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Finanzberatung, wie sie sein sollte…

Tausende von Investoren diskutieren auf Twitter und CNBC miteinander. Sie wollen zeigen, warum sie Recht haben und die anderen Unrecht. Jeder ist dabei auf der Jagd nach demselben Gut: Der richtigen Antwort, oder in unserem Fall, dem besten Ratschlag für die Kunden.

Aber die Wahrheit ist: Sie existiert nicht. Um das zu verstehen, sehen wir uns an, wie sich die Beziehung zwischen Arzt und Patient in den letzten 30 Jahren gewandelt hat.

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Jahrzehntelang war es eine Beziehung mit klaren Richtlinien: Der Arzt trifft die Entscheidung, der Patient tut das, was man ihm sagt. Es wurde nicht verhandelt. Der Arzt und Autor Atul Gawande schrieb in seinem Buch Complications:

Die Ärzte haben wiederholt Informationen zurückgehalten – oft handelte es sich dabei um wichtige Informationen, wie welche Medikamente ihnen gerade gegeben worden waren, welcher Behandlung sie unterzogen worden waren und was ihre Diagnose war. Den Patienten war es sogar verboten, ihre eigenen Krankenakten zu lesen. Die Ärzte sagten, es wäre nicht ihr Eigentum. Sie wurden wie Kinder behandelt. Zu zerbrechlich und mental zu beschränkt, um mit der Wahrheit umgehen zu können, ganz zu schweigen davon, Entscheidungen zu treffen.

Aber das alles sollte sich ändern und es begann im Jahr 1984 mit dem Buch The Silent World of Doctor and Patient. In diesem Buch argumentiert der Ethiker Jay Katz, dass medizinische Entscheidungen etwas sehr Persönliches sind. Daher sollte der Patient genau so in die Entscheidungsfindung eingebunden sein wie der Arzt.

Ein wichtiger Punkt ist, dass es keine richtigen Antworten in der Medizin gibt. Die laut Lehrbuch beste medizinische Entscheidung könnte falsch sein, sobald man die persönlichen Emotionen und Ziele miteinbezieht.

Nehmen wir an, wir hätten zwei Menschen mit derselben Art Krebs. Der eine wird vielleicht der Krankheit alles entgegensetzen wollen, wozu er im Stande ist. Der andere könnte dagegen sein Schicksal in die Hände von Mutter Natur legen. Beide Entscheidungen sind die richtigen für den jeweiligen Patienten. Das war den Medizinern aber fremd, die annahmen, dass alle Patienten die Behandlung mit den besten Erfolgsaussichten wollten. Das Buch veränderte auf tiefgreifende Weise, wie an den medizinischen Fakultäten das Verhältnis von Arzt und Patient gelehrt wird.

Die neue Beziehung ist eine Partnerschaft. Ärzte stellen eine Diagnose und zeigen die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, Risiken usw. auf. Aber dann kommt der wichtigste Teil des Gespräches, wenn der Patient gefragt wird: „Wofür entscheiden Sie sich?” Die Entscheidung liegt beim Patienten, genauso wie es sein soll.
Beim Investieren braucht man einen ähnlichen Moment der Klarheit.

Finanzberater, besonders die Vermögensmanager waren einmal Gurus. Sie zierten die Titelseiten von Magazinen. Sie trafen Entscheidungen. Und die Anleger taten, was ihnen gesagt wurde.

Aber die eigenen Finanzen sind eine zutiefst persönliche Sache. Ein Finanzberater kann Empfehlungen geben, Risiko und Rendite erläutern. Aber dann sollte dieselbe Frage kommen, die ein Arzt auch stellen sollte: „Was möchten Sie?” Die Entscheidung sollte auch hier beim Anleger, bei dir, liegen.

Das Problem ist: Finanzberater handeln nicht immer so.

Als bei Steve Jobs Krebs diagnostiziert wurde, verweigerte er eine Operation, die den Ärzten zufolge hohe Erfolgsaussichten hatte. „Ich wollte meinen Körper nicht aufschneiden lassen… ich wollte nicht so misshandelt werden.” sagte er in seiner Biografie Walter Isaacson. Jobs versuchte es stattdessen mit einer Ernährungsumstellung. Die Leute respektieren das. Es war seine Entscheidung. Aber dieselben Leute werden dich in Grund und Boden argumentieren, wenn du andere Aktien aussuchst oder deine Mittel anders aufteilst, als sie vorgeben.

Das ist doch verrückt.

Jeder, der Finanzberatung gibt, sollte erkennen, dass Geld eine emotionale Sache ist und dass nicht alle Leute gleich ticken.

Ich habe ein Viertel meines Vermögens in Barmitteln und ich bin noch einigermaßen jung. Die meisten von euch werden jetzt den Kopf schütteln. Laut Lehrbuch ist das furchtbar. Aber für mich funktioniert es. Es lässt mich nachts ruhig schlafen und ich weiß auch, was ich damit tun werde. Es ist die richtige Entscheidung für mich, selbst wenn es dir verrückt erscheinen mag.

Meine Eltern sind im Ruhestand und haben praktisch all ihr Geld in Aktien investiert. Wenige Finanzberater würden das empfehlen. Aber sobald meine Eltern das erklären, sieht man, dass es für sie funktioniert. Sie haben einen Plan und verstehen die Risiken. Es ist die richtige Entscheidung für sie.

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Fast jeder hat so eine Eigenart. Man managt sein Geld auf eine Art und Weise, die der eigenen Persönlichkeit entspricht und das kann man nicht in einer allgemein gültigen Formel zusammenfassen. Zwei rational denkende Menschen mit denselben Finanzen können zu komplett verschiedenen Schlussfolgerungen kommen, genau wie zwei verschiedene Leute mit demselben Krebs sich für radikal unterschiedliche Behandlungen entscheiden können. Je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetze, desto mehr erkenne ich, dass man den Leuten am besten hilft, indem man eine Lösung findet, die sie nachts gut schlafen lässt, anstatt einer, die akademisch höherwertig wäre.

Mein Freund Patrick O’Shaugnessy sagt, er würde einiges dafür bezahlen, wenn er das persönliche Portfolio eines jeden Finanzkolumnisten sehen könnte. Da bin ich ganz seiner Meinung. Das wäre auch ein ziemlicher Schock. Warum? Zum Teil, weil man sehen würde, dass sie die Produkte, die sie bewerben, gar nicht selbst kaufen. Aber man würde auch sehen, dass jeder so seine Eigenart hat, eine Position, für die man sich schämt, das Äquivalent eines Steve Jobs, der Krebs mit Gemüse kurieren will. Aber du solltest ihn deshalb nicht verurteilen. Du solltest nur eines erkennen: Es könnte für sie funktionieren und darauf kommt es schließlich an.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und wurde am 08.12.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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