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3 Gründe, warum Deutsche Bank, Commerzbank und Postbank mit paydirekt keine Bedrohung für Wirecard darstellen

Quelle: Melanie Brantl

Die großen deutschen Banken, unter anderem die Deutsche Bank (WKN:514000), die Commerzbank (WKN:CBK100) und die Postbank (WKN:800100), haben sich zusammen getan und einen gemeinsamen Bezahldienst ins Leben gerufen, der den Namen paydirekt trägt. Ziel ist es, Zahlungen im Internet direkt zwischen der Bank des Kunden und dem Händler ohne Drittanbieter abzuwickeln.

Genau so ein Drittanbieter für Zahlungsabwicklungen im Internet ist die Wirecard AG (WKN:747206), ein äußerst erfolgreiches Unternehmen auf diesem Gebiet. Der neue Bezahldienst der deutschen Banken und Sparkassen könnte also zur Bedrohung für wirecard werden.

Warum ich aber denke, dass Wirecard trotz paydirekt weiterhin auf der Erfolgsspur bleiben wird, möchte ich dir im folgenden Artikel genauer schildern.

1. Unattraktiv für Händler

Aktuell bieten nur knapp ein Dutzend Händler eine Bezahlung über paydirekt an:

Datenquelle: paydirekt.de

Quelle: paydirekt.de

Große und bekannte Namen von Onlineshops sind darunter nicht vertreten. Genau das wäre aber extrem wichtig, denn kaum eine Kunde wird sich wegen ein paar unbekannter Shops bei paydirekt anmelden.

Ein großes Manko bei der Akquirierung neuer Händler könnte die Beschränkung auf deutsche Banken sein – und damit auf deutsche Kunden.

Ein international tätiger, großer Onlineshop könnte paydirekt nur in Deutschland einsetzen, in Spanien beispielsweise bräuchte er einen anderen Zahlungsabwickler. Für die Händler bedeutet dies mehr Aufwand, mehr Verwaltung und unterm Strich auch mehr Kosten, wenn er mehrere Zahlungsabwickler benötigt.

Im Gegensatz zu paydirekt ist Wirecard global aufgestellt und kann seinen Kunden daher Bezahldienste rund um den Globus anbieten – aus einer Hand.

So vermeldeten die Münchner Vorstädter Ende 2014, dass zooplus, Europas führender Onlinehändler für Heimtierbedarf, ab sofort auf Lösungen von Wirecard für die Onlinebezahlungen setzt. Zooplus vertreibt seine Waren in über 20 Ländern Europas, kein Problem für Wirecard, trotz teilweise unterschiedlicher Währungen.

Wirecard beweist bereits seit Jahren, dass es große, namhafte Onlineshops wie zum Beispiel zooplus, sparhandy.de oder den Onlineshop von Triumph mit seinen Zahlungslösungen überzeugen kann. Paydirekt wird es mit seinem auf Deutschland beschränkten Kundenkreis sehr schwer haben, große, international tätige Onlinehändler vom Nutzen seines Bezahldienstes zu überzeugen.

2. Sicherheitsbedenken

Was für paydirekt sprechen könnte, ist der Sicherheitsaspekt. Die Banken werben damit, dass durch den Wegfall eines Drittanbieters der Sicherheitsfaktor besonders hoch ist. Das hört sich plausibel an, doch ob das besonders viele Kunden und Händler überzeugen wird, bezweifle ich allerdings – manche Banken äußern nämlich selbst Bedenken.

Denn auch wenn der Drittanbieter wegfällt, und somit eine Schnittstelle weniger geschützt werden muss, so hat auch paydirekt dafür Sorge zu tragen, dass im Prozess zwischen Händler und Bank keine Sicherheitslücken auftauchen. Und während die Commerzbank und die HypoVereinsbank bereits seit November 2015 paydirekt anbieten, zögern andere Institute wie die Sparkassen noch.

Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon begründete diese Verzögerung bei der Einführung von paydirekt damit, dass es noch Zeit brauche, die neuesten Verschlüsselungen ausgiebig zu testen. Auf den Hinweis, dass andere Banken den Dienst bereits für ihre Kunden anbieten, antwortete er: „Wenn jemand ein unsicheres System nutzen will, ist ihm das unbenommen.“

Sein eigenes System, das bereits einige seiner Partner den Kunden zur Verfügung stellen, als unsicher zu bezeichnen, ist wahrlich keine vertrauensfördernde Maßnahme – nicht für die Kunden und Händler, aber auch nicht für die anderen Banken, die bei paydirekt teilnehmen und es bereits freigeschaltet haben. Der Zusammenhalt der beteiligten Unternehmen scheint nicht besonders ausgeprägt zu sein, nicht unbedingt eine Tatsache, die die Erfolgschancen erhöht.

3. Wirecard ist zu breit aufgestellt

Paydirekt bietet außer der Bezahlung im Internet keine anderen Dienste oder Produkte an. Das muss nicht unbedingt schlecht für paydirekt sein, aber für Wirecard, das selbst wesentlich breiter aufgestellt ist, mindert diese Tatsache das Gefahrenpotential, das von paydirekt ausgeht.

Beispielsweise ist Wirecard im Bereich mobile Payment vertreten. Beim mobile Payment bezahlt der Kunde seine Waren oder Dienstleistungen im Geschäft nicht in bar oder mit der EC- oder Kreditkarte, sondern mit seinem Smartphone.

So konnte man Ende Oktober vermelden, den französischen Mobilfunkanbieter Orange bei der landesweiten Einführung seines mobilen Bezahldienstes Orange Cash mit der notwendigen Technik ausgerüstet zu haben. Orange Cash wird in Frankreich von mehr als 30.000 Einzelhändlern akzeptiert, unter anderem auch in dem in Deutschland bekannten Möbelhaus IKEA.

Im Bereich Issuing werden darüber hinaus durch die konzerneigene Bank, die Wirecard Bank AG, Girokonten, Prepaidkarten und ec/Maestrokarten an Privat- und Geschäftskunden ausgegeben.

Wie du siehst, ist Wirecard sehr breit aufgestellt. Diese breite Palette an Produkten macht das Unternehmen wesentlich unempfindlicher gegen Markteintritte neuer Konkurrenten in nur einem einzelnen Segment, wie aktuell zum Beispiel paydirekt im Bereich Onlinezahlungsabwicklung. Gerade im schnelllebigen Technologiebereich ist das eine nicht zu unterschätzende Eigenschaft eines Unternehmens!

Keine Sorgenfalten für Wirecard-Investoren

Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass sich paydirekt zu einer wirklichen Bedrohung für Wirecard entwickeln könnte. Es gibt für Händler einfach zu wenig Anreize, seinen Kunden paydirekt als Zahlungsmethode zu offerieren. Und ohne große Onlinehändler besteht auch für Kunden keine Notwendigkeit, sich bei den Banken für paydirekt zu registrieren.

Somit können wirecard und dessen Investoren gelassen auf das neue Bankenbündnis blicken, eine ernsthafte Bedrohung wird sich daraus in meinen Augen nicht entwickeln.

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Thomas Brantl besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der genannten Aktien.

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