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Aktienbewertung leicht gemacht: vier Kennzahlen in vier Minuten

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Alleine in Deutschland können Aktieninvestoren aus einer Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen wählen. Ein Blick in den Geschäftsbericht hilft mir persönlich bei der Unterscheidung zwischen guten und schlechten Unternehmen.

Ob der aktuelle Kurs nun fair, viel zu teuer oder super günstig ist, ist allerdings eine komplett andere Frage. Hier erhältst du einen sehr einfachen Überblick über vier Möglichkeiten, die dir helfen werden, diese Frage zu beantworten. In je einem Folgeartikel zeige ich dann an praktischen Beispielen, wie du diese Methoden in der Tiefe richtig anwendest.

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Das Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist die vermeintlich einfachste und meist verwendete Kennzahl zur Bewertung von Aktien. Wieso? Weil man für die Bildung dieser Kennzahl nur zwei Informationen benötigt: den Gewinn pro Aktie, der auf den meisten Finanzportalen veröffentlicht ist und den aktuellen Kurs der Aktie.

Hast du diese Werte, dann teilst du den aktuellen Kurs durch den Gewinn pro Aktie und hast das KGV. Kaufst du eine Aktie, die ein KGV von 15 hat, bist du bereit, das 15fache des Gewinns zu bezahlen.

Ob die Aktie nun teuer oder günstig ist, weißt du mit der bloßen Kennzahl aber noch nicht unbedingt. Aber du könntest dir die historischen KGVs anschauen, um in Erfahrung zu bringen, ob die Aktie in der Vergangenheit schon mal teurer oder günstiger bewertet war. Oder du vergleichst die KGVs von verschiedenen Unternehmen einer Branche, um zu erkennen, ob das Unternehmen im Vergleich zu seinen Konkurrenten teuer oder günstig zu haben ist.

Außerdem solltest du dir eine Meinung darüber bilden, wie stark die Unternehmensgewinne künftig wachsen werden und wie stabil diese Gewinne sind. Bei Unternehmen mit hohem Gewinnwachstum oder sehr stabilen Gewinnen solltes du auch bereit sein, ein etwas höheres KGV zu bezahlen.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis

Da die Eigenkapitalgeber einer Aktiengesellschaft die Aktionäre sind, ist es naheliegend, zur Aktienbewertung das Eigenkapital pro Aktie mit dem aktuellen Kurs pro Aktie zu vergleichen. Also herauszufinden, wie viel Geld du heute auf den Tisch legen musst, um einen Teil des Eigenkapitals zu erhalten.

Zur Bestimmung dieser Kennzahl teilt man das Eigenkapital des Unternehmens zunächst durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien und erhält so das Eigenkapital pro Aktie. Anschließend wird der aktuelle Aktienkurs durch das Eigenkapital pro Aktie geteilt.

Auch hier kann man mit der bloßen Kennzahl noch nicht bestimmen, ob ein Unternehmen nun günstig zu haben ist oder viel zu teuer ist. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass bei Unternehmen, die in der Lage sind, ihr Eigenkapital in den nächsten Jahren deutlich zu steigern auch ein höheres KBV akzeptabel ist.

Das Eigenkapital eines Unternehmens wird durch einbehaltene, als nicht ausgeschüttete Gewinne gesteigert. Setzt man den Jahresüberschuss ins Verhältnis zum Eigenkapital (Eigenkapitalrendite) erhält man Auskunft darüber, wie schnell ein Unternehmen sein Eigenkapital steigern könnte.

Spinnt man diesen Faden weiter so gilt: Je höher die Eigenkapitalrendite, umso höher ist das KBV, zu welchem ein Unternehmen noch fair bewertet ist.

Das Discounted-Cashflow-Modell

Hört sich ziemlich kompliziert an, ist es aber nur auf den ersten Blick. Versprochen!

Hinter dem Discounted-Cashflow-Modell, oder Modell der diskontierten Zahlungsströme, steckt die Überlegung, dass sich der Wert eines Unternehmens aus den künftigen Cashflows an das Unternehmen bestimmen lässt – man nennt das auch den Freien Cashflow.

Der Freie Cashflow ist ganz einfach der Geldbetrag, der nach allen Einnahmen einer Periode übrig bleibt, nachdem das Unternehmen allen seinen Verpflichtungen nachgekommen ist und die notwendigen Investitionen getätigt hat. Dieser Betrag wird verwendet, da er theoretisch komplett an die Aktionäre ausgeschüttet werden könnte.

„Diskontiert“ heißt, dass die künftigen Zahlungen auf den aktuellen Zeitpunkt abgezinst werden. Ein kleines Beispiel zur Veranschaulichung, was das bedeutet: Bei einem Zinssatz von 5 % ist eine Zahlung von 100 EUR im Oktober 2016 zum heutigen Zeitpunkt exakt 95,24 EUR wert (100 EUR / 1,05 1), weil: Wenn du heute 95,24 EUR für ein Jahr anlegst und 5 % Zinsen erhältst, dann sind sie in einem Jahr genau 100 EUR wert. Eine Zahlung im Oktober 2020 wäre demnach heute 78,35 EUR wert (100 EUR / 1,05 5).

Das wichtigste, was man bei diesem Modell verstehen muss, ist also: Zukünftige Zahlungen sind im Hier und Jetzt weniger wert. Und je höher der Zinssatz ist und je weiter in der Zukunft die Zahlung liegt, desto weniger ist der gleiche Betrag heute wert.

Wichtig ist auch, dass die Wahl des Zinssatzes neben der Abschätzung zukünftiger Zahlungsströme einen maßgeblichen Einfluss auf den Unternehmenswert hat. Je höher der Zinssatz, desto geringer der heutige Wert eines zukünftigen Cashflows. Rechne das genannte Beispiel doch einfach mal mit einem Zinssatz von 10 %.

Da der Zinssatz den heutigen Wert der künftigen Zahlungen bestimmt, sollte er sich meiner Meinung nach am bestehenden Risiko orientieren. Schätzt du die künftigen Zahlungen als bombensicher ein, dann kannst du auch einen niedrigen Zinssatz verwenden. Empfindest du die künftigen Zahlungen eher als unsicher, dann solltest du auch einen entsprechend hohen Zinssatz verwenden.

Das Discounted-Dividend-Modell

Für einkommensorientierte Investoren und Dividendenaktien bietet sich eine verwandte Methode des Discounted-Cashflow-Modells an. Das Discounted-Dividend-Modell.

Wie der Name bereits vermuten lässt, werden hier keine Cashflows diskontiert, die an das Unternehmen fließen, sondern Cashflows, die direkt an die Aktionäre gehen – nämlich künftige Dividenden.

Das Prinzip dahinter ist meiner Meinung nach für langfristig orientierte Investoren ziemlich einleuchtend. Hast du nämlich ein super Unternehmen zu einem fairen Preis entdeckt, dann ist die beste Haltedauer für immer. Es sei denn, die Zukunftsaussichten des Unternehmens verschlechtern sich dauerhaft. Und sofern du eine Aktie nicht verkaufst, sind die gezahlten Dividenden die einzigen Rückflüsse, die deine Investition abwirft. Die aufsummierten Dividenden bestimmen demnach für dich den Wert des Unternehmens.

Übung macht den Meister

Wie bei vielen Dingen hilft auch hier die graue Theorie nicht wirklich weiter. Nur durch häufige Anwendung der vorgestellten Modelle erhältst du ein Gefühl dafür, ob ein Unternehmen nun teuer oder günstig bewertet ist. Als kleine Starthilfe werde ich dir auf www.fool.de die Anwendung der unterschiedlichen Modelle an je einem praktischen Beispiel zeigen.

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