The Motley Fool

Covestro auf die Probe gestellt: So gut ist das Bayer-Spin-off

Mit Covestro (WKN:606214) ist ein eigenständiger Kunststoffkonzern entstanden, in den wir seit Kurzem investieren können. Kurzfristig gedacht mag man bei der früheren MaterialScience-Division von Bayer (WKN:BAY001) eine Reihe von Einwänden finden können. Für foolishe langfristig orientierte Anleger könnte Covestro hingegen eine optimale Depot-Beimischung sein und wir sehen auch gleich, warum.

Einwand 1: Bayer hat seine unattraktivste Sparte abgestoßen

Richtig ist, dass die frühere MaterialScience in den letzten Jahren häufig geringere Gewinnmargen vorzuweisen hatte als die anderen Divisionen. Allerdings hat Bayer viel investiert, um seine Tochter vor dem Börsengang hübsch zu machen, wie nachfolgend noch genauer ersichtlich wird. Außerdem bleibt der Konzern mit 69 % der Stimmrechte als beherrschender Aktionär zumindest mittelfristig an Bord.

Einwand 2: Covestro ist abhängig von zwei Produkten

Wenn wir uns das Unternehmensprofil von Covestro anschauen, erfahren wir, dass das Unternehmen 53 % seines Umsatzes mit Polyurethan (PUR) und weitere 24 % mit Polycarbonat (PC) macht. Dreiviertel mit zwei Produkten – das hört sich nicht gerade nach Diversifizierung an.

Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass der Mutterkonzern diese beiden chemischen Produkte vor einer halben Ewigkeit erfunden hat und daraus eine Erfolgsgeschichte wurde, die bis heute anhält. Für beide Materialien werden ständig neue Varianten mit anderen Stoffeigenschaften gefunden.

Gleichzeitig vervielfältigen sich die Nutzungsmöglichkeiten. Bei Covestro ist man auch von der eigenen Stärke bei der gezielten Entwicklung für neue Anwendungsbereiche überzeugt. In diesem Sinne ist das Unternehmen nicht nur ein globaler Marktführer in den beiden Produktgruppen, sondern durchaus auch gut diversifiziert.

Einwand 3: Neue Materialien mit besseren Eigenschaften könnten auf den Markt kommen

Fast täglich kann man in der Fachpresse von neuen Materialien mit fantastischen Eigenschaften lesen. Von Metallschäumen, Flüssigholz, Graphen und vielem mehr ist dort die Rede. So entsteht eventuell die Befürchtung, dass der jahrzehntelange Aufstieg von PUR und PC irgendwann sein Ende finden wird.

Es ist anzunehmen, dass bei einzelnen Anwendungsgebieten gelegentlich alternative Materialien die Oberhand gewinnen können. Für mich schwer vorstellbar ist hingegen, dass solche Substitute bedrohliche Ausmaße annehmen – zu vielfältig sind die Zielmärkte. Hinzu kommen die hocheffizienten Herstellungsverfahren der Covestro-Kunststoffe, welche für neuartige Materialien erst einmal entwickelt werden müssten, um preislich konkurrieren zu können.

Covestro schreibt in seinem Wertpapierprospekt daher, dass eher mit weiteren Substitutionstrends zu Gunsten der hochwertigen technischen Polymere des Unternehmens zu rechnen ist als andersherum, auch wenn man das Risisko grundsätzlich im Auge behält.

Auf alle Fälle ist das verarbeitete Volumen bei diesen Werkstoffen so riesig, dass die Konkurrenz vermutlich viele Jahre benötigen würde, um genügend Fabriken hochzuziehen. Genug Zeit für Covestro, um zu reagieren.

Einwand 4: Die Chinesen und Araber werden die Margen kaputt machen

Die Konkurrenz aus Saudi Arabien kann auf besonders günstige Rohstoffe zurückgreifen, während chinesische Unternehmen dafür bekannt sind, über zu eifrigen Kapazitätsaufbau die Gewinnmargen ganzer Branchen nach unten zu drücken. Viele große Standorte von Covestro liegen hingegen in Hochlohn-Ländern, vor allem in Deutschland.

Covestro hält hier dagegen, dass die Wettbewerberstruktur auf absehbare Zeit stabil sein wird, Kapazitätserweiterungen habe man bereits antizipiert. Außerdem zählen die Produktgruppen, auf die sich Covestro konzentriert zu den technischen Polymeren. Diese erfordern spezielles Know-how, um im Markt erfolgreich bestehen zu können.

Ein aus meiner Sicht valides Argument ist auch, dass der wertmäßige Anteil am Endprodukt in der Regel gering ist. Dies hilft dem Unternehmen, auch unter wechselnden Marktbedingungen gute Margen durchzusetzen.

Selbst bei den Produktionskosten sieht sich Covestro im weltweiten Vergleich dank ausgefeilter Herstellungsprozesse und einem ausgewogenen globalen Produktionsnetzwerks an der Spitze.

Einwand 5: Covestro ist ein langweiliges Unternehmen

Ja, das kann man so sehen, aber das können wir durchaus als Pluspunkt verbuchen: Die Führung von Covestro tut alles für eine stabile Positionierung des Unternehmens.

Am besten lässt sich das bei der Innovationsstrategie erkennen. Anstatt völlig neue Märkte und Technologien anzupeilen, beschränkt man sich lieber systematisch auf Bereiche, die eine gewisse Verwandtschaft zum bestehenden Geschäft haben. So können die Forschungsmillionen sehr gezielt für gut einschätzbare Projekte investiert werden. Das Risiko für ein Scheitern wird minimiert.

Trotzdem gibt es im Covestro-Konzern einen Bereich, der durchaus für Überraschungen gut ist: Das dritte Segment ist ein Gemischtwarenladen mit Beschichtungen, Klebstoffen und anderen Spezialitäten. Dort entstehen ständig neuartige Produkte in profitablen Nischen, welche potenziell für einen Wachstumsschub sorgen können.

Einwand 6: Covestro ist ein hässlicher Name

Das ist richtig. Aber kannst du Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) richtig aussprechen?

Fazit: Covestro ist eine richtige Foolishe Aktie

Bayer hat vor dem Spin-off seine Hausaufgaben gemacht und seine Tochter sehr gesund aufgestellt. Die Fabriken von Covestro sind fast alle auf dem neuesten Stand und für die Zukunft gerüstet. Mit dem risikoaversen Innovationsmodell kann Covestro stetig neue Märkte entwickeln ohne ungewisse Abenteuer eingehen zu müssen.

Wer beim Anlegen Spannung und 100 % Aufwärtspotenzial in den nächsten 12 Monaten sucht, ist bei Covestro an der falschen Adresse. Aber wer nach auskömmlichen Dividenden strebt und ruhig schlafen möchte, liegt hier genau richtig: Die Planung sieht vor, 30-50 % des Nettogewinns an die Aktionäre auszuschütten, wobei zusätzlich auf Kontinuität geachtet werden soll. Somit bietet Covestro ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Profil.

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Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway.