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Warum ThyssenKrupp die Investitionschance im DAX sein kann

© ThyssenKrupp Steel Europe

Seit über 10 Jahren arbeitet man sich bei ThyssenKrupp (WKN:750000) von Konzernumbau zu Konzernumbau, auf Desinvestitionsprogramm folgt Sparprogramm und Restrukturierungsprogramm. Immer stand die Frage im Mittelpunkt, wohin sich ThyssenKrupp entwickeln sollte. Manche meinten, ThyssenKrupp sollte dem ArcelorMittal-Konzern nacheifern, der in wenigen Jahren zum dominierenden Riesen der Stahlbranche aufgestiegen war. Andere waren der Ansicht, dass man das wenig rentable Stahlgeschäft am besten aufgeben sollte, weil man bei den hohen Strompreisen in Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig sein könne.

Im Folgenden gehe ich der Frage nach, wohin sich ThyssenKrupp tatsächlich entwickelt hat, zeige auf, wo man sich unterwegs verrannt hat und argumentiere, warum das heute gar nicht so schlecht aussieht.

Mit Fehlinvestitionen fast an die Wand gefahren

Angefangen hat es mit den Transformations-Anstrengungen eigentlich noch ganz gut. Im Anschluss an die Dot.com-Krise damals nach 2001 hat ThyssenKrupp versucht, sein Sammelsurium an Geschäftsfeldern besser zu strukturieren und den internationalen Vertrieb schlagkräftiger aufzustellen.

Dann kam der Mittal-Schock: Der indisch-englische Konzern wuchs mit atemberaubender Geschwindigkeit und verkündete Ende 2006 den Zusammenschluss mit dem mächtigen Konkurrenten Arcelor aus Luxemburg. Offenbar fürchtete man nun bei ThyssenKrupp, größenmäßig abgehängt zu werden. Derart gedrängt, entschied man sich dann leider noch vor der Finanzkrise für eine internationale Expansion des Stahlgeschäfts. Ende 2006 startete der Bau in Brasilien, Mitte 2007 wurde der Grundstein im US-Werk gelegt. Noch bevor sie fertiggestellt wurden, brach die weltweite Nachfrage aufgrund der Finanzkrise völlig ein.

Daran wäre der Konzern fast zu Grunde gegangen. Auf dem Höhepunkt wurden von den finanzierenden Banken sogar die Kreditlinien in Frage gestellt. Selbst Ende 2013 titelte das Handelsblatt noch „Stahlriese in der Schuldenfalle“. Die vor der Krise nicht vorhandene Nettoverschuldung war in wenigen Jahren auf ein Vielfaches des operativen Gewinns vor Abschreibungen gestiegen und das Bonitätsrating drohte auf Ramsch-Niveau abzusinken.

Per Sparprogramm und mit Verkäufen aus der Krise

Der Konzern befand sich also im Krisenmodus. Alle möglichen Szenarien wurden durchgespielt und jeder Geschäftsbereich auf den Prüfstand gestellt.

Zunächst wurde wieder ein Sparprogramm aufgelegt. Daneben entschied man sich dafür, kleinere Bereiche zu veräußern sowie über eine Kapitalerhöhung weiteres Geld in die Kassen zu spülen. Zum Spottpreis ist der Konzern im Jahr 2014 dann auch das Stahlwerk in den USA wieder losgeworden.

Bei der Stahlproduktion konzentriert sich der Konzern daher wieder vor allem auf die europäischen Werke, allerdings eher auf Sparflamme: Gerade am 3. Oktober wurden wieder umfangreiche Einsparmaßnahmen verkündet und die Klagen vor weiteren Kostenbelastungen durch die Regulierer erneuert.

Darum ist der ThyssenKrupp-Konzern nun endlich richtig aufgestellt

Trotz des ganzen Hin und Her hat man über die Jahre auch einiges richtig gemacht im Hause ThyssenKrupp. So wurden beispielsweise alle Sparten konsequent auf Themen wie Innovation, Mehrwert und Kundenorientierung ausgerichtet, wie folgende Beispiele zeigen:

  • Komponenten: Neben Leichtbau-Innovationen hat man auch Lösungen für Brennstoffzellen und Elektromotoren in petto.
  • Elevator: Die fast vergessene Transrapid-Technologie wurde wieder ausgegraben und findet nun bei neuartigen Lift- und Personenbeförderungs-Systemen Anwendung.
  • Industrial Solutions: Angebotsausweitung, zuletzt erste Erfolge mit automatisierten Fertigungslinien für Hersteller von Lithium-Batterien.

Das sieht schon ganz gut aus, finde ich und geht stark in die gewünschte Richtung einer leistungsstarken diversifizierten Industrie-Gruppe.

Bleibende Risiken sollten nicht ignoriert werden

Beachten musst du allerdings den weiterhin hohen Verschuldungsgrad und das unsichere Marktumfeld. Beides zusammen kann im schlechtesten Fall noch einmal für einen heftigen Rückschlag sorgen. Das zyklische Geschäft von ThyssenKrupp ist gewissermaßen davon abhängig, dass der vorgezeichnete Plan aufgeht, damit die Verschuldung noch vor der drohenden Zinswende zurückgefahren werden kann.

Gute Aussichten trotz Unsicherheiten

Der letzte Quartalsbericht zeigt jedenfalls, dass aktuell operativ ganz ordentliche Gewinne eingefahren werden. Der hohe Schuldendienst lässt zwar den Nettogewinn ziemlich einschmelzen, aber immerhin ist ein leicht positiver freier Cashflow für das gerade beendete Geschäftsjahr zu erwarten. Auch das Verhältnis von Nettofinanzschulden zum Eigenkapital konnte durch die vorgenannten Maßnahmen signifikant verbessert werden.

Wie du siehst, scheint ThyssenKrupp das Gröbste hinter sich zu haben. Für die Zukunft kannst du daher aus meiner Sicht wieder mit kontinuierlichem Wachstum rechnen. Eine Marktkapitalisierung von unter 9 Mrd. EUR erscheint vor diesem Hintergrund ziemlich wenig. Ein Technologie-Konzern mit über 40 Mrd. EUR Umsatz sollte sich eigentlich eher in Richtung 20 Mrd. EUR bewegen, wenn man davon ausgeht, dass mittelfristig eine Nettogewinnmarge von mindestens 4 % erzielt werden kann.

Die Risiken werden aus meiner Sicht überbewertet und die Chancen nicht ausreichend eingepreist. Für uns Fools mit einer langfristigen Perspektive bietet diese Aktie daher gerade jetzt ausgezeichnete Chancen.

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Ralf Anders besitzt keine der im Artikel genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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