The Motley Fool

Donald Trump, Harry Truman und die Sache mit dem Scheitern

Foto: Flickr Nutzer Gage Skidmore

Donald Trump hat schon Unternehmen in den Bankrott getrieben. Und er ist verdammt stolz darauf.

Nachdem er dafür bei einem Vorwahltermin kritisiert wurde, feuerte Trump zurück:

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Zuerst einmal, wie jeder andere große Geschäftsmann… fast alle davon haben die Insolvenzgesetze zu ihrem Vorteil genutzt…

Ich habe hunderte von Unternehmen gegründet. Ich habe das Insolvenzrecht dreimal in Anspruch genommen, vielleicht auch vier Mal und das Ergebnis kann sich sehen lassen… Ich bin froh, dass ich es getan habe.

Viermal habe ich meinen Vorteil aus diesen Gesetzen gezogen und offen gestanden, das hat jeder in meiner Position.

Ich habe die Gesetze des Landes zu meinem Vorteil genutzt, tut mir leid.

Trump hat Recht. Insolvenz kommt relativ häufig vor. Mehr als 50.000 Unternehmen haben 2013 Insolvenz angemeldet. 2010 haben etwa genauso viele Leute Privatinsolvenz angemeldet, wie es Absolventen eines Bachelor-Studienganges gab (1,6 Millionen). Den Amerikanern scheint es zu gefallen, eine zweite Chance zu bekommen.

Aber sie waren da nicht immer so ungeniert wie Trump beschreibt. Ironischerweise hat ein ehemaliger Präsident ein Viertel seines Lebens im finanziellen Ruin verbracht, denn er weigerte sich, das Insolvenzrecht in Anspruch zu nehmen.

Zwanzig Jahre bevor er Präsident wurde, besaß Harry Truman ein Geschäft für Herrenmode. Eine Zeitlang lief es gut, aber während der Rezession 1921 brach der Umsatz ein.

Truman versuchte es mit Rabatten: „Kauft eure Herrenausstattung bei uns zu neuen Preisen” stand auf einem Schild an der Kasse. “IHR werdet euch über die stark reduzierten Preise freuen. WIR freuen uns über mehr Geschäft.”

Aber es funktionierte nicht. Das Unternehmen scheiterte 1922 und rutschte tief in die roten Zahlen.

Aber Truman und seine Partner meldeten das Unternehmen nicht insolvent. Wie David McCullough in der Truman-Biographie schrieb, zahlten sie freiwillig ihre Schulden ab – selbst Jahrzehnte nachdem das Geschäft schon geschlossen war:

Nach langer Überlegung entschieden sich die Partner, nicht Insolvenz anzumelden – und damit ihre Schulden loszuwerden – sondern ihre Gläubiger so gut sie konnten zu bezahlen, nach und nach über einen langen Zeitraum hinweg…

Fünfzehn Jahre nach Schließung des Geschäftes zahlte Harry immer noch und war infolge dessen zwanzig Jahre lang knapp bei Kasse.

Truman und seine Partner hielten es für unmoralisch, ihre Gläubiger auf den Schulden sitzen zu lassen. Das Scheitern des Ladens war die Schuld der Eigentümer und nicht die Schuld der Gläubiger. Die Schulden wurden zurückgezahlt, egal wie lang es dauern würde. 2012 zahlte die Truman-Bibliothek sieben Dollar, die der ehemalige Präsident angeblich seit 1947 einem Zeitungsausträger schuldete.

Wie oft findet man so etwas heute noch? Schwer zu sagen. Aber eines wissen wir mit Sicherheit: Insolvenzfälle waren zu Trumans Zeiten deutlich seltener als heute.

Die Zahl der Privatinsolvenzfälle pro Einwohner ist heute mehr als 80mal höher als vor 100 Jahren.

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Von 1960 bis 2004 wuchs die amerikanische Wirtschaft um durchschnittlich 3,4 % pro Jahr, während die Insolvenzfälle um mehr als 8 % pro Jahr anstiegen.

Hier sind ein paar Gründe dafür.

Insolvenz ist heute ein ziemlich geregelter Prozess. In den meisten Fällen meldet man den Insolvenzfall, die Kreditwürdigkeit ist damit ruiniert und die Sache ist durch.

In der Vergangenheit bedeutete der Bankrott, dass die Existenz der Schuldner zerstört wurde. Die Richter beschlagnahmten alle Werte der Schuldner mit solcher Gnadenlosigkeit, dass sie fast Hunger leiden mussten. In seinem Buch über das Leben in den 30er Jahren schrieb Frederick Lewis Allen über Gemeinden, die dadurch so sehr verarmt waren, dass „die Meute den Richter aus seinem Gerichtssaal schleifte, ihn verprügelte und ihn am Hals aufhing, bis er das Bewusstsein verlor – und all das, weil er das Gesetz durchsetzte.”

In seiner Schilderung der Großen Depression beschreibt der Anwalt Benjamin Roth, wie die Nachbarn bei Zwangsversteigerungen erschienen, um beschlagnahmte Güter günstig zu kaufen und sie ihrem ehemaligen Besitzer zurückzugeben. „Die wütenden Bauern kamen mit Keulen zu den Insolvenzverhandlungen und Versteigerungen und hingen einen Galgen an einen nahestehenden Baum, um die Leute davon abzuhalten, Gebote abzugeben.” schrieb er. „Ein Angestellter der New York Life Insurance wurde von der Meute angegriffen, als er ein Gebot für eine Farm abgab, das weniger wert war als die Hypothek.”

Die Gesetze wurden im Laufe der Jahre geändert, um die Insolvenz für die Schuldner erträglicher zu machen. Der Chandler Act aus dem Jahr 1938 führte die Schuldenumstrukturierung ein und erleichterte es damit, wieder von vorne anzufangen. Der Bankruptcy Reform Act von 1978 gab den Kreditnehmern mehr Rechte und verkürzte den Prozess.

Das soziale Stigma änderte sich auch. Rafael Efrat von der California State University Northridge erkannte „eine bemerkenswerte Veränderung in den 60er Jahren im Verhalten der Öffentlichkeit gegenüber Personen, die Privatinsolvenz anmeldeten.”

Er erklärte: „Die Leute begannen, mehr Mitgefühl für die Betroffenen zu entwickeln. Diese Einstellung war darauf zurückzuführen, dass sich das soziale Bild von Schuld für finanzielles Scheitern geändert hatte.” Die Banken waren auf einmal die Bösen, die für die Probleme der Schuldner verantwortlich waren. Erwerbstätige Schuldner brüsteten sich damit, während der Immobilienkrise aus ihren Hypotheken herausgekommen zu sein, als wäre es etwas Ehrenhaftes.

Trump vertritt eine ähnliche Sichtweise: „Lassen Sie mich Ihnen etwas über die Gläubiger erzählen.” sagte er während einer Debatte. „Das sind keine Kinder. Das sind eiskalte Killer. Sie sind keine netten, kleinen Leute, OK?”

OK.

Was ich gerne wissen möchte, ist, welches System besser ist. Das System zu Trumans Zeiten, als man seine Schulden begleichen musste oder wie im Falle Trump, der mit Stolz seine Schulden nicht zahlt?

Diejenigen, die während der Großen Depression lebten, hatten eine lebenslange Aversion dagegen, sich etwas zu leihen. Das ist bis zu einem gewissen Grad eine gute Sache, denn in den folgenden Jahrzehnten gab es nur wenige Kreditkrisen. Die strengen Gesetze sorgten so dafür, dass die Leute sich von diesen Problemen fernhielten. Truman machte niemals wieder Schulden. Trump allerdings schon.

Und niemand sollte es begrüßen, wenn Schuldner, die ihre Schulden zahlen können, sich einfach durch eine Insolvenz davor drücken, weil es so bequemer ist. Das haben wir auch während der Immobilienkrise gesehen. Unternehmen, die Private-Equity-Gesellschaften gehören, machen solche Sachen. Gläubiger können die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen scheitert, auch in den Preis mit einfließen lassen. Aber es ist deutlich schwieriger, die Wahrscheinlich mit einzurechnen, dass jemand gierig wird und ein Schlupfloch ausnutzen wird. Und die Kosten werden am Ende wieder von den ehrenwerten Schuldnern getragen. Strenge Gesetze haben schon ihren Sinn.

Aber jede intelligente Erfindung war das Ergebnis eines Experimentes, und nicht alle Experimente glücken. Damit der Kapitalismus funktioniert, muss das ganze System – Unternehmer, Investoren, Banker und Konsumenten – akzeptieren, dass Scheitern nicht nur eine Option ist, sondern, dass es auch eine wünschenswerte ist. Wir machen einen schrecklichen Fehler, wenn nicht jedes Jahr viele Unternehmen mit wehenden Fahnen untergehen. Und wir machen einen noch größeren Fehler, wenn wir den Unternehmern nicht eine zweite Chance geben. Ein Insolvenzrecht mit Nachsicht hilft dabei. Es besteht eine positive Korrelation zwischen dem Insolvenzrecht und der unternehmerischen Tätigkeit. Das ist auch der Grund, warum es in Amerika mehr Innovationen gibt als in anderen Ländern, denn wenn ein Unternehmen scheitert, dann bedeutet das nicht, dass auch eine Person oder eine Idee scheitert. Jeder bekommt eine zweite Chance und das ist eine wunderbare Sache.

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Dieser Artikel wurde von Morgan Housel auf Englisch verfasst und wurde am 20.11.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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