiner, was anderes zu sagen.

Ende Dezember 2014 war der Ölpreis seit dem 2014er Hoch um mehr als die Hälfte auf 55 USD gefallen. Natürlich könnte auf solch einen Absturz ein Anstieg folgen, eine Korrektur nach oben sozusagen. Und den gab es dann auch – im ersten Halbjahr: Am 1. Juli stand der Ölpreis bei 61,65 USD, nicht weit vom prognostizierten Wert von 65 USD.
Diese Vorhersage ging dann in der zweiten Jahreshälfte in Rauch auf. Der Ölpreis fiel um etwa ein Drittel auf etwa 40 USD (siehe Grafik unten). Am Dienstag letzter Woche fielen der Rohölpreis pro Barrel Brent und die US-Ölfutures unter die Marke von 40 USD. Das stellt den tiefsten Wert seit Februar 2009 dar.

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Was hier so außergewöhnlich ist, ist nicht wie weit die Prognose daneben lag, sondern die Tatsache, dass der aktuelle Preis unter jeder einzelnen der vierzig Prognosen in meinem Beispiel lag.War das wirklich so schwer zu erahnen, dass der Ölpreis bei einem Stand von 55 USD unter 50 USD enden könnte? Das scheint mir eher ein Mangel an Vorstellungskraft zu sein.

Wo wird der Preis 2016 stehen? Der aktuelle Konsens für das Ende des nächsten Jahres liegt bei 55 USD pro Barrel, aber einige Analysten sind dieses Jahr etwas mutiger. Im September senkte Goldman Sachs die Prognose für die Sorte West Texas Intermediate von 57 USD auf 45 USD, merkte aber auch an, dass der Preis bis auf 20 USD pro Barrel fallen könnte.

Kurzfristige Zinsen: Der Leitzins der Fed

tatsächlich* Wall Street Konsensprognose (median) Wall Street Prognosebereich
Fed Rate 0,25 % – 0,50 % 1,00 % 0,13 % – 1,75 %

*STAND 7. DEZEMBER 2015 FED FUND FUTURES. BERECHNUNGEN DES AUTORS, WALL STREET JOURNAL, CME GROUP

Ich kann mich an kein Thema erinnern, das jemals so viel Zeit, Energie und (gut bezahlte) Ressourcen an der Wall Street in Anspruch genommen hätte als die Vorhersage der ersten Leitzinsanhebung nach der Finanzkrise. Trotz all dieser Bemühungen lag die Wall Street auch hier daneben und war deutlich früher dran als die Verantwortlichen.
Der Konsens erwartete einen Leitzins von 1 % im Dezember, was mehrere Erhöhungen erfordert hätte, aber es kam anders und seit 16. Dezember wissen wir auch, wie diese Geschichte endet.

Der Markt erwartete einen Anstieg von einem Viertelprozentpunkt, was die effektive Fed Rate auf ein Niveau zwischen 0,25 % und 0,50 % heben würde. (Das nächste Treffen der FOMC findet Ende Januar statt.) Aber warum konnte die Wall Street sich so irren? Es scheint, als hätte die Street die vernünftigen Arbeitsmarktzahlen (mit einer Prognose der Arbeitslosigkeit von 5,1 % im Dezember verglichen mit der tatsächlichen Rate von 5 % im November) falsch interpretiert und wäre zu aggressiv mit ihren Erwartungen bezüglich des Wirtschaftswachstums gewesen. Sie hatten 2,8 % bis 3 % vorhergesagt, am Ende des dritten Quartals waren es dann nur 2,2 % gewesen.

(Sie hatten die Schlappe bei den Rohstoffen und in den Schwellenländern in diesem Ausmaß nicht erwartet, genauso wenig wie die Probleme im Sommer in China.)

Langfristige Zinssätze: Rendite für 10jährige Staatsanleihen

tatsächlich Wall Street Konsensprognose (median) Wall Street Prognosebereich
10jährige Staatsanleihen 2,24 % 2,75 % 1,80 % – 3,75 %

QUELLE: BERECHNUNGEN DES AUTORS, WALL STREET JOURNAL, BLOOMBERG

Die Rendite für 10jährige amerikanische Staatsanleihen ist ein weltweiter Richtwert: Sie ist der erste Baustein bei der Ermittlung der angemessenen Zinsen für Risikokapital.

Bei einer 10jährigen Rendite von 2,17 % am Silvester letzten Jahres erwartete die Wall Street voller Zuversicht, dass die langfristigen Zinssätze wieder auf 3 % steigen würden – das war damals die weit verbreitete Meinung. Diese Konsensprognose erwartete eine Rendite von 2,75 % im Dezember 2015.

Aber der Markt hat die Angewohnheit, sich nicht an solche Orakelsprüche zu halten. Nur einen Monat später sahen diese Prognosen schon ganz anders aus, da die Rendite auf 1,64 % gefallen war und das stellte sich dann auch als das Tief des Jahres heraus.

Wie der folgende Graph zeigt, erreichte die Rendite dieses Jahr niemals die Marke von 2,5 % (die rote Linie stellt die Konsensprognose von 2,75 % dar). Letzte Woche lag der Zinssatz bei 2,24 %, was praktisch derselbe wie vor einem Jahr ist.

(Falls du dich jetzt fragst, die aktuelle Konsensprognose für den nächsten Dezember liegt bei 2,70 %.)

Die Weisheit der Masse?

Ich würde niemals von einem Experten erwarten, bei den Prognosen der Wirtschaftsindikatoren 100 % richtig zu liegen. Aber selbst die Prognosen von vierzig davon führten nur zu einem mittelmäßigen Resultat in unseren angeführten Beispielen. Vielleicht sind vierzig einfach nicht genug.

Es gibt noch eine mögliche Erklärung: Der Autor von The Wisdom of Crowds und ehemalige Fool-Autor James Surowiecki forderte die nötigen Bedingungen, damit sich solche Weisheit entwickeln kann, darunter verschiedene Meinungen, Unabhängigkeit und Dezentralisierung. Die Wall Street kann keines der drei Kriterien wirklich erfüllen. An dieser Stelle möchte ich einen Ausdruck von Harold Rosenberg erwähnen. Die Experten an der Wall Street sind “eine Herde voller unabhängiger Geister”.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Alex Dumortier, CFA  auf Englisch verfasst und wurde am 13.12.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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