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Die neue Merck KGaA: Größer, stärker und innovativer

Die Merck KGaA (WKN:659990) hat die 17 Milliarden Dollar schwere Übernahme des amerikanischen Laborausrüsters Sigma-Aldrich (NASDAQ:SIAL) endlich abschließen können. In der Zwischenzeit hat der Konzern eine völlig überarbeitete Identität mit neuen Organisationsstrukturen entwickelt, massiv in den Hauptsitz investiert und weitere strategische Weichenstellungen getroffen.

Wie das alles ineinander greift und wie genau Merck sich neu erfunden hat, um heute noch stärker dazustehen als je zuvor, erfährst du hier.

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Das Original will nicht mehr „die kleine Merck“ sein

Bereits seit einigen Jahren scheint Merck daran zu arbeiten, die amerikanische Merck & Co (WKN:A0YD8Q), welche sich außerhalb von Nordamerika MSD nennt und Anfang des 20. Jahrhunderts noch eine Tochtergesellschaft war, einzuholen – schließlich sei man „das Original“.

Während MSD sich ganz der Medikamentenentwicklung verschrieben hat, ist Merck einen anderen Weg gegangen. Unter der kontinuierlichen Führung von Karl-Ludwig Kley entwickelt sich das Unternehmen zu einem integrierten chemisch-pharmazeutischen Wissenschafts- und Technologieunternehmen mit offener Innovationskultur.

Der Weg zum offenen Wissenschaftskonzern

Das wenig forschungsintensive Generikageschäft wurde 2007 abgestoßen. Dafür wurden mit Serono (Biotechnologie, Schweiz, 2007), Millipore (Laborausrüster, USA, 2010), AZ Electronic Materials (Spezialchemie, Großbritannien, 2014) und jetzt Sigma-Aldrich vier Unternehmen aus dem Bereich der absoluten Spitzentechnologie in den Konzern geholt. Mit zusätzlichen kleineren Zukäufen wie zuletzt der israelischen Qlight Nanotech wird die Verteidigung der Technologieführerschaft sichergestellt.

Ein klares Zeichen für die neue Offenheit von Merck sind vielfältige strategische Allianzen, in denen das Unternehmen Technologie teilt und seinen Zugang zu schwierigen Märkten verbessert. Hierzu gehört die seit Ende 2014 bestehende weltweite Partnerschaft mit MSD-Konkurrent Pfizer (WKN:852009). Merck bringt dort Ergebnisse seiner Krebsmittelforschung ein, während die Amerikaner bei der Entwicklung, Zulassung und Vermarktung unterstützen.

Zuletzt machte der Pharma-Bereich immer noch gut die Hälfte des Konzernumsatzes aus. Durch die Stärkung des Life-Science-Segments entsteht in Zukunft ein ausgeglicheneres Bild.

Mit Sigma-Aldrich greift das Life-Science-Segment nach der Marktführerschaft

Sigma-Aldrich wird nun mit dem Millipore-Bereich zum Life-Science-Segment zusammengeführt, welches schätzungsweise 2015 auf einen gemeinsamen Jahresumsatz von über 5 Milliarden Euro kommt, nach zusammengerechnet rund 4,6 Mrd. im Vorjahr.

Normalsterbliche wie wir kommen mit den meisten der angebotenen 300.000 Produkten niemals in Kontakt – es sei denn,  du arbeitest in einem Labor eines Krankenhauses, einer Universität oder eines Pharmaunternehmens –, weshalb wir sie nur schwer verstehen können. Zumindest geht es mir so. Die in den Laboren tätigen Wissenschaftler vertrauen hingegen auf deren Reinheit und Effektivität.

Gemeinsam können Sigma und Millipore jetzt ein noch breiteres Spektrum dieser Produkte abdecken und durch eine effizientere Organisatonsstruktur auch erheblich Kosten einsparen. Im Bereich der Laborausrüstung ist nur Thermo Fisher Scientific (WKN:857209) noch etwas größer. Durch den starken Ausbau dieses Geschäfts gelang dem Konzern auch eine Art Rückwärtsintegration – schließlich dürften Mercks Pharma-Labore dort selbst Großkunden sein.

Zusammen mit dem forschungsstarken Pharmasegment und seiner weltweiten Spitzenstellung bei funktionalen Spezialchemikalien für Displays und andere Anwendungsfelder hat Merck damit nun drei kräftige Standbeine mit viel Zukunftspotenzial.

Ein starker Konzern für starke Segmente

Um die Schlagkraft des gesamten Konzerns zusätzlich zu erhöhen, investiert Merck am Hauptsitz in Darmstadt bis 2020 schrittweise rund eine Milliarde. Aushängeschild ist hierbei das Innovationszentrum, welches bis 2017 fertiggestellt werden soll.

Gleichzeitig wird die Transformation des Konzerns seit Kurzem auch durch eine völlig neue Selbstdarstellung deutlich gemacht. Eine prägnante und fast bildhafte Schriftart wird sowohl für den Markenschriftzug, als auch teilweise in der allgemeinen Kommunikation verwendet. Mit dem auffälligen breiten M-Logo – wie du es im Bild oben siehst – gelingt ein weltweit einheitlicherer Auftritt unter einer gemeinsamen Dachmarke für alle Bereiche.

Auf diese Weise werden die Grundlagen für eine langfristig positive Entwicklung des Konzerns gelegt.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Dass man bereits auf dem richtigen Weg ist, zeigt sich in den Quartalszahlen. Zuletzt vermeldete Merck Wachstum in allen Geschäftsbereichen und Regionen. Insbesondere Life Science und Performance Materials entwickelten sich mit +14,9 % bzw. +13,4 % ausgezeichnet. Insgesamt haben sich alle wichtigen Ertragszahlen verbessert, der Nettogewinn im letzten Quartal sogar um 46 % gegenüber dem Vorjahresquartal.

Vor allem dank des boomenden Geschäfts mit Flüssigkristallen für Displays wird mittlerweile auch mehr als jeder dritte Euro in der Asien-Pazifik-Region erwirtschaftet.

Zu beachten ist nebenbei, dass bis zum Ende des Geschäftsjahres nur noch 43 Tage von Sigma hinzugerechnet werden, sodass sich der Umsatzbeitrag auf rund 300 Mio. EUR beschränkt. Erst ab 2016 wird sich die Fusion daher voll in den Kennzahlen auswirken.

Fazit: Eine spannende Aktie mit guten Perspektiven

Die immer noch wesentlich größere und selbst kontinuierlich wachsende MSD kann umsatztechnisch wohl kaum jemals eingeholt werden. Aber auch Merck ist alles andere als eine Schlaftablette, sondern eher eine Hallo-Wach-Pille.

Die klare Strategie, herausragende Forschungsunternehmen zusammenzuführen und gegenseitig zu stärken, erscheint erfolgsversprechend. Merck hat hierfür zum Teil tief in die Tasche greifen müssen, dürfte aber langfristig von den guten Aussichten der Sparten profitieren.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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