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5 Gründe, weshalb ich heute auf keinen Fall in Schaeffler investieren würde

Quelle: Schaeffler AG

Die Schaefflers haben es trotz Börsenturbulenzen und VW-Schock endlich geschafft, ihr Baby an die Börse zu bringen. Bei solch einem prominenten Neuling fragst du dich bestimmt, ob die Schaeffler-Aktie (WKN: SHA015) eine Bereicherung für dein Depot sein könnte. Nach dem gelungenen Debüt hat der Kurs zwischenzeitlich deutlich abgegeben.

Beim Studium der Investoren-Publikationen des Unternehmens sind mir allerdings einige Punkte etwas sauer aufgestoßen, die für mich im Moment klar gegen eine Investition sprechen. Hier sind sie.

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1. Währungseffekte und Schulden

Obwohl Schaeffler im Dollar-Raum weniger als 20 % Umsatz erwirtschaftet, lautet rund die Hälfte der gut 6,6 Mrd. EUR Finanzverbindlichkeiten, bestehend aus Bankkrediten und festverzinslichen Anleihen, auf Dollar. Zu deren Anstieg um knapp eine halbe Milliarde seit Ende 2014 trugen Währungseffekte im Umfang von 223 Mio. EUR bei. Vom Konzern wird dies dargestellt, als handele es sich hier um höhere Macht. Aber 223 Mio. EUR sind eine Stange Geld für ein Unternehmen dieser Größe – das entspricht einer Bilanzverschlechterung von rund 1 Mio. EUR  pro Arbeitstag über ein Jahr.

Die Einbußen hätten reduziert werden können, wenn man vorausschauend etwas Geld in die Hand genommen hätte, um den zuvor niedrigen Dollarkurs abzusichern. Auf diese Weise wäre der Effekt viel geringer ausgefallen. Ein Glück für Schaeffler, dass der Euro nicht ganz abgeschmiert ist wie damals nach der Bargeldeinführung, als er plötzlich nur noch 85 Cent wert war. Hier würde ich gerne wissen, ob für die Zukunft geeignete Absicherungsmaßnahmen vorgesehen sind.

2. Die Kartellstrafe

In der letzten Kapitalmarktpräsentation wird die Kartellstrafe in Höhe von 371 Mio. EUR meinem Eindruck nach ebenfalls wie ein Ereignis höherer Gewalt dargestellt: „Eigentlich war man ja operativ sehr erfolgreich, aber dann wurde dem Unternehmen diese Strafe aufgedrückt.“

Daneben wird beim Freien Cashflow stolz hervorgehoben, wie man sich von stark negativ zu leicht negativ verbessert hat. Man könnte auf den ersten Blick denken, dass Schaeffler hier auf dem richtigen Weg ist, wenn man den Trend fortsetzt. Erst in der zugehörigen Fußnote ist zu lesen, dass im Vorjahreshalbjahr der Einmaleffekt aus der Strafzahlung eine wichtige Rolle spielte. Das heißt im Klartext, dass der um Einmaleffekte bereinigte Trend in Wahrheit negativ ist.

Als Investor würde ich auch gerne wissen, ob die Unternehmensführung aus dem Vorfall gelernt und wirksame Maßnahmen eingeleitet hat, um zukünftige Vergehen zu vermeiden.

3. Die konstruierte Segmentaufteilung

Bei der Aufteilung des Gesamtgeschäfts in Divisionen sind Finanzchefs immer darauf bedacht, eine hübsch ausgewogene Balance herzustellen. Das gilt bei geographischen Einheiten, wo beispielsweise der Nahe Osten je nach Bedarf Afrika, Asien oder Europa zugeschlagen wird, ebenso wie bei den Produktgruppen.

Nun ist die Situation bei Schaeffler so, dass die Automobilhersteller über 60 % der Umsätze generieren und im Fahrzeug-Ersatzteilmarkt noch einmal 13 % hinzukommen. Da kann man als Vorstandsvorsitzender oder Finanzchef schon mal auf die Idee kommen, alles andere einfach in einer Industrie-Division zusammenzufassen.

Aus operativer Sicht ergibt es aber meiner Meinung nach wenig Sinn, das Zweirad-Geschäft dort unterzubringen, da bei diesem zu einem guten Teil ähnliche technische Probleme wie bei Autos gelöst werden müssen. Ich fände es daher konsistenter, wie bei Bosch ein Mobility-Segment zu schaffen, wo Lösungen für Straßenfahrzeuge aller Art zusammengefasst sind.

4. Das vernachlässigte Industriegeschäft

Auf der einen Seite brüstet man sich bei Schaeffler, dass man 60 Branchen beliefert. Auf der anderen Seite werden 4 Fokusbereiche definiert, die mit dem klassischen Industriegeschäft kaum etwas zu tun haben. Bei drei davon geht es um Mobilität und beim vierten um Windkraft und andere Energieanwendungen.

Auch hier erscheint es wieder so, als ob diese Schwerpunktsetzung von den Finanzingenieuren getroffen wurde und nicht von der operativen Führung. Nur weil Windturbinen gerade gut laufen und Druck-, Textil- und Werkzeugmaschinen eben nicht so, sollte man eines der Fundamente des Konzerns nicht derart vernachlässigen.

Das wirkt auf mich, als ob man hier kurzfristig denkt und sich selbst vormacht, voll mit den Megatrends zu gehen. In zwei Jahren kann das schon wieder ganz anders aussehen. Viel klüger wäre es aus meiner Sicht, sich weiterhin breit aufzustellen und so bei jedem aufkommenden Trend Lösungen bereitzuhalten, getreu dem Motto „überall, wo sich etwas dreht, steckt Schaeffler drin“.

5. Die Sache mit der Continental AG

Durch eine recht komplexe Holding-Struktur ist es den Schaefflers gelungen, das Aktienpaket aus dem Continental-Übernahme-Abenteuer von der operativen Schaeffler-Gruppe zu trennen. Somit hat die Entwicklung der Continental-Aktie (WKN:543900) zunächst keinen Einfluss auf die Schaeffler-Aktie.

Zu beachten ist allerdings folgender Aspekt: Bisher wurden nur 11 % des Unternehmens an die Börse gebracht, den Rest halten weiterhin die darüber liegenden Holdings. Diese sind bekanntlich hoch verschuldet, wobei die Schulden mit den Aktien von Schaeffler und Continental besichert sind.

Angenommen, Continental erleidet ein ähnliches Schicksal wie der japanischen Airbag-Hersteller Takata, der wegen zig-Millionen Rückrufen arg in Bedrängnis geraten ist. Dann werden die Holdings möglicherweise gezwungen sein, Schaeffler-Aktien in großer Zahl abzustoßen, um den Schuldendienst leisten zu können. Der Aktienkurs ginge voraussichtlich in der Folge durch den Verkaufsdruck ziemlich den Bach runter. Zugegebenermaßen ist die Wahrscheinlichkeit gering, aber das Risiko sollte man einkalkulieren.

Fazit

Trotz der unbestritten guten Marktposition der Schaeffler-Gruppe gibt es einige Aspekte in der strategischen Ausrichtung sowie die von mir wahrgenommene Schönmalerei bei der Selbstdarstellung des Unternehmens, die mir sauer aufgestoßen sind. Deshalb habe ich für mich entschieden, die weitere Entwicklung erst einmal in Ruhe zu beobachten.

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Ralf Anders besitzt keine der im Artikel genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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