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Entlassungen bei Twitter: Wird auch Zeit

Foto: Twitter

Der heimgekehrte CEO Jack Dorsey hat kürzlich angekündigt, dass Twitter (WKN:A1W6XZ) 336 Stellen, oder 8 % der Belegschaft, streichen werde, um das Unternehmen effizienter zu machen. Vor den Entlassungen hatte Twitter über 4.100 Angestellte – mehr als doppelt so viele wie in Q2/ 2013. Seither wuchs die Zahl der monatlich aktiven Nutzer um weniger als 50 %.

Im August strukturierte Dorsey das Produktteam neu, nachdem die neuen Marketingmaßnahmen ergebnislos geblieben waren. Jetzt ist wohl das massive Technikerteam dran, das fast die Hälfte der Belegschaft einnimmt.

BILDQUELLE: PIXABAY.

Bild: Pixabay, OpenClipartVectors

Die Twitter-Aktie rutschte nach den ersten Berichten von Re/code und der New York Times erst ab, stieg dann aber wieder nachdem die Entlassungen bestätigt wurden. Meiner Meinung nach war das lange überfällig und eine eher positive Entwicklung für das Unternehmen. Im folgenden möchte ich mit euch besprechen, warum Dorsey die Belegschaft so schnell wie möglich zurechtstutzen sollte.

Wie viel verdienen die Angestellten bei Twitter?

Ein Softwareentwickler verdient bei Twitter ein durchschnittliches Grundgehalt von etwa 127.000 USD laut Glassdoor. Mit Cash-Prämien und Aktienboni steigt das Gesamtgehalt auf 143.000 USD – das liegt 41 % über dem nationalen Durchschnitt. Als Senior Software Engineer bekommt man dann ein Grundgehalt von 153.000 USD, mit Prämien 253.000 USD. Das sind dann 43 % mehr als der nationale Durchschnitt.

Aber auch die Top-Führungskräfte werden bei Twitter fürstlich entlohnt. Letztes Jahr bekam Alex Roetter, seines Zeichens Senior VP of Engineering, mehr als 19 Millionen USD. Etwa 18,8 Millionen USD davon kamen aus aktienbasierter Vergütung. Kevin Weil, Senior VP of Product verdiente 13 Millionen USD, wobei 12,7 Millionen aus aktienbasierter Vergütung bestand. Finanzchef Anthony Noto bekam 72,8 Millionen USD, wovon 72,6 Millionen USD aus Aktienboni bestanden.

Wenn man bedenkt, dass die Aktie seit Anfang 2014 um 55 % eingebrochen ist, ist es schwer zu verstehen, wie diese Gehälter gerechtfertigt sein sollen. Auch das monatliche Nutzerwachstum fiel im letzten Quartal auf 15 % im Jahresvergleich und markiert damit den niedrigsten Stand seit dem Börsengang. Das ist ein Indikator, dass die neuen Produkte keine neuen Nutzer bringen.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Überbezahlung der Angestellten mit aktienbasierten Vergütungen schadet den Gewinnen. In den ersten 6 Monaten des Steuerjahres 2015 zahlte Twitter 358 Millionen USD an aktienbasierten Vergütungen an seine Angestellten. Das sind 38 % der Einnahmen und markiert einen Anstieg von 258 Millionen USD im Vergleich zu vor einem Jahr.

Diese riesigen Ausgaben, die hauptsächlich an die Angestellten im Bereich Forschung und Entwicklung (Programmierung und Produkte) gezahlt wurden, haben zu einem GAAP-Nettoverlust von 299 Millionen USD allein in diesen 6 Monaten geführt. Im Jahr zuvor waren es noch 277 Millionen USD. Hätte Twitter seine Belegschaft reduziert oder weniger in Aktien bezahlt, dann hätte sich dieser Verlust wohl auch verringert. Wenn Twitter anfängt, Angestellte zu entlassen, könnte sich die EBITDA-Marge von 24 % in den ersten beiden Quartalen verbessern, was den Analysten von Citi zufolge deutlich unter dem Durchschnitt ähnlicher Unternehmen liegt.

Im Vergleich dazu zahlte Facebook (WKN:A1JWVX) in der ersten Hälfte des Steuerjahres 2015 nur 19 % seiner Einnahmen in Aktien aus. Im Gegensatz zu Twitter ist Facebook auf GAAP-Basis auch profitabel.
Mehr Aktien, höhere Bewertungen

Wie viele andere junge Tech-Unternehmen greift Twitter stark auf aktienbasierte Vergütungen zurück, da der Cashflow nicht stark genug ist, um große Zahlungen vorzunehmen. Momentan beträgt der freie Cashflow der letzten 12 Monate negative 128 Millionen USD.

Seit dem Börsengang ist die Zahl der Aktien im Umlauf um 24 % gestiegen. Während desselben Zeitraums stieg dieser Wert bei Facebook nur um 15 %. Durch die Ausgabe von mehr Aktien wird die Aktie von Twitter aufgeweicht und „teurer“ in Bezug auf die Fundamentaldaten. Derzeit wird Twitter mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 12 gehandelt, während der Durchschnitt für ähnliche Internetfirmen bei 7 liegt.

Ein Schritt in die richtige Richtung

In einem vorhergehenden Artikel habe ich schon die Herausforderungen besprochen, denen sich Dorsey bei Twitter stellen muss: 1) Die Balance zwischen Twitter und Square, seinem anderen Unternehmen, finden, 2) sicherstellen, dass Project Lightning funktioniert und 3) Twitter für die breite Masse zugänglicher machen. Sollte Dorsey diese Ziele nicht erreichen, dann sollten die Anleger die Aktie verkaufen.

Die Belegschaft um 8 % zu stutzen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Belegschaft ist doppelt so schnell gewachsen wie die Nutzerbasis. Die Gehälter der Programmierer sind deutlich über dem Durchschnitt und die aktienbasierten Vergütungen rangieren deutlich über dem nationalen Durchschnitt. Zusätzlich schaden die Aktienvergütungen den Gewinnen. Angestellte zu entlassen, um das Unternehmen zu verschlanken, ist eine harte, aber auch ein kluge Entscheidung und das allein zeigt schon, dass Dorsey es ernst damit meint, das Unternehmen zu retten, das er mitgegründet hat.

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Motley Fool besitzt und empfiehlt Facebook und Twitter.

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und wurde am 13.10.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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