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Warum ich die comdirect für ein attraktiveres Investment als die Commerzbank halte

Foto: Matt Koppenheffer

Würdest du in der Fußgängerzone nach einigen deutschen Banken fragen, würde mit Sicherheit in sehr vielen Antworten die Commerzbank AG (WKN:CBK100) vorkommen.

Aber macht sie das zu einer guten Investitionsmöglichkeit? Ich sage: nein! Doch es gibt eine interessante Alternative.

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Warum ich ihre kleine Tochter, die comdirect Bank AG (WKN:542800), für viel attraktiver halte als das bekannte Frankfurter Geldinstitut, möchte ich dir in den folgenden Zeilen genauer schildern.

Die Rentabilität

Um zu zeigen, welche der Banken rentabler ist, vergleiche ich die Eigenkapitalrenditen der beiden Institute in den letzen neun Monaten. Dabei kam die comdirect Bank laut S&P Capital IQ auf eine Eigenkapitalrendite von 12,9 %, die Commerzbank erreicht bei dieser Betrachtung nur 2,1 %.

Man muss der Commerzbank zugutehalten, dass sie ihr Geld hauptsächlich mit der Differenz aus erhaltenen und gezahlten Zinsen verdient, was aktuell durch die Niedrigzinspolitik fast aller Notenbanken ein hartes Geschäft geworden ist.

Im Zuge dieser Nullzinspolitik hat sich auch die Spanne zwischen gezahlten Zinsen und den erhaltenen Zinsen immer weiter verkleinert – und somit auch die Gewinnspanne der Banken.

Zum Beispiel zahlten die Banken Anfang 2010 ca. 1,5 % Zinsen für ein Tagesgeldkonto mit 5.000 Euro Einlage, während ein durchschnittliches, zehnjähriges Bauspardarlehen 3,25 % Zinsen brachte, eine Differenz von 1,75 %. Aktuell wird für ein Tagesgeldkonto mit 5.000 Euro ein Zins von 0,5 % gezahlt, ein zehnjähriges Bauspardarlehen würde noch ca. 1,0 % Zinsen einbringen. Die Differenz: jetzt nur noch 0,5 %.

Darunter haben Institute, die größtenteils auf die Einnahmen dieser Spanne angewiesen sind, zu leiden. Genau das macht der Commerzbank aktuell zu schaffen.

Die comdirect Bank verdient ihr Geld größtenteils im Brookeragebereich, ein Geschäftsmodell, das auch in Zeiten der Nullzinspolitik sehr lukrativ zu sein scheint!

Auch wenn ein direkter Vergleich wegen der unterschiedlichen Geschäftsmodelle etwas hinkt, so mag ich es trotzdem, wenn die Eigenkapitalrendite möglichst hoch ist. Daher sage ich beim Thema Rentabilität: Daumen hoch für die comdirect Bank. 12,9 % Eigenkapitalrendite sprechen eine klare Sprache!

Die Dividende

In Folge der Finanzkrise im Jahr 2008 hat die Commerzbank seitdem keinen Cent Dividende mehr ausgeschüttet. Ganz anders die comdirect Bank: Sie zahlt seit 2003 ununterbrochen eine Dividende, die derzeitige Rendite beträgt stattliche 3,6 %.

Die Dividende hat für Investoren den Vorteil, dass sie regelmäßig am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden, ohne Anteile verkaufen zu müssen. Das müsste man aber tun, um die Gewinne des gestiegenen Kurses realisieren zu können, wenn eine Aktiengesellschaft keine Dividende ausschüttet. Somit spart man sich als Anleger die Ordergebühr beim Verkauf.

Die Kunden

Beim Kundenwachstum können beide Geldinstitute durchaus überzeugende Zahlen vorlegen. Zuerst zeige ich euch die Entwicklung der comdirect Bank:

     2011      2012      2013      2014   2015 Q3
Kundenzahl  2.630.525  2.755.257  2.825.067  2.892.003  2.953.136
Jährliches Wachstum       4,7 %       2,5 %       2,4 %       2,1 %

Quelle: Geschäftsberichte comdirect Bank AG 2011 – 2015. 

Der stetige Anstieg der Kundenzahl zeigt mir, dass man mit attraktiven Angeboten neue Kunden gewinnen kann, aber auch, dass Bestandskunden gehalten werden können. Ich werte dies als Beleg für eine hohe Kundenzufriedenheit, was für die comdirect spricht.

Die Commerzbank hat laut eigenen Angaben rund 16 Millionen Kunden. Seit Ende 2012 konnte man über 750.000 Nettoneukunden im Privatkundengeschäft gewinnen. In diesem Punkt gehen die comdirect und die Commerzbank im Gleichschritt, beide konnten in den letzten Jahren ein erfreuliches Kundenwachstum vorweisen.

Die Anteilseigner

Der oder die Hauptanteilseigner können eine Aktie oft zu einem Kauf machen, wenn zum Beispiel ein besonders kluger, talentierter Geschäftsmann ein Unternehmen zum Großteil besitzt. Es kann aber auch sein, dass es genau anders herum ist.

Bei der Commerzbank ist der größte Anteilseigner mit knapp 18 % die Bundesrepublik Deutschland. Das Problem bei staatlichen Shareholdern ist, dass diese oftmals andere Interessen vertreten, als „normale“ Aktionäre eines Unternehmens. Dies kann die Gewinnverwendung, die Dividendenpolitik, oder politisch motivierte Firmenentscheidungen betreffen, weshalb ich diesen Punkt bei der Commerzbank negativ beurteile.

Bei der comdirect Bank ist der größte Anteilseigner mit knapp 82 % die Commerzbank. Der daraus resultierende, niedrige Streubesitz kann das Kaufen und Verkaufen zwar erschweren, weitere Nachteile für die Aktionäre sehe ich hier aber nicht.

Im Großen und Ganzen stellt die Mehrheitsbeteiligung kein Problem für die Investoren der comdirect dar, solange die Commerzbank nicht in ernsthafte Schwierigkeiten gerät. Im Gegenteil, die comdirect Bank AG kann durch die Verbindung zur starken Marke Commerzbank sogar profitieren.

Im Gegenzug profitiert die Commerzbank von den oben erwähnten, regelmäßigen Dividendenzahlungen der comdirct Bank. Dass die Commerzbank als Hauptanteilseigner auch weiterhin gerne diese Dividende erhalten möchte, ist für die restlichen Anteilseigner der comdirect Bank ein Stück Sicherheit, was die Dividendenzahlung betrifft.

Das Fazit

Bei der Commerzbank ist die Eigenkapitalrendite momentan sehr gering, ob sich das ändert, wird davon abhängig sein, wann und wie schnell die Leitzinsen wieder steigen.

Sehr schnell steigende Leitzinsen könnten die ohnehin schon niedrige Rendite sogar noch weiter schmälern. Kurz gesagt, aktuell ist mir ein Investment in die Commerzbank mit zu vielen Unwägbarkeiten verbunden.

Bei der comdirect erwirtschaftet man auch bei den derzeit niedrigen Zinsen eine ordentliche Eigenkapitalrendite, da man nicht so stark vom Zinsmarkt abhängig ist wie die Commerzbank. Auch in puncto Kundenzahlen vermag die comdirect mit einem konstanten Wachstum zu überzeugen.

Wegen des niedrigen Streubesitzes kann das Kaufen und Verkaufen herausfordernd sein, durch die regelmäßige Dividendenzahlungen sind Investoren aber nicht auf Verkäufe angewiesen, um am Erfolg der comdirect beteiligt zu werden.

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Thomas Brantl besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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