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Sollte Facebook seine Nutzerdaten für das Gemeinwohl offenlegen

Foto: Pixabay

Letztes Frühjahr begann Facebook (WKN:A1JWVX) damit, den Zugang zu Nutzerdaten zu beschränken, die vorher noch Dritten zur Verfügung standen. Diese Entscheidung war besonders für Appentwickler hart, die auf den offenen Zugang zu Facebooks sogenanntem Social Graph und anderen Informationen angewiesen waren. Auch Parteien und Organisationen, die Facebooks Daten anzapften, um ihre Reichweite zu erhöhen waren betroffen.

Du wirst wahrscheinlich keinen Facebook-Nnutzer hören, der sich über diese Entscheidung beschwert. Der Schritt, den Zugang zu begrenzen wurde nämlich aufgrund von Nutzersorgen gegangen.

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Aber es gibt ein Gebiet, in dem das Unternehmen den Zugang zu Nutzerdaten offen lassen sollte: akademische Forschung. Wie dieser Wall Street Journal-Artikel [Abo erforderlich] zeigt, können die Forscher vor verschlossenen Türen stehen, durch die sie vorher Zugang zu den notwendigen Informationen für ihre Studien hatten.

Das Wall Street Journal beleuchtete den Fall des Sozialpychologen Benjamin Crosier aus Dartmouth. Er untersucht die Beziehung zwischen der Aktivität in sozialen Medien und Problemen wie Drogensucht. Crosier, der gehofft hatte, eine App zu entwickeln, wurde der Zugang zu Facebooks Daten verwehrt, die er noch Anfang des Jahres verwendet hatte.

Sein Fall zeigt die schwierige Balance, die Facebook einhalten muss. Auf der einen Seite soll es seine Mission verwirklichen, „den Menschen die Macht zu geben, Dinge zu teilen und die Welt offener und verbundener zu machen“ und auf der anderen Seite muss es seine fast 1,5 Milliarden Mitglieder nutzen, um immer mehr Geld zu verdienen, welches letzten Endes auch den Aktionären zugute kommt.

“Etwas besorgt”

Facebook sagte gegenüber dem WSJ, dass die Drittparteien immer noch Daten aus dem sozialen Netzwerk beziehen können. Allerdings gelten dafür neue Regeln, die einen besseren Schutz der Privatsphäre erfordern. Aber Crosier erlebt nun, was akademische Forscher bereits vor einem Jahr befürchtet hatten, als Facebook sein Änderungen im Datenzugang ankündigte.

“[Einige der] größten wissenschaftlichen Studien, waren Facebook-Studien“, sagte Robert Wilson, ein Doktorand an der Washington University. „Ich bin nun besorgt, dass dies alles kaputt geht, da es das Risiko dafür gibt.“

Forscher haben Daten von Facebook seit 2007 genutzt, als das Unternehmen zum ersten Mal die Daten für Dritte freigab. „Bis 2014 kam fast jeden Tag ein neuer Artikel heraus“, der sich zumindest teilweise auf das soziale Netzwerk bezog, sagte Wilson gegenüber Mahsable.

Idealismus und Kapitalismus kollidieren … wirklich?

So groß das Dilemma für das Unternehmen auch ist, es ist auch ein Dilemma für Investoren. Seine Ressourcen für das Gemeinwohl zu Verfügung zu stellen, ist nicht immer die beste Entscheidung, die man hinsichtlich des Shareholder-Values treffen kann. Zumindest nicht auf kurze Sicht. Aber Unternehmen haben auch schon scheinbar idealistische Arbeit in große Erfolge verwandelt. Wir müssen uns nur Google (WKN:A14Y6F) anschauen, der einzige Werbeverkäufer, der größer als Facebook ist.

Google generiert 90 % seines Jahresumsatzes in Höhe von 66 Milliarden USD aus Werbung. Trotzdem unternimmt es Anstrengungen, in Bereiche vorzudringen, die weit weg von seinem Geschäft sind. Hier sind nur ein paar Beispiele:

  • Kontaktlinsen, die Diabetes überwachen können.
  • Löffel, die das Rütteln von Parkinsonpatienten abfedern.
  • Drachen, die mit Hightechturbinen ausgestattet sind, um Windenergie zu gewinnen.

Keines dieser Dinge hilft dabei, den Internetnutzer mit Produkten oder Dienstleistungen zu verbinden, an deren Kauf du interessiert bist. Solche Aktivitäten von Google kosten das Unternehmen nach Schätzungen von Morgan Stanley 8 bis 9 Milliarden USD im Jahr. Der Mitgründer von Google Sergey Brin verteidigte diese teuren Ausgaben in einem SEC-Bericht im Juli. Darin sagte er, dass Shareholder Google als Forschungs-und-Entwicklungsunternehmen sehen müssten, nicht nur als Werbeverkäufer.

„Wir teilen den tiefen Glauben in die Macht der Technologie, um das Leben für Menschen überall besser zu machen und wir stellen uns vor, wie das Leben in 10, 15 oder 20 Jahren sein könnte“, schrieb Brin.

Mit seiner Armee an Ingenieuren ist Google ein Unternehmen, welches tatsächlich etwas verändern kann. Man kann nicht bestreiten, dass es damit Erfolg hat. Zwischen 2004 und 2014 schoss der Nettogewinn von 399 Millionen USD auf 14 Milliarden hoch. Das ist eine jährliche Wachstumsrate von 43 %.

Nettogewinn von Google (jährlich) Daten von YCharts

Nettogewinn von Google (jährlich) Daten von YCharts

Und wie bei Googles unzähligen talentierten Ingenieuren, besitzt Facebook Ressourcen, die die Gesellschaft in vielfältiger Weise verbessern können. Seine umfassenden Informationen über mehr als einer Milliarde Menschen ist unschätzbar wertvoll für Forscher, die versuchen zu verstehen, wie man gesellschaftliche Probleme beheben kann.

Ein schmaler Grat, den es lohnt zu gehen

Um diese Mission voll zu erfüllen, muss Facebook einen Weg finden, Nutzer an dieser Ressource im Sinne des Gemeinwohls teilhaben zu lassen. Die Frage ist, ob es dies tun kann, und gleichzeitig zwei anderen Anspruchsgruppen gerecht zu werden: den Nutzern und den Aktionären.

Das ist ein schmaler Grat und der Erfolg des Unternehmens hängt davon ab, ob es die Balance unter dem steigenden Gewicht wachsender Gewinne halten kann.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Facebook, Google (A Aktien) und Google (C Aktien).

Dieser Artikel wurde von John-Erik Koslosky auf Englisch verfasst und am 04.10.2015 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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